Interview

Frühwarnsystem

12/2018 - Prewave, ein Spin-off der TU Wien, setzt Künstliche Intelligenz zur Vorhersage von Nachhaltigkeitsrisken in der Lieferkette ein.

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Interview mit Tara Norton, BSR


Lisa Smith, Co-Gründerin und GF von Prewave

corporAID: Was kann Technologie zur Absicherung nachhaltiger Lieferketten beitragen?

Smith: Technologie kann vor allem die Transparenz in geographisch oft weit gestreuten Liefernetzwerken erhöhen. Dies ist eine essentielle Voraussetzung, um Problemstellen, also das „Nicht-Einhalten“ von sozialen und ökologischen Standards, rasch erkennen und Verbesserungsmaßnahmen einleiten zu können. Während aber intelligente Systeme und Sensoren helfen können, potenzielle Problemlagen in Echtzeit aufzuspüren, ist für die Lösung der Probleme immer noch menschliches Überlegen und Gespür notwendig, um den Gesamtkontext verstehen und sinnvolle, nachhaltige Lösungen entwickeln zu können.

Auf welcher Technologie beruht das Service von Prewave? Wie funktioniert es?

Smith: Wir bei Prewave spezialisieren uns auf die automatisierte Erkennung und Vorhersage von Nachhaltigkeitsrisiken in Lieferketten. Die Technologie dahinter beruht auf einer Kombination von Methoden des maschinellen Lernens und der natürlichen Sprachverarbeitung, des so genannten Natural Language Processing. Den ersten Prototyp für diese Technologie habe ich in meiner Dissertation an der Fakultät für Informatik an der TU Wien entwickelt. Das Kernstück der Technologie ist ein Algorithmus, der laufend öffentliche Social Media Nachrichten und Nachrichten-Meldungen aus lokalen Onlinezeitungen in 36 verschiedenen Sprachen sammelt, analysiert und daraus Risikosignale extrahiert. Dabei kann es sich zum Beispiel um Berichte über Arbeitsunfälle, Luftverschmutzung oder unethische Arbeitsbedingungen bei Lieferanten handeln.

Woher kommt die Nachfrage bisher?

Smith: Die größte Nachfrage kommt bisher von klassischen Logistik- sowie Produktionsunternehmen mit weltweiten Supply Chains. Unser Service ist aber auch für Versicherungen interessant, die sich mit Nachhaltigkeits- und Reputationsrisiken in Lieferketten beschäftigen, oder für Finanzdienstleister, die „Impact Investments“ tätigen und daher besonders an Nachhaltigkeitsaspekten interessiert sind. Darüber hinaus kooperieren wir mit Gewerkschaften und NGO, die sich für die Verbesserung von Arbeitsbedingungen einsetzen.

Vielen Dank für das Gespräch.


© corporAID Magazin 79
Das Gespräch führte Ursula Weber
Foto: Prewave

 

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