Interview

Geschmacksträgerin

12/2018 - Sonal Holland trägt – als einzige Person in Indien – die prestigereiche Auszeichnung „Master of Wine“. Für Holland ist der Titel vor allem eines: ein Auftrag, Indiens Weinproduzenten global bekannt zu machen und mehr Inder für Wein zu begeistern.

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Sonal Holland Master of Wine

corporAID: Indischer Wein ist in Österreich schwer erhältlich und kaum bekannt. Was verpassen Weinliebhaber?

Holland: Indien ist ein neues und aufstrebendes Weinland mit jahrzehntelanger Geschichte in der Weinproduktion. In der Hauptanbauregion Nashik werden viele internationale Rebsorten angebaut, darunter die Weißweinsorten Chenin Blanc, Sauvignon Blanc oder Chardonnay und Rotweintrauben wie Cabernet Sauvignon, Merlot und Shiraz. Es fehlt zwar noch an der Entwicklung eines Concept of terroir, doch ich denke, dass es einige Beispiele qualitativ guter Sauvignon Blancs und Shiraz gibt, die eine deutliche Sortentypizität und einen interessanten Ausdruck aufweisen.

Es gibt rund hundert indische Weingüter, doch es dominieren einige wenige. Was sind die Erfolgsfaktoren der Top-Produzenten?

Holland: Die drei führenden Weinproduzenten Indiens sind Sula, Grover und Fratelli, die gemeinsam einen Marktanteil von 70 bis 80 Prozent erreichen. Alle drei stellen eine Vielzahl unterschiedlicher Weine her, sind in mehreren indischen Bundesstaaten erhältlich und erlangen damit eine landesweite Sichtbarkeit. Sie investieren kontinuierlich in den Handel und in Kundenbindung, indem sie Medienpräsenz, Veranstaltungen, Schulungen, Social Media-Aktivitäten und vieles mehr nutzen. Sula und Fratelli haben außerdem beträchtlich in den Weintourismus investiert, um damit mehr Konsumenten zu gewinnen. Kleinere Produzenten haben nicht die Marketingbudgets, um mit den großen mitzuhalten. Eine weitere Hürde sind die unterschiedlichen rechtlichen und ordnungspolitischen Rahmen der 29 Bundesstaaten. Davon sind zwar alle Weinproduzenten betroffen, doch kleineren Produzenten fällt es doch schwerer, die lokalen Genehmigungen zu bekommen und die vielen Gesetze einzuhalten. Das schränkt die Möglichkeit, landesweit präsent zu sein, stark ein.

Trinkt man in Indien gerne Wein? ?

Holland: Inder konsumieren schätzungsweise 1,8 Mrd. Liter Whisky und 18 Mio. Liter Wein im Jahr. Man sieht also, dass wir durchaus trinken können! Der Weinkonsum ist in der vergangenen Dekade kontinuierlich um 14 bis 15 Prozent pro Jahr gestiegen, Wein ist das am schnellsten wachsende alkoholische Getränk Indiens. Doch von der fast halben Milliarde Inder, die das gesetzliche Mindestalter für Alkoholkonsum erreicht haben, trinken nicht einmal fünf Millionen Menschen Wein. Indien gehört somit zu den niedrigsten Pro-Kopf-Weinkonsumenten weltweit. Die Möglichkeiten, die sich uns hier präsentieren, übersteigen jede Vorstellungskraft!

Indische Weintrinker wissen im Allgemeinen wenig über Weinsorten, Regionen und Länder, daher greifen sie gerne zu bekannten Marken, von denen sie Qualität erwarten. Die Millennial-Weintrinker – sie sind zwischen 18 und 35 Jahre alt – wollen regelmäßig neue Weine ausprobieren. Sie schätzen das mit dem Weingenuss verbundene Image von Kultiviertheit, sowie die physischen Attribute des Geschmacks und des im Vergleich zu anderen Getränken geringeren Alkoholgehalts. In Indien ist mit „Schloss Gobelsburg“ übrigens nur ein einziges Grüne Veltliner-Label erhältlich. Es wäre großartig, ein paar mehr dieser herrlichen Weine bei uns zu haben!

Wie sehen Sie Ihre persönliche Rolle für die Entwicklung der indischen Weinkultur?

Holland: Ich bin stolz, Indiens erster und einziger Master of Wine zu sein. Ich nutze diese Position, indem ich die indische Weinbranche und ihre Möglichkeiten international ins Gespräch bringe. In Indien liegt mein Fokus auf der Förderung des Weingeschäfts durch Beratung des Handels und durch Verbraucherschulungen. Kurz gesagt: Ich bin mehr als mein Titel. Ich sehe mich als Botschafterin einer größeren Wein-Community und trete für einen verantwortungsvollen Genuss von Wein ein. Und mein Job ist es, Indien eine Stimme an den globalen Weintischen zu geben.

Vielen Dank für das Gespräch!

© corporAID Magazin Nr. 79
Das Gespräch führte Katharina Kainz-Traxler

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