Interview

Wie eine rollende Schneekugel

06/2018 - Monika Langthaler beobachtet eine ganz neue Klimaschutz-Dynamik, die sich von der nationalen Ebene losgesagt hat. Mehr Engagement, mehr Geld und viele neue Aufgabenfelder: Heimischen Unternehmen möchte sie eine Navigationshilfe anbieten.

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Monika Langthaler
Geschäftsführerin von Brainbows

corporAID: Braucht der Klimaschutz mehr dramatische Bilder auf großen Leinwänden?

Langthaler: Eines der vielen Probleme von uns Umwelt- und Klimaschützern ist, dass wir uns alle in dieser gleichen Bubble bewegen und uns dauernd mit uns selbst beschäftigen. Wir – und damit meine ich vor allem auch Arnold Schwarzenegger – versuchen aber Menschen für das Thema zu sensibilisieren, die damit noch weniger anfangen können. Um erfolgreich zu sein, brauchen wir einfach eine breitere Basis. Die dramatischen Bilder, die Sie ansprechen, beziehen sich ja alle auf wirkliche Naturkatastrophen, die in den letzten Jahren passiert sind. Die Vermurungen, die Stürme, die Dürre, die Überflutungen – das ist ja alles real. Und wenn man diese geballt präsentiert bekommt, wird einem die Dramatik vielleicht eher klar, als wenn man nur ab und zu einzelne Beiträge in den Nachrichten sieht. Auf der anderen Seite sollten wir aber unbedingt aufhören zu jammern, denn wir haben ja die Lösungen für diese Probleme.

Diese Lösungen wollen Sie mithilfe des Post-Paris-Navigators den österreichischen Unternehmen näher bringen. Von wem kam die Idee und was ist der wesentliche Antrieb?

Langthaler: Die Idee kam von mir. Ich war in den letzten 25 Jahren auf fast allen Klimakonferenzen, natürlich auch in Paris. Und ich war mir schon Monate vor der Konferenz sicher, dass diese erfolgreich sein wird, da es eine neue Dynamik gab und wesentliche Akteure wie die Finanzinstitutionen eingestiegen sind. Und wenn wie in den USA die nationale Ebene schwächelt oder ausfällt, dann übernehmen starke Regionen, Städte und der Privatsektor. Mit dem Post-Paris-Navigator haben wir nun ein Tool entwickelt, das die Unternehmen dabei unterstützt, sich in der Post-Paris-Welt zurechtzufinden. Ich habe es Navigator genannt, weil wir das Navigationsgerät für die Unternehmen sein wollen.

Was sind aktuell die größten Herausforderungen für heimische Unternehmen?

Langthaler: Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Problemfelder, die man am Anfang eines Projekts berücksichtigen muss. Man muss relativ ganzheitlich denken, was kleine Unternehmen oft aufgrund ihrer limitierten finanziellen Ressourcen nicht können. Die sind fokussiert auf ihre Technologie und wissen, wie ihre Anlage funktionieren soll. Aber das Rundherum können sie teilweise gar nicht kennen. Die richtigen Partner zu finden, logistische Fragen, Einspeisungverträge und so weiter. Da verstehen wir uns als Matchmaking-Plattform.

Was steht in den kommenden Monaten an?

Langthaler: Nachdem wir uns aktuell stark auf Biomasse konzentriert haben, werden wir uns nun einen weiteren technologischen Bereich im Detail anschauen und unter anderem wieder zehn Best-Practice-Projekte auswählen. Dabei geht es uns erneut um Projekte, die bereits sehr konkret sind und noch Unterstützung bei der Finanzierung brauchen. Wir werden auch einen umfassenden Bericht über die Ergebnisse des „R20 Austrian World Summits“ auf der Weltklimakonferenz in Katowice im Dezember präsentieren. Es ist wie bei einer bergab rollenden Schneekugel. Wir haben unseren Nukleus, und da kommen jetzt immer mehr Schichten dazu. Und wir versuchen die Dynamik des Größerwerdens und des Rollens zu nutzen, um immer fokussiertere Leistungen für Unternehmen anzubieten, die ihre Projekte vor allem in Entwicklungsländern umsetzen wollen.

Während Ihre Schneekugel wächst, schmelzen die Pole. Sind österreichische Unternehmen dazu bereit, verstärkt in Richtung grüner Technologien zu denken?

Langthaler: Ja, das sehen wir an den Anfragen und Rückmeldungen, die wir bekommen. Von Veranstaltung zu Veranstaltung erhalten wir mehr Anmeldungen. Und die Unternehmen kommen natürlich nur dann, wenn sie sich einen Mehrwert erwarten, und nicht, um über das große Ganze zu diskutieren, denn dazu haben sie keine Zeit. Sie müssen logischerweise fokussiert und genau arbeiten. Und das machen auch wir.

Vielen Dank für das Gespräch!

© corporAID Magazin Nr. 76
Das Gespräch führte Frederik Schäfer.
Foto: Brainbows

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