Interview

Afrika am Radar

06/2018 - Laut Konsulent Klaus Tritscher können vom Afrikageschäft vor allem KMU mit Herz und Hartnäckigkeit profitieren.

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Klaus Tritscher
EnTri Consulting

corporAID: Welchen Unternehmen würden Sie besonders zum Schritt auf den Nachbarkontinent raten?

Tritscher: KMU können besonders von dem rasanten Wachstum der afrikanischen Wirtschaft und Kaufkraft, das es beispielsweise in Osteuropa so nicht mehr gibt, profitieren. Zudem finden vor allem Unternehmen aus den Branchen der erneuerbaren Energie und Wassertechnik ein riesiges Marktpotenzial vor. Generell werden kleinere Projekte in Afrika häufig schneller umgesetzt, denn sie sind nicht am Radar der staatlichen Institutionen: Je höher der Betrag, desto mehr staatliche Einflüsse und desto mühsamer und langwieriger wird das ganze Projekt. Bei kleineren Privatsektorprojekten sind die Leute persönlich dahinter und setzen sie auch um. Es gibt jedoch eine Finanzierungslücke. Im unteren Teil ist die Austrian Development Agency mit ihren Wirtschaftspartnerschaften bis 200.000 Euro Förderung. Ab vier bis fünf Millionen fängt die Entwicklungsbank an. Genau dazwischen liegen aber 90 Prozent der KMU, sowohl in Österreich als auch in Subsahara-Afrika. Hier ist es wesentlich, Finanzierungsmöglichkeiten zu finden, die für die Firmen vernünftig sind.

Was braucht es außer Vernunft noch?

Tritscher: Herz, denn ohne eine gewisse Afrika-Affinität wäre die Frustrationstoleranz vermutlich nicht groß genug. Wenn Sie keine Liebe zur Region und den Leuten haben, ist es sinnlos. Dann bringen Sie nicht die nötige Geduld auf, denn vieles dauert eben länger als gewohnt. Und gleichzeitig ist eine Herangehensweise auf Augenhöhe ganz wichtig. Firmen, die nicht ausschließlich auf Profitmaximierung aus sind, sondern auch wirklich in Afrika etwas bewegen wollen, stellen mich persönlich am meisten zufrieden.

Was ist die wesentliche Kompetenz, die ein Unternehmer für das Afrikageschäft mitbringen muss?

Tritscher: Hartnäckigkeit, die sich vor allem auch in der Art der Kommunikation niederschlägt: Man muss sich persönlich treffen. Sie können zehn E-Mails schreiben und es ist völlig umsonst. Wenn Sie einmal hinfahren, auch ohne Termin, erreichen Sie wesentlich mehr, als wenn Sie zehnmal schreiben. Langfristige Planungen bringen wenig. Man muss sich persönlich treffen und das immer wieder. Das verstehen viele österreichische Firmen noch nicht.

Vielen Dank für das Gespräch!

© corporAID Magazin Nr. 76
Das Gespräch führte Frederik Schäfer.
Foto: EnTri Consulting

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