ADA-Wirtschaftspartnerschaft

Business Software für den Kosovo

04/2018 - Die oberösterreichische Verpura GmbH hat eine Software entwickelt, die KMU bei der Geschäftsgebarung unterstützt. Im Kosovo scheint der Bedarf nach einer solchen Software groß. Die Austrian Development Agency unterstützt die Vorbereitungen für den Markteintritt.





Workshop Florian Gumpinger (li.) präsentiert die Vorteile der Verpura-Software für Start-ups in Pristina.

Der Kosovo ist das kleinste und ärmste Land am Balkan und noch dazu als unabhängiger Staat bis heute nicht generell anerkannt. Fast ein Drittel der erwerbsfähigen Bevölkerung ist arbeitslos, die wichtigste Einkommensquelle sind nach wie vor Rück­über­weisungen von Auslandskosovaren. Es fehlen produktive Arbeitsplätze in der Landwirtschaft und Industrie. Einen Lichtblick stellt der vergleichsweise stark entwickelte Dienstleistungssektor dar, der allerdings weitgehend aus Mikro- und Kleinunternehmen besteht.

Wirklich stabil sind diese Firmen nur selten. „Im Kosovo scheitern acht von zehn Unternehmen im ersten Jahr, und das nicht unbedingt wegen mangelnder Liquidität, sondern häufig wegen fehlender Erfahrung und Unterstützung in betriebswirtschaftlichen Fragen“, zitiert Florian Gumpinger einen offiziellen Bericht. Vor fünfzehn Jahren eröffnete Gumpinger in Altenberg bei Linz eine Softwarefirma und entwickelte mit einem internationalen Team auch eine eigene Software, die auf KMU zugeschnitten ist: „Die Software deckt das gesamte Betriebsgeschehen ab, von der Kunden-, Lieferanten- und Warenverwaltung, dem Rechnungs­wesen, der Projektverwaltung, der Zeiterfassung, dem Fahrten- und Kassabuch bis hin zu Kalender und Emails.“

Verpura, so der Name des Softwareprodukts, ist eine Cloud-Lösung, die als solche dem Unternehmer im Jahr 2009 auf der weltweit wichtigsten IT-Messe CeBIT eine Nominierung für den Innovationspreis der Initiative Mittelstand einbrachte. Inzwischen arbeiten rund hundert österreichische Betriebe mit Verpura Software, und Gumpingers Firma heißt mittlerweile ebenfalls Verpura GmbH.

Neuer Markt In den Kosovo kam der Oberösterreicher 2014 im Rahmen der KFOR-Friedensmission. Dort fand er Zugang zu Gewerbetreibenden und entdeckte den Kosovo als potenziellen Absatzmarkt für seine Unternehmenslösung. Da die technische Universität in der Hauptstadt Pristina als Informatikerschmiede gilt, versprach die Rekrutierung von Programmierern zur Anpassung der Software an den lokalen Bedarf und Rechtsrahmen dabei keine größeren Schwierigkeiten zu bereiten.

Mit der S&T AG – einem international tätigen Linzer IT-Unternehmen – plante Gumpinger den gemeinsamen Start einer Softwarefirma im Kosovo. Denn in dem kleinen und jungen Markt, der von einer Vielzahl an Vorschriften und Regularien sowie einer stark fragmentierten Institutionenlandschaft geprägt ist, fehlt es trotz dringenden Bedarfs auf allen Ebenen an lokalisierten Lösungen für Unternehmen.


Pristina Das Team besteht derzeit aus zwei IT-Mitarbeitern. Links: Dardan Velija, Inhaber von Iron Consulting und Joint-Venture-Partner.

In einem nächsten Schritt beantragten die Partner bei der Austrian Development Agency ADA eine Förderung im Rahmen des Programms Wirtschaftspartnerschaften. Die Zusage der ADA begründet Programmmanager Lukas Hecke dabei vor allem mit dem Nutzen für die kosovarische KMU- und Start-up-Szene: „Durch das Vorhaben sollen langfristig hunderte Kleinbetriebe die Chance erhalten, ihre unternehmerische Tätigkeit durch eine Software zu professionalisieren, die auf den lokalen Bedarf zugeschnitten ist und zugleich für das internationale Business fit macht.“

Erste Schritte Mitte 2017 gründete Florian Gumpinger mit Dardan Velija, dem Inhaber der in Pristina tätigen Unternehmensberatung Iron Consulting, die Verpura SH.P.K. als Joint-Venture. Für die Anpassungen der Verpura Software an die lokalen Gegebenheiten stellten die Partner zwei IT-Fachkräfte ein. Anfang 2018 gewannen sie einen KFZ-Betrieb mit mehreren Standorten dafür, die Software zu testen, bevor sie schließlich ins Albanische und dann auch ins Serbische übersetzt wird. Dem KFZ-Betrieb wurde dabei das komplette Softwarepaket geboten. Dieses umfasst neben der Einführung in die Software einen BWL-Crashkurs, der von Iron Consulting abgehalten wird und bei Bedarf bis zu zwei Tage dauert.


Die Wirtschaftskammer des Kosovo wird die Bewerbung der Software aus Österreich unterstützen. Die entsprechende Vereinbarung ist unterschrieben.

Iron Consulting ist als Berater für kosovarische Kleinbetriebe auch bei der Bewerbung der Software ein Schlüsselpartner im Projekt. Daneben wurden mit vier lokalen Fördereinrichtungen für Start-ups Vertriebsvereinbarungen getroffen: Sie werden jährlich bis zu zwanzig Erstkunden vermitteln. Und nicht zuletzt hat auch die kosovarische Wirtschaftskammer angeboten, das Softwarepaket zwei Jahre lang über verschiedene Plattformen bekannt zu machen. Das Interesse der Kammer richtet sich dabei ausdrücklich auch auf die stärkere Vernetzung von kosovarischen KMU mit der österreichischen Wirtschaft.

Vor diesem Hintergrund ist Gumpinger zuversichtlich, sein definiertes Ziel zu erreichen, nämlich jährlich an die hundert Neukunden im Kosovo zu gewinnen. Dabei wird Verpura für KMU und Start-ups im ersten Jahr gratis zur Verfügung gestellt, danach liegen die Kosten bei rund 20 Euro pro Monat.

„Wenn sich das Produkt bewährt, die Nachfrage steigt und das Geschäft einmal läuft“, sagt Gumpinger, „kann das Service weiter individualisiert werden.“ Und zugleich könnte es weitergehen in den nächsten Markt – das wäre dann wohl Serbien.



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DIE UNTERNEHMEN

Ausstatter mit IT-Infrastruktur
Die Verpura GmbH wurde 2010 von Florian Gumpinger in Altenberg, Oberösterreich, gegründet. Das Softwarehaus ist nach seinem Eigenprodukt benannt, einer Cloud-basierten modular aufgebauten Business Software für KMU, die 2009 auf den Markt kam. Verpura war bisher vor allem in Österreich tätig und hat aktuell vier IT-Mitarbeiter. Österreichischer Kooperationspartner ist die 2008 gegründete und an der Deutschen Börse und im TecDAX gelistete S&T AG mit Headquarter in Linz. Der Konzern ist mit rund 3.700 Mitarbeitern in mehr als 25 Ländern niedergelassen und ein führendes IT-Systemhaus in Österreich und Osteuropa.

© corporAID Magazin Nr. 74
Text: Ursula Weber
Fotos: Callidus

 

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