Interview

Runter mit der Temperatur

02/2018 - Regina Vetter vom Cool Cities Network mit Sitz in New York erklärt, warum die Stadtplanung auf Luft-korridore, grüne Dächer und helle Straßenbeläge setzen sollte.


Regina Vetter Cool Cities Network

corporAID:Wie lassen sich die Temperaturen in den Städten senken?
Vetter: Für Stadtregierungen, Unternehmen und Bürger gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten, ihre Städte herunter zu kühlen. Zum Beispiel kann dem städtischen Wärmeinseleffekt als auch den Hitzewellen durch kühlere Oberflächen begegnet werden. Infrastrukturelemente wie begrünte Fassaden und Dächer sorgen für eine natürliche Beschattung von Gebäuden, die sonst Wärme aufnehmen würden. Cool Roofs, also Dächer mit reflektierenden Farben sind sehr kosteneffektiv und reduzieren die Temperaturen in den Gebäuden selbst. Zusätzliche Bäume verbessern nicht nur die Luftqualität, sondern sind auch sinnvoll für die Beschattung ihrer Umgebung.

Wie kann man Bürger motivieren, selbst Maßnahmen umzusetzen?
Vetter: Es gibt Anreize, mit denen auch Bürger die Hitze bekämpfen können und sich gleichzeitig die städtische Lebensqualität erhöhen lässt. In Mexiko Stadt gibt es beispielsweise seit 2007 eine Richtlinie, die technische Spezifikationen für die Errichtung begrünter Dächer festlegt und steuerliche Anreize für private Bauherren schafft, damit diese auf begrünte Dächer umsteigen. Auch auf vielen öffentlichen Gebäuden wie Krankenhäusern, Schulen, U-Bahnhöfen und Regierungsgebäuden werden die Dächer mittlerweile begrünt. Washington D.C. hat wiederum einen innovativen marktorientierten Mechanismus entwickelt, den Handel mit Stormwater Retention Credits SRC. Die Stadt möchte mehr grüne Infrastruktur, um sich besser vor Hitzewellen wie auch Überschwemmungen zu schützen. Bürger, die in begrünte Fassaden, Dächer und Gärten investieren oder Böden wasserdurchlässig gestalten, können dafür SCR erhalten. SCR lassen sich in einem offenen Markt an Immobilienentwickler verkaufen, weil diese regulatorische Anforderungen für den Umgang mit Regenwasser zu erfüllen haben.

Wie unterstützt Ihr Netzwerk Städte dabei, hitzeresilienter zu werden?
Vetter: Das Cool Cities Network bringt Megastädte zusammen, um Best Practices, Erfahrungen und Lösungen auszutauschen, damit sie widerstandsfähig gegen extreme Hitze werden. Tatsächlich erweisen sich vor allem Bürgermeister als Vorkämpfer des Klimaschutzes auf der ganzen Welt. Sie setzen ehrgeizige Ziele und Maßnahmen zur Anpassung an die Auswirkungen des Klimawandels.

Vielen Dank für das Gespräch!

© corporAID Magazin Nr. 74
Das Gespräch führte Katharina Kainz-Traxler

Suche:  
Aktuelle Artikel

Speiseinsekten: Superfood mit Imageproblem

Elektroschrott: 55 Milliarden Euro Schrott

Kurzmeldung: Engere soziale Netze

Termine

7.6.2018 Multilogue: ABGESAGT - Development Investments

8.6.2018 Workshop: Business meets NGO

21.6.2018 Netzwerk-Event: Die Welt in Wien

Österreichische Unternehmen unterstützen corporAID
http://corporate.coke.at