Interview

Know-how für Mode-Talente

02/2018 - Waridi Schrobsdorff setzt sich mit ihrer Plattform FA254 für die Professionalisierung afrikanischer Designtalente ein.


Waridi Schrobsdorff FA254

corporAID:Was raten Sie den afrikanischen Talenten, die Sie unter Ihre Fittiche nehmen?
Schrobsdorff: Ich sage immer: Wer im Modemarkt bestehen will, muss weit mehr können, als nur tolle Ideen entwickeln. Viele Akteure sind Autodidakten, denen oft das Verständnis fehlt, wie die Modebranche eigentlich funktioniert. Für sie gibt es daher viele Herausforderungen: umsetzbare Zeitpläne aufzustellen, Materialien in der richtigen Qualität und Menge parat zu haben oder eine bestimmte Produktqualität zu erreichen. FA254 unterstützt sie stark durch Talentwettbewerbe, in denen wir Know-how vermitteln und die Designer auf ihren internationalen Auftritt vorbereiten. Ich rate immer dazu, besser langsam und organisch zu wachsen, als Erwartungen zu wecken, die nicht umsetzbar sind.

Ist es für den internationalen Erfolg wichtig, dass man gleich sieht: Die Mode stammt aus Afrika?
Schrobsdorff: Afrikanische Designer sind im Ausland tatsächlich oft mit der Erwartung konfrontiert, dass sie mit farbenfrohen gemusterten Wachsbatikstoffen oder dem Zebralook arbeiten müssen. Als Designer muss man aber zwei Mal im Jahr neue Kollektionen mit frischen Ideen und Materialien präsentieren. Wichtig ist es daher, eine individuelle Handschrift zu entwickeln, statt stets zu versuchen, plakativ afrikanisch zu sein.

Wie groß ist das weltweite Interesse?
Schrobsdorff: Heute gibt es große Fashion Weeks in Johannesburg, Accra oder Lagos, und internationale Medien, vor allem aus Italien, sind zunehmend interessiert. Internationale Einkäufer fliegen hingegen kaum ein, was für kleinere Märkte schade ist. In Südafrika ist das kein Problem, weil die lokale Modeszene mittlerweile so groß ist, dass sie sich selbst genügt. Ähnliches gilt für Westafrika, speziell Nigeria, das auch nicht unbedingt auf internationale Käufer angewiesen ist, weil das lokale Marktpotenzial riesig ist. Doch ich bin sicher, dass die Modewochen Afrikas zunehmend Käufer aus dem Ausland anlocken werden und sich die Branche gut entwickeln wird – das wäre für die Designer wünschenswert, aber auch ein Gewinn für Afrikas Reputation!

Vielen Dank für das Gespräch!

© corporAID Magazin Nr. 74
Das Gespräch führte Katharina Kainz-Traxler

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