Interview

Made in Africa hat viel Potenzial!

02/2018 - Emanuela Gregorio, Leiterin der Fashionomics Initiative der Afrikanischen Entwicklungsbank AfDB, setzt große Hoffnungen in die Mode- und Bekleidungsindustrie als Job- und Wirtschaftsmotor für Afrika.


Emanuela
Gregorio
AfDB

corporAID:Welches Potenzial steckt in Afrikas Modemarkt?
Gregorio: Afrikanische Designer entwickeln Marken- und Modekonzepte, die auf kulturelles Erbe setzen und damit auf eine „afrikanische Marke“. Sie bekommen heute dafür weltweit Anerkennung. Doch Mode ist nicht nur Design und Inspiration. Es ist auch eine Milliarden-Dollar-Branche, die Millionen Jobs für qualifizierte und ungelernte Arbeitskräfte – und hier vor allem für Frauen und junge Menschen – schaffen kann, wenn man die gesamte Wertschöpfung der Textil- und Kleidungsproduktion betrachtet, vom Baumwollanbau über die Textilverarbeitung und das Modedesign bis hin zu Produktion und Verkauf. Der Sektor muss nun entwickelt werden, um sein volles Potenzial auszuschöpfen. Internationale Textilhersteller haben Afrika übrigens am Radar. So produziert etwa der US-Textilkonzern Phillips Van Heusen, zu dem Marken wie Calvin Klein und Tommy Hilfiger gehören, bereits in Äthiopien und plant nun auch den Schritt nach Kenia.

Soll die Branche eher auf High-End-Kunden oder auf den Massenmarkt setzen?
Gregorio: Hier muss es kein Entweder-oder geben. Es sollten sowohl lokale Inhalte und Handwerkskunst als auch die Industrialisierung vorangetrieben werden. Denn egal ob Luxus- und Designermarken oder Massenmarktprodukte: Alle haben Infrastruktur-Mindest-Erfordernisse, um zu florieren und eine gewisse Größe zu erreichen. Noch wird in der Branche vieles durch kleine informelle Unternehmen abgewickelt.

Wie könnte man den Sektor fördern?
Gregorio: Entwicklungspartner und politische Entscheidungsträger sollten in den Aufbau von Wertschöpfung investieren. Ein neues Angebot könnten Innovationszentren sein, in denen informelle Unternehmer die notwendige Infrastruktur für den Aufbau und die Formalisierung ihres Business vorfinden und wo sie sich mit anderen Herstellern, Designern, Lieferanten und Händlern vernetzen können. Auch Investoren sind gefragt: Noch steckt die Modeindustrie in den Kinderschuhen, doch nirgendwo wächst die Mittelklasse schneller als in Afrika. E-Commerce, Social Media und neue Technologien verändern die Art, wie Designer und Einzelhändler ihr Business betreiben. Der Kontinent verfügt zusätzlich über viele Faktoren, um zur globalen Größe im Textil- und Bekleidungsbereich zu werden: Arbeitskräfte, Wasser, Energie, Baumwolle, Land – und auch aufnahmebereite Regierungen und attraktive Investitionsbedingungen. In Bereichen wie technisches Know-how, Produktion, Logistik, Aufbau von Marken und Unternehmen gibt es also riesige Investmentchancen.

Vielen Dank für das Gespräch!

© corporAID Magazin Nr. 74
Das Gespräch führte Katharina Kainz-Traxler

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