Leitartikel

Neue Logik

12/2017 - von Christoph Eder


Christoph Eder
Chefredakteur

In Abidjan diskutierten Ende November Vertreter der 55 afrikanischen Staaten und der 28 EU-Mitglieder über eine neue Partnerschaft der beiden Nachbarkontinente. Angereist waren unter anderem die deutsche Kanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident Emmanuel Macron – dass weder Noch-Bundeskanzler Christian Kern noch Bald-Bundeskanzler und zu diesem Zeitpunkt Außenminister Sebastian Kurz Abidjan eine Reise wert fanden, ist für sich auch eine Botschaft über die Rolle, die der Zusammenarbeit mit Afrika seitens der heimischen Politik zugewiesen wird. Beamtenstaatssekretärin Mona Duzdar wahrte als österreichische Vertreterin zumindest den diplomatischen Anstand.

Dabei erscheint Europa die Notwendigkeit, Wirtschaftswachstum und Perspektiven in Afrika zu schaffen, selten so groß wie heute. So stand auch der EU-Afrika-Gipfel unter dem Titel „Investieren in die Jugend – für eine nachhaltige Zukunft“. Die Logik aus Sicht Europas liegt auf der Hand: Wer in Lagos einen guten Job findet, ist einfach weniger gewillt, nach Europa auszuwandern. Die Abschlusserklärung setzt dazu auf Investitionen in Ausbildung und Technologie, die Stärkung von politischer Stabilität und Sicherheit und einen nachhaltigen strukturellen Wandel Afrikas. Wie das in der Praxis funktionieren soll, wurde nicht thematisiert. Leider sind Arbeitsplätze ohne produktive Unternehmen in den allermeisten afrikanischen Staaten nicht gerade zahlreich zu finden. Auch die Entwicklungszusammenarbeit hat hier trotz Milliardentransfers in den vergangenen Jahrzehnten nur sehr wenig bewirkt. Das lag nicht zuletzt daran, dass diese sich stark daran orientierte, was im Geberland gutgeheißen wurde. Afrika kam in diesem System vor allem eine passive Rolle zu. Ein fehlender politischer und gesellschaftlicher Wille zur Entwicklung ist auf Seiten der afrikanischen Partner eine unerwünschte Folge davon.

Neue Partnerschaften auf Augenhöhe sollen diesen Willen zur Entwicklung nun entfachen. Heute sieht sich Afrika nicht zu Unrecht immer mehr als attraktiver Markt der Zukunft. Dass Europas Unternehmen hier investieren wollen, erscheint den Afrikanern selbstverständlich. In Abidjan sagte die EU denn auch ein Investitionspaket zu: 40 Mrd. Euro sollen von europäischen Firmen kommen, die in erneuerbare Energie, Digitalisierung oder nachhaltige Stadtentwicklung investieren, 4 Mrd. steuert die EU bei. In die gleiche Kerbe schlägt der Compact with Africa, der individuell zugeschnittene Investitionspartnerschaften von Industriestaaten mit interessierten afrikanischen Ländern anstrebt.

In dieser neuen Logik braucht es nun ein weiteres Umdenken auf Seiten Europas, denn bei der wirtschaftlichen Zusammenarbeit auf Augenhöhe stehen auch China, Indien und viele andere Schlange. Für den afrikanischen Entwicklungswillen ist das eine gute Nachricht.


© corporAID Magazin Nr. 73

 

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