Interview

Wer über SDG berichtet, muss nach vorne schauen

12/2017 - Roman Mesicek, Studiengangsleiter für nachhaltige Entwicklung an der IMC Fachhochschule Krems und langjähriges Jurymitglied beim österreichischen Preis für Nachhaltigkeitsberichte ASRA, wirbt für eine strategische Auseinandersertzung mit den SDG.


Roman Mesicek,
IMC FH Krems

corporAID: Wo stehen Unternehmen bei der Berichterstattung zu den SDG?

Mesicek: Die SDG gibt es gerade einmal zwei Jahre. Wenn Unternehmen im Rahmen ihres Nachhaltigkeitsberichts dazu bereits reporten – und ich habe manches gesehen –, sage ich: „Hut ab.“ Andererseits ist die Methode noch ziemlich handgestrickt: Die Unternehmen schreiben hinein, was sie glauben, das richtig oder wichtig ist, was dazu passt oder worin sie gut sind. Das heißt aber noch nicht, dass wir am Ende des Tages die blinden Flecken ins Visier nehmen, die wir als Gesellschaft haben. Das wird dann leicht zu einer Nabelschau.

Was könnte hier helfen?

Mesicek: Wenn es darum geht, Ziele zu erreichen, brauchen wir eigentlich eine strategische Initiative. Denn kein Unternehmen wird im Alleingang versuchen, die SDG zu adressieren, das macht nur in einem größeren Kontext Sinn.

Wie kann dieser Kontext geschaffen werden?

Mesicek: Es wird darum gehen, etwas stärker in die Zukunft zu schauen, um zu sehen, wo ein Beitrag gefragt ist. Ich glaube schon, dass es da auch einen ordnungspolitischen Rahmen braucht. Wenn man zum Beispiel nach Deutschland oder Tschechien schaut, wo auch sehr viel klarer kommuniziert wird, bei welchem SDG Handlungsbedarf besteht und in welcher Form – wenn es so etwas gibt, kann man sich als Unternehmen daran orientieren und überlegen, wo man mitmachen kann. Es braucht also immer auch Rahmenbedingungen und Schwerpunktsetzungen. Man kann von den Unternehmen nicht verlangen, dass sie das selbst lösen.

Würde dies zu einem Fortschritt bei den Berichten führen?

Mesicek: Ganz sicher. Allerdings sollte der Nachhaltigkeitsbericht, der ein sachlicher Bericht ist und sein soll, nicht der einzige Ort sein, um zu berichten. Gerade bei den SDG, die man ja global erreichen will, macht es sicher Sinn, wenn die Unternehmen auch noch breitere Kanäle suchen, um ihr Engagement bekannt zu machen – und Unterstützer zu finden.

Vielen Dank für das Gespräch!

© corporAID Magazin Nr. 73
Foto: IMC FH Krems
Das Interview führte Ursula Weber.

 

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