Report

Entwicklung à la chinoise

10/2017 - China geht einen eigenen entwicklungs­politischen Weg. Ein Report aus Hongkong legt die Eckpunkte von Chinas Modell dar und unterstreicht die Unterschiede zum Ansatz der OECD-Länder.

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Termin: 21.11.2017 Event zur Seidenstraße in der WKW


Einige Beispiele für Chinas Engagement. Alle Beispiele sind im FCSSC-Bericht erwähnt.

Typische Beispiele für chinesische Süd-Süd-Kooperation (siehe Bilder links):
Bui Power Das 400 MW-Wasserkraftwerk am Black Volta in Ghana, errichtet von der chinesischen Baufirma Sino Hydro und 2013 fertiggestellt. Die Kredite von Chinas Eximbank zahlt Ghana mit Kakaobohnen zurück.
Eastern Industrial Park 2007 von der Jiangsu Yongyuan Gruppe mit Förderung aus dem China-Africa Development Fund in Äthiopien errichteter Industriepark. Mehr als 20 Firmen, etliche aus China, schaffen hier Arbeit.
Akademie Das Institut für Süd-Süd-Kooperation und Entwicklung an der Universität Peking bietet Studierenden aus Entwicklungsländern seit 2015 eine einjährige Ausbildung inkl. Exkursionen zu Seidenstraßenprojekten.
Tazara Railway Die Bahnlinie zwischen Tansania und Sambia wurde in den 1970er Jahren über einen zinslosen Kredit als Exportroute für sambisches Kupfererz von China errichtet.

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China pocht auch im Kontext von Entwicklungszusammenarbeit auf das Kernprinzip der Achtung der Souveränität der Partnerstaaten durch „Nichteinmischung in heimische Angelegenheiten“, zugunsten „der Werte Gleichheit und Wechselseitigkeit der Beziehung“ sowie die Ablehnung von Konditionalität. Dies erfährt der Leser mehrfach und gleich auf den ersten Seiten des 450-seitigen „South-South Cooperation Report“, der vom Finance Center for South-South-Cooperation FCSSC erstellt und beim Bridge for Cities-Event der Organisation der Vereinten Nationen für industrielle Entwicklung UNIDO Ende September in Wien druckfrisch vorgestellt wurde. FCSSC besteht seit 2014 als multifunktionale Drehscheibe zwischen Entwicklungsländern in Hongkong. Unter dem Subtitel „Wechselnde Rollen der Süd-Süd-Zusammenarbeit im Globalen Entwicklungssystem – in Richtung 2030“ bietet der Report eine – sehr ausladende – Einführung in den entwicklungspolitischen Zugang und die Praxis Chinas, aber auch von Indien, Brasilien und Südafrika.

Eigene Ansichten Anders als die OECD-Länder definiert China die finanziellen Entwicklungsinstrumente breit: Es will bei zinsgünstigen Darlehen die Trennung zwischen den Bereichen Entwicklung und Handel „undurchsichtig halten“, Sachgüter für die Rückzahlung von Krediten zulassen und diese auch als Garantien akzeptieren. Zusätzlich erachtet China Exportkredite als gültige Entwicklungsinstrumente. Sie können nicht nur heimischen Firmen, sondern auch ausländischen Banken, Firmen und sogar Regierungen gewährt werden – für den Kauf von Gütern und Dienstleistungen aus dem Geberland. Für ungebundene Hilfe hat China kein Verständnis. Näher kommen sich China und OECD bei der technischen Zusammenarbeit, die aus Sicht Chinas auf die Stärkung der Partnerstaaten durch Transfer von Wissen und Fertigkeiten in vielen Bereichen abzielt. Durch seinen eigenen Aufschwung sieht sich China besonders in der Lage, anderen Staaten weiterzuhelfen.

China trägt die globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung SDG und das Pariser Klimaabkommen mit – die ersteren hat China wesentlich mitentwickelt und den Erfolg des Klimagipfels letztlich ermöglicht. Seinen besonderen Beitrag zu den SDG will es in den Bereichen Infrastruktur, Industrialisierung, bei grüner Technologie und menschlicher Entwicklung leisten. Der Bericht kündigt einen Wandel der internationalen Entwicklungszusammenarbeit durch die BRICS und andere Schwellenländer an, auf Ebene der Prinzipien, der Praxis und der Institutionen.

© corporAID Magazin Nr. 72
Redaktion: Ursula Weber
Fotos: Fotos: Wikimedia, ISSCAD, eIP, Xinhua/Shen Bohan

 

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