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Verdiener statt Diener

10/2017 - Guinea-Bissaus Verwaltungsapparat zahlte vermutlich Gehälter an tausende Mitarbeiter aus, die tatsächlich gar nicht existieren. Das Phänomen der Ghost Workers kommt aber auch in anderen Ländern vor.


Phantome unter 13.000 Beamten: Der Finanzminister von Guinea-Bissau äußerte kürzlich den Verdacht, dass fast ein Drittel der staatlichen Gehaltsempfänger gar nicht existiert.

Auch die unscheinbarsten Mitarbeiter können für Schlagzeilen sorgen: wenn wieder einmal eine Entlassungswelle so genannter Ghost Workers oder Phantombeamter ansteht. Dabei handelt es sich um Staatsbedienstete, die zwar auf der Gehaltsliste aufscheinen, aber tatsächlich nie am Arbeitsplatz anzutreffen sind. Dafür gibt‘s viele Gründe: Sie tauchen aus Faulheit nicht auf oder sind im Ruhestand. Sie sind bereits verstorben, doch Hinter-bliebene beziehen das Gehalt weiter. Oder: Es handelt sich schlicht um erfundene Personen.


Nicht nur Staatsdiener, auch Parlamentarier interpretieren ihren Dienst am Volk mitunter großzügig. In manchen Entwicklungs­ländern betragen deren Apanagen das Zigfache des Pro-Kopf-Einkommens. Bei nigerianischen Verhältnissen hätte ein heimischer Abgeordneter knapp 4 Mio. Euro Jahresgehalt.

Es ist jedenfalls ein teures Phänomen: Nigeria entließ 2016 50.000 Geisterbeamte und ersparte sich laut Regierung 640 Mio. Dollar. In Tansania wurden seit dem Vorjahr mehr als 20.000 Phantom-Angestellte entdeckt, dazu weitere 10.000 Mitarbeiter mit gefälschten Lebensläufen. Und der Finanzminister von Guinea-Bissau äußerte kürzlich den Verdacht, dass fast ein Drittel der 13.000 staatlichen Gehaltsempfänger gar nicht existiert. Auch China kennt das Problem: Die Zentralregierung hat 2014 mehr als 160.000 Ghost Workers im Verwaltungsapparat aufgespürt. Aus Europa gibt‘s mitunter ähnliche Meldungen von nie anwesenden Mitarbeitern im Staatsdienst – selbstverständlich nur Einzelfälle.

© corporAID Magazin Nr. 72

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