Interview

„Wir sollten viele Produkte noch einmal neu erfinden!“

10/2017

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Interview mit Norbert Scheele, C&A Österreich


Michael Braungart
Mitbegründer des Cradle to Cradle-Konzepts, CEO von EPEA – Internationale Umweltforschung

corporAID:Das Cradle to Cradle-Konzept wurde vor 15 Jahren vorgestellt. Zeichnet sich ein Paradigmenwechsel ab?

Braungart: Aktuell wird vieles umgesetzt, vor allem in Europa, Asien und den USA. Allerdings braucht ein Paradigmenwechsel Zeit. Ich bin davon überzeugt, dass die Industrie bis 2040 komplett auf Cradle to Cradle umstellen wird. Alleine in Deutschland gibt es hunderte Unterstützer, darunter zahlreiche junge Designer, die Produkte neu gestalten wollen. Es geht hier nicht nur um Öko, sondern um Qualität. So können wir 40 Jahre Weltuntergangs-diskussion als Innovationschance begreifen. Wenn ein Waschmaschinen-Hersteller die Dienstleistung „2.000 Mal Waschen“ verkaufen würde, könnten in den Geräten weniger, aber dafür bessere Materialien verbaut werden. So entstehen kostengünstigere Produkte, da die Intelligenz in die Produktgestaltung und nicht in nachgeschaltete Recycling-methoden gesteckt wird.


Welche Branchen sind C2C-Pioniere?

Braungart: Inzwischen gibt es mehr als 8.000 zertifizierte Cradle to Cradle-Produkte aus unterschiedlichen Bereichen. So haben wir im Textilsektor das erste kompostierbare T-Shirt entwickelt sowie Teppichböden, die nicht nur ungiftig sind, sondern die Luft auch aktiv von Feinstaub reinigen. Positive Entwicklungen gibt es auch in der Baubranche, bei Papier- und Druckprodukten, Verpackungen und diversen Konsumgütern. Das C2C-Konzept lässt sich prinzipiell aber auf nahezu alle Branchen anwenden. Grundsätzlich gilt, dass alles was verschleißt oder verbraucht wird, beispielsweise Schuhsohlen, Bremsbeläge oder Waschmittel, für die Biosphäre optimiert sein sollte. Alles was hingegen nur gebraucht wird, so wie Fernseher oder Computer, muss für die Technosphäre nutzbar gemacht werden und darf dabei nicht an Materialwert verlieren.

Was braucht es, damit Kreislaufwirtschaft zur Business-Strategie wird?

Braungart: In den vergangenen 20 Jahren haben wir viele Innovationen verschlafen, zu viele bestehende Produkte sind auf halbem Weg stecken geblieben. Beim Einkauf und der Wiederverwertung von Materialien könnten Unternehmen zusammenarbeiten, um ein Material Pooling zu schaffen. Je größer das Netzwerk der Unternehmen wird, die nach Cradle to Cradle produzieren, desto effektiver funktioniert der angestrebte Materialkreislauf. Entscheidungsträger müssen sich jetzt entscheiden, wo ihr Unternehmen in zehn oder 20 Jahren stehen soll.

Vielen Dank für das Gespräch!

© corporAID Magazin Nr. 72
Das Gespräch führte Katharina Kainz-Traxler

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