Leitartikel

Viel zu tun

10/2017 - von Christoph Eder


Christoph Eder
Chefredakteur

Die neue Bundesregierung hat es in der Hand, wichtige Weichenstellungen für den österreichischen Umgang mit zentralen Zukunftsfragen vorzunehmen. In zu vielen Punkten und bei zu vielen Themen war in der Vergangenheit augenscheinlich keine Einigung möglich. Nicht zuletzt deshalb sind zahlreiche politische Entscheidungen nicht getroffen worden – von einem Aktionsplan zur gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen bis hin zu einer gesamtstaatlichen Klima- und Energiestrategie. Mitunter ist Österreich seit Jahren säumig. Dazu kommt, dass vor lauter Partikular- und Eigeninteressen und einem unsäglichen Hang zum Kleinteiligen allzu oft der Blick aufs große Ganze verstellt war.

Gerade jetzt ist das Zeitfenster geöffnet, die heimische Strategie bis 2030, dem Zieldatum der globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung, festzulegen. Im Wahlkampf war viel von Flucht und Migration die Rede und der Herausforderung, in Herkunftsregionen und Erstaufnahmeländern Perspektiven zu schaffen. Das wurde von den relevanten Parteien weitgehend geteilt – konkrete Konzepte gibt es dafür aber nicht. Wie so vieles wurde zudem nicht thematisiert, dass die allermeisten Zukunftsfragen global sind und sich nicht zwischen Neusiedler See und Bodensee, sondern in den Schwellen- und Entwicklungsländern entscheiden – auch wenn Österreich von den Folgen betroffen ist. Gerade der Entwicklungspolitik sollte hier eine wichtige Rolle für einen strategischen österreichischen Beitrag zukommen.

Um einen solchen Beitrag zur Lösung globaler Herausforderungen auch wirklich leisten zu können, ist es notwendig, anstelle primär moralischer Ansprüche legitime Eigeninteressen in einen breitenwirksamen Kontext zu setzen und in einen entsprechenden Nutzen zu transformieren. Die Eigeninteressen reichen vom Migrationsthema und Klimaschutz bis zu neuen Märkten für innovative Produkte heimischer Unternehmen. Eine Entwicklungspolitik, die das professionell angeht, wäre zudem auch tatsächlich jenes gesamtstaatliche und -gesellschaftliche Anliegen, das bislang meist vergeblich eingefordert wurde. Dazu müsste die Entwicklungspolitik ihre Rolle als Katalysator und Enabler verstehen und schwerpunktmäßig dort ansetzen, wo am wirksamsten positive Veränderungen bewirkt und Dritte als Partner gewonnen werden können. Und nicht überwiegend dort, wo die Entwicklungszusammenarbeit am besten und bequemsten oder am längsten und liebsten selbst tätig wird.

Entscheidend ist zudem, dass der heimische Beitrag zu globaler nachhaltiger Entwicklung in ein optimistisches und positives Narrativ eingebettet wird, wie wir – Staat, Gesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft – unsere Kompetenzen und Ressourcen langfristig bestmöglich dafür einsetzen können, um zu Frieden, Freiheit und Wohlstand in Österreich und der Welt beizutragen. Für die neue Bundesregierung ist – nicht nur hier – viel zu tun.


© corporAID Magazin Nr. 72

 

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