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08/2017 - Marken wie Jollibee aus den Philippinnen, Dabur aus Indien oder Pearl River Piano aus China sind in Österreich vielleicht noch nicht allzu bekannt, global aber stark auf Wachstumskurs.

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Frittiertes Huhn ist besonders beliebt bei Jollibee-Gästen. Die Fast Food-Kette bewirbt Chickenjoy als "crispylicious" und "juicylicious".

Süße Dinge für das Leben
Das freundliche Jollibee-Maskottchen durfte natürlich nicht fehlen, als jüngst unter Konfettiregen und vor geduldig wartenden Menschenmengen die tausendste Jollibee-Filiale auf den Philippinen eröffnet wurde. Die Erfolgsstory der Fastfood-Kette begann 1975, als der chinesischstämmige Unternehmer Tony Tan Caktiong einen Eisstand eröffnete – und sein Angebot um immer mehr Fastfood-Speisen erweiterte. Heute kommen die Gäste, um frittierte Hühnerteile, süße Nudeln, Burger und Co. zu essen. Rund 200 Jollibee-Filialen findet man außerhalb des Inselstaats, und zwar meist dort, wo es eine größere Filipino-Diaspora gibt.
Heute ist die Jollibee Foods Corporation nicht nur die größte Fastfood-Kette auf dem Heimatmarkt, sondern ein multinationaler Konzern in 17 Ländern, der in zahlreiche, auch ausländische Restaurantketten investiert. Unter den bald 4.000 Restaurants finden sich die Marken Chowking, Greenwich, Red Ribbon, Mang Inasal und für bestimmte Länder Burger King und Dunkin‘ Donuts. Auch in der Beschaffung ist Jollibee ein Riese: Noch heuer wird eine neue Fabrik auf den Philippinen in Betrieb gehen, die 45 Millionen Hühner im Jahr verarbeiten und für tausend neue Jobs sorgen soll. Übrigens, das Maskottchen, eine Biene, soll den „philippinischen Optimismus“ repräsentieren: sie „hüpft herum und produziert süße Dinge für das Leben, und ist trotz aller Arbeit glücklich, obwohl sie viel beschäftigt ist“.




BOS Icetea ist in Sorten wie Beere, Zitrone, Pfirsich und auch als Energydrink erhältlich. Sie soll Südafrikas schnellst-wachsende Softdrink-Marke sein.

Hipper Eistee aus Südafrika
„Healthy fun“ – so lautet das Versprechen des jungen Eisteeherstellers BOS aus Kapstadt. Hinter der trendigen Marke und den bunten Dosen stehen der südafrikanische Unternehmer Grant Rushmere und der Rooibos-Farmer Richard Bowsher. Bei ihrem im Jahr 2010 kreierten Produkt dreht sich alles um die in den südafrikanischen Cederberg Mountains beheimatete Rooibos-Pflanze, die als Bio-Extrakt und in verschiedenen Geschmacksnuancen abgefüllt wird. Rushmere, der 2007 sein Lokal-Konzept „Afro-Café“ an Red Bull verkaufte, weiß um die Wichtigkeit von Markenaufbau: Die Eistees werden auf Musikfestivals, Skateboarder-Events und in Social Media humorvoll und trendig platziert. Laut der afrikanischen Wirtschaftszeitung „Business Day“ soll BOS Südafrikas schnellstwachsende Softdrinkmarke sein und 14 Prozent des lokalen Eisteemarkts abdecken. Auch wurde die Marke von Anfang an global gedacht, ein Drittel der Umsätze werden heute in Australien und Europa – hier vor allem in Frankreich und in den Niederlanden – erwirtschaftet. In Österreich ist BOS seit heuer erhältlich, unter anderem im Merkur am Hohen Markt und Meinl am Graben in Wien.




Pianos für Preisbewusste Die Pearl River Piano Gruppe ist weltgrößter Hersteller.

Tasten-Gigant aus Südchina
Noch immer gilt es als Symbol für Wohlstand und Kultiviertheit: das Piano im Wohnzimmer. Jedes dritte Klavier in chinesischen Haushalten wird heute in Guangzhou hergestellt, und zwar in den Fertigungshallen der Pearl River Piano Gruppe. Das Unternehmen ist ein weltweiter Player: An die zwei Millionen Pianos will der 1956 gegründete, börsenotierte Hersteller bereits verkauft haben, rund 135.000 Flügel und Klaviere verlassen jedes Jahr die Produktion und werden in 100 Länder verschifft. Auch Gitarren, Violinen und andere Instrumente finden sich im Sortiment. Zu den Marken gehören neben Pearl River und Ritmüller seit dem Vorjahr auch die deutsche Traditionsmarke Schimmel. Geschäftsführer Li Jianning versicherte im Zuge der Akquisition, dass die Marke Schimmel eigenständig erhalten bleibe. Man wolle der deutschen Qualitätsmarke zu einem erfolgreicheren Vertrieb in China verhelfen und erwarte sich durch die Übernahme eine Aufwertung des globalen Image und eine Steigerung der eigenen Wettbewerbsfähigkeit.




Getränkeriese aus Peru Big Cola ist das Flaggschiff der AJE-Markenwelt.

Alternative Erfrischung
Volt statt Red Bull, Sporade statt Gatorade, Big Cola statt Coca Cola: Die peruanische AJE Gruppe kreiert Getränke, die an bekannte Marken erinnern, sich aber preislich an Kunden mit kleinerem Geldbörsel orientieren – man wolle „eine leistbare, aber nicht billige Marke“ sein. Das von der Añaños-Familie gegründete Unternehmen startete vor 30 Jahren in Peru mit dem Verkauf der Orangenlimonade „Kola Real“, die anfangs noch in recycelten Bierflaschen abgefüllt wurde. Ende der 1990er Jahre begann die Internationalisierung in Lateinamerika, etwa nach Mexiko, einem Land mit global überdurchschnittlich hoher Softdrink-Affinität. Heute ist AJE in rund 20 Emerging Markets in Lateinamerika, Afrika und Asien vertreten. Das Unternehmen ist laut Euromonitor weltweit viertgrößter Hersteller von kohlensäurehaltigen Getränken. Nach eigenen Angaben verkaufte AJE 2015 3,6 Milliarden Liter.




Rote Zahnpasta und Kokosnuss-Haaröl: Aushängeschilder des indischen Ayurveda-Spezialisten Dabur.

Rote Paste, weiße Zähne
Ein Leben ganz ohne Zahnprobleme? Ein Mix aus 13 ayurvedischen Kräutern in der Zahnpasta soll es möglich machen, so das Versprechen des indischen Herstellers Dabur. Das 1884 gegründete Unternehmen führt heute tausend Produkte rund um die Themen Körperpflege, Medizin und Ernährung. Laut eigenen Angaben ist Dabur weltgrößter Anbieter von Ayurveda- und natürlichen Gesundheitsprodukten. Das Unternehmen hat 12 Fabriken in Indien und sieben weitere in Ländern wie Nigeria, Türkei und Ägypten. In Indien sind Daburs Shampoos, Insektenschutz und Honig in sechs Millionen Geschäften erhältlich. Ein Drittel der Umsätze wird im Ausland erzielt, hier zählen etwa die Vereinigten Arabischen Emirate, die Türkei, Großbritannien, die USA, Pakistan und Nigeria zu den wichtigsten Märkten. Erst vor kurzem kaufte Dabur einen südafrikanischen Produzenten von Haarpflegeprodukten, denn Afrika gilt für die Inder als neuer Hoffnungsmarkt.

© corporAID Magazin Nr. 71
Text: Katharina Kainz-Traxler
Fotos: Jollibee, BOS, Pearl River Piano Gruppe, Dabur, AJE Group

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