Interview

Enormes Talent

08/2017 - Hannah O‘Leary, Chefin der 2016 eröffneten Abteilung für moderne und zeitgenössische afrikanische Kunst beim Auktionshaus Sotheby‘s, über den afrikanischen Kunstmarkt.


Hannah O'Leary, Leiterin der Abteilung moderne und zeitgenössische afrikanische Kunst bei Sotheby's in London.

corporAID: Seit wann gibt es moderne afrikanische Kunst?

O‘Leary: Jenseits von traditioneller oder touristisch motivierter Kunst wird zeitgenössische Kunst im Rahmen begrenzter Heimmärkte in Afrika seit Jahrzehnten produziert und verkauft. Bis afrikanische Künstler auch außerhalb des Kontinents anerkannt wurden, dauerte es aber. Tatsächlich fanden sie erst in den vergangenen zehn Jahren Eingang in internationale Ausstellungen und Sammlungen. Gleichzeitig ist mit der Eröffnung von neuen Galerien, Auktionshäusern und Kunstmessen ein Markt am Kontinent entstanden. Es gibt quer durch Afrika enormes künstlerisches Talent, das nun endlich die internationale Anerkennung erhält, die es verdient.

War Sotheby‘s erste Afrika-Auktion ein Erfolg?

O‘Leary: Auktionen sind ein sehr transparenter Indikator, um die Entwicklung und Stärke eines Marktes zu beobachten. Das Übersteigen der eine Mio. Dollar-Schwelle durch ein Werk bei einer Auktion gilt dabei als Meilenstein. Das gelang bisher nur sieben Künstlern aus Afrika, unter anderem El Anatsui aus Ghana und Njideka Akunyili Crosby aus Nigeria. Der Eintritt von Sotheby‘s – des größten Auktionshauses, das spezialisierte Auktionen auf diesem Gebiet veranstaltet – in diesen Markt war sehr bedeutend. Ich würde unseren ersten Verkauf im Mai 2017 also als weiteren Meilenstein bezeichnen.

Wie haben Sie die Werke für die Auktion ausgesucht und bepreist?

O‘Leary: Als Unternehmen sind wir stolz darauf, nur die beste Kunst und die besten Künstler in jeglicher Kategorie anzubieten. Auktionsauswahlen und -schätzungen stützen sich in der Regel auf frühere Auktionsverkaufsaufzeichnungen zu den einzelnen Künstlern. Die Kategorie der modernen und zeitgenössischen afrikanischen Kunst fällt hier insofern aus der Reihe, als viele bedeutende afrikanische Künstler noch keine oder kaum eine Auktionsgeschichte haben. In diesen Fällen orientieren wir uns an der Ausstellungsgeschichte eines Künstlers und der Fangemeinde von kommerziellen Galerien am Primärmarkt, um jene Künstler zu identifizieren, von denen wir glauben, dass sie Sammler ansprechen.

Vielen Dank für das Gespräch!

@ corporAID Magazin Nr. 71
Das Gespräch führte Ursula Weber
Foto: Sotheby's

 

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