ADA-Wirtschaftspartnerschaft

Kunstgalerie in Manila

06/2017 - Die Grazer Galeristin Birgit Zimmermann leistet mit einer Galerie für zeitgenössische Kunst Pionierarbeit in Manila. Ihr Ziel: philippinische Kunst am internationalen Kunstmarkt zu etablieren.





Auf der Art Basel in Hongkong Birgit Zimmermann mit Mitarbeiter Ian Carlo Jaucian und den Künstlern Manny Montelibano, Kiri Dalena und Poklong Anading (v. l. n. r.)


After Mebuyan ist der Titel eines Werks der philippinischen Aktionskünstlerin Kiri Dalena. Erstmals ausgestellt wurde es bei 1335 Mabini.

Mit 635 aus Gold getriebenen Reiskörnern feiert die philippinische Künstlerin Kiri Dalena das Grundnahrungsmittel Asiens als Symbol des Lebens, mit der Zahl 635 erinnert sie in scharfem Kontrast dazu an die Niederwerfung und Hinrichtung ebenso vieler philippinischer Bauern, die in den vergangenen 15 Jahren für ihre Rechte auf Land und Nahrung eingetreten waren. Die aufrüttelnde Arbeit wurde Anfang 2017 bei 1335Mabini, einer jungen, aber zunehmend beachteten Galerie in Manila, gezeigt.

1335Mabini ist ein Herzensprojekt der österreichischen Galeristin Birgit Zimmermann, die Vorgeschichte dazu schrieb ihr Geschäftspartner Rudolf Kratochwill. Kratochwill ist seit den 1980er Jahren auf den Philippinen im Kunsthandel tätig, vorwiegend im Bereich philippinische Stammeskunst, 2010 organisierte er in der neu eröffneten Galerie Zimmermann Kratochwill, kurz GZK, in Graz eine Ausstellung philippinischer Kunst.

Gegen den Strom Durch diese Begegnungen lernte Zimmermann die philippinische Kunstszene kennen und schätzen, blieb selbst immer öfter und länger in Manila und begann, für sich selbst ein Projekt in dem fernen Inselstaat zu suchen. Dabei fiel ihr das Galerienwesen in Manila auf. Sie schildert es so: „Die Galerien waren meist in Shopping Malls untergebracht und mit verschiedensten Werken vollgeräumt, von einer ausgearbeiteten Identität oder einem Ausstellungsprogramm konnte keine Rede sein.“ Die meisten Galerien führten außerdem nur Malerei. Kunstformen wie Fotografie, Video oder Installationen gab es praktisch nicht. „Die Galerien waren sehr kommerziell ausgerichtet – und sind es eigentlich nach wie vor“, sagt die Österreicherin.

Zimmermann beschloss, im Finanz- und Wirtschaftszentrum Makati, dem Singapur der Philippinen, eine kleine Galerie zu eröffnen. Diese Idee stellte sie aber zurück, als sich ihr im Jahr 2013 die Chance bot, ein Gebäude aus der spanischen Kolonialzeit unweit der staatlichen Museen in Ermita, einem historischen und inzwischen dichtest besiedelten, wenn auch vernachlässigten Bezirk Manilas, zu beziehen. Hier in der 1335 A. Mabini-Street wollte sie abseits des kommerzialisierten Kunstbetriebs kritische Kunst zeigen und Künstler fördern.

ADA als Partner Bis sie jedoch aus Kunstverkäufen allein für Fachpersonal, Miete und Reisetätigkeit aufkommen konnte, brauchte sie Unterstützung. Zimmermann klopfte bei der Austrian Development Agency ADA in Wien an und fand Zuspruch für ihre Idee, für zeitgenössische philippinische Kunst einen Markt aufzubauen. Binnen weniger Monate erhielt sie eine Förderzusage für eine Wirtschaftspartnerschaft (siehe Link). ADA-Programmmanagerin Susanne Thiard-Laforet erklärt dazu, GZK habe ein überzeugendes Projekt vorgelegt, das nachhaltig zur Armutsbekämpfung beitragen könne. Durch die Bekanntmachung kritischer philippinischer Kunst schaffe GZK Bewusstsein für soziale Problemstellungen, durch die Vermarktung am internationalen Markt eröffne es Künstlern Einkommenschancen und über die vielfältigen Aktivitäten der Galerie stärke es den Kunstmarkt in Manila. „Seit Anfang 2016, also in relativ kurzer Zeit, konnten wir in all diesen Bereichen Fortschritte erzielen“, bestätigt Zimmermann.

Die goldenen Reiskörner von Kiri Dalena stehen exemplarisch sowohl für die kritische Themenlinie als auch für die neuen Kunstformen, auf die Zimmermann setzt. Doch würde es dieses Werk ebenso wie viele Arbeiten manch anderer Künstler ohne die Unterstützung durch 1335Mabini nicht geben, betont Zimmermann: „Es gibt auf den Philippinen gute Künstler, mangels staatlicher Subventionierung brauchen sie aber Unterstützung.“ Und was kann die Galerie da bieten? Es gehe um die Bereitstellung von Material, Technologie (Kameras, Computer oder Projektoren) oder, wie in Graz, auch von Wohn- und Arbeitsräumen, erklärt Zimmermann, denn: „Viele Künstler haben kein eigenes Studio, sie leben bei ihren Eltern – und da reden wir dann von sehr limitierten gemeinsamen Wohn- und Arbeitsräumen, die die künstlerische Produktion nicht gerade fördern.“

Wichtig ist aber auch professionelle Unterstützung bei der Erstellung von Begleittexten zum künstlerischen Schaffen oder bei der Zusammenstellung von Portfolios. Von zentraler Bedeutung sind weiters Kontakte zu Kuratoren und die Möglichkeit, an Kunstmessen teilzunehmen. Mit Kiri Dalena flog Zimmermann etwa zur Art Basel in Hongkong – mit dem Erfolg, dass danach zwei Museen Arbeiten Dalenas ankauften. „Die Künstler verdienen durch uns erstmals Geld“, freut sich Zimmermann. Die Galerie hat aktuell zehn philippinische Kunstschaffende exklusiv unter Vertrag.

Role Model 1335Mabini ist auch vor Ort zunehmend mit lokalen und internationalen Institutionen vernetzt. Als Auszeichnung wertet Zimmermann, dass sie von der Kunstuniversität in Manila in die Jury zur Beurteilung der Abschlussarbeiten eingeladen wurde. Sie freut sich auch darüber, dass rings um 1335Mabini ein Galerienviertel entsteht. So sind bereits zwei weitere Galerien im Haus eingezogen, eine große Galerie wird demnächst in der Nähe eröffnen. Mabini sei auch eine Art Role Model geworden: Andere Galerien hätten sich etwa die thematische Linie oder den Ausstellungsrhythmus abgeschaut.

Ein wichtiges Anliegen der Galeristin ist die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter. Dass ein ehemaliger Angestellter heute im Museum für moderne Kunst tätig ist und zwei andere gemeinsam eine eigene Galerie eröffnet haben, erzählt Zimmermann mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Sie hat jedenfalls das Gefühl, „zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein und gemeinsam mit den Mitarbeitern und Künstlern etwas Nachhaltiges aufzubauen.“

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DAS UNTERNEHMEN

Kunst mit Botschaft
Die Galerie Zimmermann Kratochwill, kurz GZK, in Graz wurde 2010 von Birgit Zimmermann, ihrem Bruder Karl Zimmermann und Rudolf Kratochwill gegründet. 2013 eröffneten die Unternehmer die Galerie 1335Mabini in Manila, 2014 die Galerie „unttld contemporary“ in Wien. GZK setzt auf zeitgenössische Kunst, zunehmend aus den Philippinen, mit gesellschaftspolitisch kritischem Gehalt. Die Galeristen arbeiten über langfristige Verträge oder auf Projektbasis mit Künstlern zusammen. Sie bieten diesen eine weitreichende Unterstützung und sind umgekehrt am Verkaufserlös beteiligt.

© corporAID Magazin Nr. 70
Text: Ursula Weber
Fotos: GZK

 

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