Hidden Champion

Von Nepal bis zur Atacama-Wüste

06/2017 - Was vor 26 Jahren als Drei-Mann-Firma in Linz begann, ist heute ein auf allen Kontinenten präsenter Hightech-Anbieter in der Umweltsparte: Die kompakten Brechanlagen von Rubble Master wandeln Bauschutt und Naturstein direkt vor Ort in Wertstoffe um. Gründer und CEO Gerald Hanisch kann sich über zweistellige Umsatzzuwächse freuen, denn die Nachfrage nach seinen knallgelben, mobilen Anlagen wächst weltweit.

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Interview mit Gerald Hanisch, CEO von Rubble Master

Ob Flusssteine in Indonesien, Stahlbeton aus Abbruchhäusern in Hongkong oder eisenerzhaltiges Gestein in der chilenischen Atacama-Wüste – die gelben Crusher von Rubble Master können unterschiedlichste Materialien in nur kurzer Zeit in kleinste Teile zerschmettern. Im neuen Flagschiff des oberösterreichischen Maschinenbauunternehmens stecke besonders viel Kraft, meint Rubble Master-Gründer und CEO Gerald Hanisch: „Unser RM 120GO! ist in der Lage, 350 Tonnen Bauschutt in nur einer Stunde zu brechen – diese Menge entspricht einem Einfamilienhaus.“

An die 2.500 Brechanlagen hat Hanisch bereits verkauft, „in der Nische der kompakten, mobilen Crusher sind wir damit Weltmarktführer“, berichtet er stolz. Heuer werden rund 220 neue Brecher plus weitere 200 Siebanlagen, Halden- und Förderbänder das Werksgelände in Linz verlassen und die Umsätze, so wie bereits 2016, zweistellig wachsen lassen.


Segnung in Indonesien Eigentümer und Gemeinde begrüßen ihren Linzer Brecher mit einer traditionellen Zeremonie. Die Maschine wird Basalt zerkleinern, das für den Straßenbau benötigt wird.

Stark in der Nische Begonnen hat Hanisch gemeinsam mit einem Techniker und einem Lehrling als „Garagenunternehmen ohne Garage“ vor 26 Jahren. Der Ingenieur beschäftigte sich damals mit der Frage, ob sich alter Beton, Asphalt und Ziegelstein direkt an der Abbruchstelle neu aufbereiten lassen. „Zu der Zeit begann man, über die Wiederverwendung von Materialien am Bau zaghaft nachzudenken. Es gab aber nur große, stationäre Brechanlagen, zu denen man die Abbruchmaterialien erst hintransportieren musste.“ Hanisch war sicher, dass es für kleinere Brechanlagen, die nur wenig Lärm und Staub verursachen, einen Bedarf geben müsste. Er entwickelte kompakte, transportfähige Anlagen unter 30 Tonnen Maschinengewicht und habe damit, wie er sagt, einen „völlig neuen Markt“ erschlossen. Denn nun war Recycling auch in inner-städtischen Lagen möglich, beispielsweise auf einer der wohl bekanntesten Baustellen der Welt, am Ground Zero in New York.

Der internationale Durchbruch gelang bereits etwas früher, als die ersten Recyclingunternehmen in Deutschland, Großbritannien und Dänemark Mitte der 1990er Jahre auf die Linzer Maschinen aufmerksam wurden. Internationalität war übrigens immer schon Teil der Firmen-DNA. „Ich habe von der Stunde Null an groß und exportorientiert gedacht und Leute eingestellt, die über interkulturelle Kompetenz verfügen und sich in verschiedene Märkte hineindenken können“, erklärt Hanisch.

Heute liegt der Exportanteil des Unternehmens bei 96 Prozent, mit Kernmärkten in Europa und Nordamerika. Hanischs Crusher sind aber auf Baustellen und in Bergbauorten in rund hundert Ländern zu finden. Auf eine möglichst breite geografische Streuung legt der Firmenchef viel Wert. „In der Unternehmensgeschichte gab es zwei harte Phasen“, erklärt Hanisch, „in den Anfangsjahren, als wir belächelt wurden, und dann 2008 und 2009, als durch die Wirtschaftskrise die Aufträge aus Europa und den USA fast völlig ausblieben.“

Seither betrachtet er die „ganze Welt als unseren Markt“. Hanisch und seine Sales-Leute sind das gesamte Jahr rund um den Globus unterwegs, präsentieren die Anlagen auf Messen von Iran über Nigeria bis Südkorea, begleiten Wirtschaftsmissionen und lassen sich über Händlerkontakte neue Kunden vorstellen. Großes Potenzial sieht Hanisch in Nord- und Südamerika, von wo bereits ein Viertel des Umsatzes hereingespielt wird, sowie in Südostasien und „dem noch zarten Pflänzchen Afrika“. Überall, wo es an Infrastruktur fehle und viel aufzuholen sei, könne man künftig wachsen, ist er überzeugt.


Trainingsprogramme für Mitarbeiter des Händlernetzes sowie der Anlagenbetreiber bietet Rubble Master in der Zentrale und weltweit vor Ort.
Im Bild: CFO G. Weissenberger mit Servicemitarbeiter.

Viel zu lernen Die wichtigste Kundengruppe sind nach wie vor Bau- und Recyclingunternehmen, die beispielsweise aus Abbruchasphalt mithilfe der Crusher sofort wieder einsatzfähiges Material für den Straßenbau gewinnen. In vielen Ländern steckt der Recycling-Gedanke aber noch in den Kinderschuhen, rechtliche Rahmenbedingungen und Know-how fehlen. „Von Anfang an haben wir österreichisches Wissen international verbreitet“, erzählt Hanisch, „wir erklären Behörden, wie Gesetze aussehen können, um Bauschuttrecycling zu fördern und Deponierung zu senken. Wir zeigen auf, welche Anforderungen recycelte Materialien für die Wiederaufbereitung erfüllen müssen, oder auch, welche Brech- und Siebverfahren überhaupt zur Verfügung stehen.“

Seine Mitarbeiter und er selbst halten zu diesen Themen immer wieder Vorträge, etwa an chinesischen Universitäten, oder sie erarbeiten moderne Wiederaufbereitungsysteme, etwa gemeinsam mit Beamten in Kolumbien. Erst vor kurzem wurde Afrika Sales Manager Christian Windhager vom südafrikanischen Umweltministerium eingeladen, über die Vorteile von Bauschuttrecycling zu referieren. Für Hanisch gehört eine solche Beratungsleistung, „die sich unsere Konkurrenz einfach nicht antut“, zum Geschäft dazu. Sie sei wichtig für die Markenbildung, bereite künftiges Business vor und beweise die Ernsthaftigkeit des Unternehmens, Recycling-Expertise weltweit vermitteln zu wollen.

Auch abseits der Wiederaufbereitung von Altstoffen haben sich längst neue Arbeitsfelder für die Crusher herauskristallisiert: im Bergbau, Steinbruch oder Flussbett. Rubble Master Brecher kommen heute in Goldminen in Australien genau so zum Einsatz wie beim Brechen von Flussgestein in Nepal, das direkt für den Bau neuer Infrastruktur aufbereitet wird. Hanischs Techniker sind daher laufend gefordert, die Maschinen auf neue Wünsche und Bedingungen einzustellen – die Brecher arbeiten bereits bei sibirischer Kälte, extremer Sahara-Hitze, in tropisch-feuchtem Dschungel oder auf 5.000 Meter Seehöhe. Ständige Weiterentwicklung sei daher oberstes Gebot im Unternehmen, das zwischen sechs und sieben Prozent des Umsatzes in Forschung und Entwicklung investiert. „In den ersten Jahren waren wir allein in unserer Nische, da wurden uns Fehler noch verziehen. Seit zehn Jahren tauchen immer mehr Mitbewerber auf und bieten sogar Brecher an, die optisch stark an unsere erinnern“, so Hanisch. In China habe ein Anbieter sogar den Internetauftritt kopiert und lediglich das Logo ausgetauscht.


Auskunftsfreudiger Zermalmer Mithilfe einer neuer App lassen sich Maschinendaten aus der Ferne abrufen.

Die Zielsetzung für die weltweit 145 Mitarbeiter lautet daher: laufend kompetitiver und professioneller werden und durch Service und Innovation punkten. Dazu gehört beispielsweise eine eigene „Academy“, in der die wichtigsten Partner des Unternehmens, nämlich das globale Netz aus 70 Händlern, für die weltweite Betreuung der Anlagen geschult werden. Ganz neu bietet das Unternehmen eine App, die Brechanlagen mit smarten Endgeräten vernetzt. So können Informationen über den Zustand und die Leistung der Maschinen in Echtzeit und von jedem Punkt der Erde vom Betreiber abgerufen und analysiert werden.

Querdenken gefragt Die Rekordumsätze der vergangenen Jahre lassen Hanisch jedenfalls zuversichtlich planen. Aktuell wird die Zentrale in Linz-Pichling – bestehend aus einem modernen Bürokomplex in Passivhaus-Bauweise und einer Montagehalle in Niedrigenergiebauweise – um Produktions- und Lagerflächen stark erweitert. Zehn bis 15 neue Mitarbeiter will er heuer aufnehmen, kein leichtes Unterfangen am Standort Linz mit „seinem eklatanten Facharbeitermangel“. Umso wichtiger ist Hanisch die Positionierung als attraktiver Arbeitgeber, der – im Rahmen eines mehrfach preisgekrönten Ausbildungsprogramms – Lehrlinge bis in die USA schickt, Frauen in technischen Berufen fördert und abenteuerlustigen Mitarbeitern Einsätze rund um den Globus bietet.

Eine Herzensangelegenheit ist Gerald Hanisch nicht zuletzt auch die Entwicklung einer außergewöhnlichen Firmenkultur, etwa durch Öffnen des Werksgeländes für Tanzperformances und Konzerte. „Kunst regt das Kreativpotenzial des Unternehmens an. Querdenken und innovative Ideen werden so gefördert“, so Hanisch. Er muss es wissen: Durch Querdenken hat er selbst einst einen Nischenweltmeister kreiert.

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Produktion und Lager des Rubble Master-Headquarter im Linzer Südpark werden derzeit stark erweitert.

Meister des Schutts
„Mobile Compact Crushing“ nennt sich das Geschäftssegment, auf das sich die Rubble Master HMH GmbH spezialisiert hat. Die Brech- und Siebanlagen des 1991 von CEO Gerald Hanisch gegründeten Maschinenbauunternehmens werden im Linzer Südpark entwickelt und assembliert und mittels Vertriebspartnern in rund 100 Länder verkauft. Das im Haupteigentum von Hanisch (und unter Beteiligung der Industriellenfamilie Dorninger) stehende Unternehmen beschäftigt 145 Mitarbeiter und steigerte 2016 den Umsatz um 33 Prozent auf 63 Mio. Euro. Für 2017 wird ein Plus von bis zu 20 Prozent erwartet. Der Exportanteil liegt bei 96 Prozent.

© corporAID Magazin Nr. 70

Text: Katharina Kainz-Traxler
Fotos: Rubble Master

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