Interview

Klares Bild gefragt

04/2017 - Norma Schönherr, Projektmanagerin am Institut für Nachhaltigkeitsmanagement an der WU Wien, über unternehmerische Verantwortung.


Norma Schönherr
Wirtschaftsuniversiät Wien

corporAID:Wie weit geht unternehmerische Verantwortung?
Schönherr: Unternehmerische Verantwortung wird zunehmend ganzheitlich betrachtet – und scheint auf den ersten Blick wie ein Fass ohne Boden: Es geht um positive und negative Auswirkungen, die des Kerngeschäfts und die der CSR-Projekte, um direkte und indirekte, beabsichtigte und unbeabsichtigte Impacts. Es reicht also über das Unternehmen weit hinaus, es umfasst Wertschöpfungs- und Zulieferketten, es geht um Produktnutzung, Recycling und Entsorgung, sogar um indirekte Wirkungen auf Konsumgewohn-heiten. Es erfordert daher ein klares Bild darüber, wofür Verantwortung zu übernehmen ist und wofür nicht. Unternehmen müssen sich auf Bereiche mit wesentlichen Wirkungen konzentrieren.

Was bedeutet das konkret?
Schönherr: Eine zentrale Frage ist oft nicht mehr, wie viel C02 aus dem eigenen Schornstein kommt – sondern wo in der Wertschöpfungskette die größte Klimawirkung anfällt. Und das liegt oft außerhalb des direkten Einflussbereichs eines Unternehmens. Das ist sehr anspruchsvoll, erfordert neue Informationsgrundlagen und damit neue Fähigkeiten bei den Mitarbeitern. Dies bietet aber die Möglichkeit, CSR mit dem Kerngeschäft zu verbinden, kann Prozess- und Produktinnovationen fördern und Verantwortung damit zu einem bedeutenden strategischen Thema machen. Wer glaubhaft belegen kann, für Umwelt und Gesellschaft Positives zu leisten, ist auch in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld gut positioniert und in der Lage, langfristig Risiken und Chancen zu erkennen.

Wo sehen Sie Schwierigkeiten bei der Bewertung von unternehmerischem Wirken?
Schönherr:Eine Schwierigkeit besteht darin, die Netto-Wirkung eines Unternehmens zu ermitteln. Sich anzuschauen, was ein Unternehmen getan hat, und davon abzuziehen, was ohne Unternehmensintervention passiert wäre, ist bislang nur bei klar abgegrenzten, kleineren Maßnahmen möglich und nicht für die gesamte unternehmerische Tätigkeit. Ebenfalls schwierig ist es, wenn man Impacts monetarisieren möchte. Das funktioniert gut bei Lebenszyklusanalysen, in denen man die Kosten vom Rohstoff bis zur Entsorgung kalkuliert. Schwieriger ist es, soziale Themen zu monetarisieren, wie der Wert eines geretteten Menschenlebens. Auch Aussagen wie „wir zahlen faire Gehälter“ sind schwierig – gerade wenn es um Fairness geht, sollte man stets transparent erklären, anhand welcher Kriterien man meint, fair zu sein.

Vielen Dank für das Gespräch!

© corporAID Magazin Nr. 69
Das Gespräch führte Katharina Kainz-Traxler

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