Neue Märkte

Was die Wirtschaftsdelegierten sagen

02/2017 - Vier Wirtschaftsdelegierte der Wirtschaftskammer Österreich sind in Subsahara-Afrika vor Ort, um österreichische Unternehmen dabei zu unterstützen, am Markt Fuß zu fassen. Was sagen sie über aktuelle Geschäftschancen in der Region?

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Johannes Brunner, Wirtschaftsdelegierter südliches Afrika

Schwergewicht Südafrika
Südafrika ist mit einem Exportvolumen von knapp 500 Mio. Euro Österreichs bedeutendster Wirtschaftspartner in Afrika und mit rund 50 österreichischen Niederlassungen auch der wichtigste Investitionsstandort am afrikanischen Kontinent. Daneben zählt Mosambik mit hohen Wachstumsraten mittelfristig zu den interessanten Märkten der Region. Gute Chancen für österreichische Zulieferer bieten weiterhin der Infrastrukturausbau (Straßen, Eisenbahn, Flughäfen und Häfen) und die Ausrüstung südafrikanischer Bergbau- und Industriebetriebe. Nicht zu übersehen ist auch der Energie- und Umweltsektor, vor allem im Bereich erneuerbare Energie und Energieffizienz sowie Wasser- und Abwasseraufbereitung. Im boomenden Automobilsektor wird eine lokale Ansiedlung – auch gemeinsam mit einem südafrikanischen Partner – immer wichtiger, da die in Südafrika ansässigen Autohersteller (u. a. BMW, Mercedes und VW) in Zukunft verstärkt auf lokal produzierte Komponenten zurückgreifen müssen, wenn sie lokale Förderungen genießen wollen. Auch die Konsumgüterindustrie und damit verwandte Branchen wie die Verpackungsindustrie bieten dank der wachsenden Mittelschicht Chancen für Investoren.




Nella Hengstler, Wirtschaftsdelegierte Zentralafrika

Große Märkte: Zentralafrika
Nigeria ist der zweitwichtigste Wirtschaftspartner Österreichs in Subsahara-Afrika – das Exportvolumen lag 2015 noch bei mehr als 100 Mio. Euro – und bleibt ein großer und vielversprechender Markt. Allerdings hat die Wirtschaftskrise, ausgelöst durch die niedrigen Rohölpreise, hier besonders hart zugeschlagen. Die meisten Unternehmen haben keine Möglichkeit, an die für den Import notwendige Fremdwährung zu gelangen. Nach wie vor überraschend aktiv ist jedoch der Bausektor in Nigeria, weshalb hier auch weiterhin Chancen liegen. Ein weiterer interessanter, weil von der Wirtschafts- und Währungskrise großteils verschont gebliebener Markt, ist Ghana. Es ist ein äußerst stabiles Land mit einem hohen Importbedarf sowohl an Industrie- als auch Konsumgütern. In allen von Lagos aus betreuten Ländern ist das Investitionsklima leider nicht übermäßig attraktiv. Bürokratie und Korruption sind problematisch für Investoren, aber auch hohe Fixkosten aufgrund von unzureichender Stromversorgung und anderen Infrastrukturmängeln. Je nach Produkt und Markteintrittsstrategie kann es aber Sinn machen, eine Verkaufsniederlassung zu eröffnen und After Sales-Services anzubieten.




Kurt Müllauer, Wirtschaftsdelegierter Ostafrika

Diversifiziert: Ostafrika
Kenia ist mit einem Exportvolumen von 22 Mio. Euro (2015) der drittwichtigste Wirtschaftspartner Österreichs in Subsahara-Afrika und gemeinsam mit Äthiopien der wichtigste in Ostafrika. Neben Kenia und Äthiopien bieten die seit Jahren mit sechs bis neun Prozent wachsenden Märkte Tansania, Uganda sowie Ruanda interessante Anknüpfungspunkte für die österreichische Wirtschaft. Infrastrukturprojekte (Straßen, Eisenbahn, Flughäfen und Häfen) sowie der Bergbau zeigen die höchste Dynamik. Ähnliches gilt für den Energie- und Umweltsektor, vor allem den Kraftwerksbau unter Nutzung alternativer Energiequellen (Wind, Photovoltaik und Geothermie) sowie Energieeffizienz. Kenia bezieht etwa ein Drittel seiner Lieferungen aus China und Indien. Österreichische Zulieferer sollten sich daher an Projekten orientieren, die nicht von chinesischen Firmen umgesetzt werden. Kenia ist wie auch Uganda primär landwirtschaftlich geprägt und bietet dafür auch optimale Voraussetzungen. Dieser Sektor, wie auch der nachgelagerte Nahrungsmittelsektor, ziehen ausländische Investoren an und können auch für Unternehmen aus Österreich attraktiv sein. In Äthiopien sind heimische Firmen bisher vor allem im Bereich Infrastruktur (Straße, Bahn, Staudammbau) involviert. Ruanda zeigt eine vorzügliche Entwicklung und bietet sich in vielen Bereichen als Nischenmarkt an.




Christoph Plank, Wirtschaftsdelegierter Westafrika

Chancenreich: Westafrika
Die Côte d’Ivoire konnte ihre Stellung als zweitgrößte Volkswirtschaft Westafrikas – nach Nigeria – ausbauen. Die Wirtschaft des weltweit größten Kakaoproduzenten zeigt ein stabiles Wachstum von acht Prozent. Nach dem Ende der politischen Krise der 1990er Jahre zieht das Land nun wieder zahlreiche Investitionen aus dem Ausland an. Für die österreichische Wirtschaft stellt die Elfenbeinküste mit einem Volumen von rund 20 Mio. Euro (2016) nach Nigeria den wichtigsten Exportmarkt in Westafrika dar. Chancen bestehen vor allem im Bereich Bau und Infrastruktur, Maschinen und Anlagen für die Industrie, Lebensmittelverarbeitung und Baumwollgewebe. Trotz eines stabilen BIP-Wachstums von durchschnittlich sechs Prozent und einem BIP pro Kopf von 2.000 Dollar gehört der Senegal zwar immer noch zu den ärmeren Ländern des Kontinents, aber die vergleichsweise langwährende politische Stabilität gereicht dem demokratischen Musterschüler der Region zum Vorteil. Chancen für österreichische Unternehmen liegen in den Bereichen Landwirtschaft und Agrobusiness, Informationstechnologie und Kommunikation, Tourismus, Bekleidungs- und Textilindustrie sowie Bau und Infrastruktur.

Französisch ist die Geschäfts- und Verwaltungssprache in Westafrika, was eine gewisse Herausforderung bei der Marktbearbeitung darstellt, jedoch kein Hindernis für Sie sein sollte.

© corporAID Magazin Nr. 68
Fotos: WKO

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