Emerging Wine

Ein guter Trop(f)en Wein

02/2017 - Lange Zeit waren sich Weinexperten einig, dass Qualitätsweine nur zwischen dem 30. und 50. Breitengrad, also in Zonen gemäßigten Klimas produzierbar wären.
„New Latitude Wines“, zu denen Herkunftsländer wie Thailand, Bali oder Äthiopien gehören, wollen beweisen, dass die alte Regel nicht länger gilt. Ein anderer Exot in der Weinproduktion, nämlich China, wird den internationalen Weinmarkt künftig vermutlich stark prägen.

Zum Thema:

Interview mit Laurenz M. Moser V.

Seit ein paar Tagen herrscht besonders reges Treiben in der Hügellandschaft nahe des bekannten thailändischen Badeorts Hua Hin. Denn mit Beginn der offiziellen Erntezeit am 19. Februar werden tagtäglich reife Trauben gelesen. Auf dem 200 Hektar großen Hua Hin Hills Weingut muss besonders rasch gearbeitet werden: Es gilt, die Früchte zum Schutz vor gierigen Affenhorden aus den angrenzenden Wäldern und der Hitze so bald wie möglich in kühl temperierte Keller zu verfrachten.


Elefantenritt im Weingarten
von Hua Hin Hills in Thailand.

Das Hua Hin Hills Weingut ist eines von drei Weingütern der Siam Winery, die vor 31 Jahren von Chaleo Yoovidhya – dem Miteigentümer von Red Bull – gegründet wurde. Der 2012 verstorbene Unternehmer wollte zur Entwicklung einer thailändischen Weinkultur beitragen. Das ist ihm durchaus gelungen. Der größte Weinbetrieb Südostasiens beschäftigt heute rund tausend Mitarbeiter und verkauft auch ausländischen Wein im Königreich – beispielsweise Winzer Krems Wein aus Österreich. Unter dem Monsoon Valley-Label, das mehrfach international preisgekrönt wurde, produziert das Unternehmen selbst Weine von Sorten wie Colombard, Chenin Blanc oder Shiraz. Und es setzt auf Wein-Tourismus: Hua Hin Hills ist ein beliebtes Ausflugsziel für Feriengäste und weininteressierte Einheimische, die auf dem malerischen Gut Elefantenreiten, kreatives Etikettengestalten oder ein Dinner mit Weinbegleitung buchen können.

Neue Breitengrade Siam Winery gehört zu rund einem Dutzend größerer und kommerzieller Weingüter des Landes. „Insgesamt produziert der thailändische Weinsektor jedes Jahr an die 400.000 Flaschen edlen Weins“, sagt Visooth Lohitnavy, Gründer der Thai Wine Association und selbst Eigentümer eines größeren Weinguts in Thailand, des GranMonte aus der Provinz Nakhon Ratchasima. „Zählt man allerdings noch jene Massenhersteller hinzu, die Wein mit Fruchtsäften mixen und als Wein verkaufen, kommt man auf rund vier Millionen Flaschen.“ Die vielleicht bekanntesten aus Thailand angebotenen Sorten sind Shiraz und Chenin Blanc, sagt Lohitnavy. Er stellt generell eine stetig steigende Nachfrage nach lokalem Wein bei der wachsenden Mittelklasse Thailands fest.

Als Emerging Country der Weinszene prägt Thailand auch den Begriff der „New Latitude Wines“: Eine alte Regel in der Weinproduktion besagt, dass gute Reben nur in Zonen gemäßigten Klimas, zwischen dem 30. und dem 50. Breitengrad beider Hemisphären sinnvoll angebaut werden können – neben den klassischen europäischen Alte-Welt-Weinen sind das die New World Wines aus USA, Argentinien, Südafrika, Chile oder Australien. Doch in jüngster Zeit machen immer wieder Weinbaugebiete „neuer Breitengrade“ von sich reden. Darunter Brasilien und Mexiko, Indien, Vietnam und Indonesien, Kenia und Libanon.

Woher dieser Trend kommt? Ganz einfach: Weil es möglich ist. Fortschritte in der Kultivierungs-, Kühlungs- und Bewässerungstechnik, neue Traubenvarianten, eine größere Kontrolle darüber, wie und wann Reben wachsen, machen es einfacher, Wein selbst in Äquatornähe mit hoher Luftfeuchtigkeit und Wärme herzustellen. Meist sind es ausländische Weinexperten, die sich dieser besonderen Herausforderungen stellen. „In Thailand sind die meisten Weingüter auf das Know-how ausländischer Berater und Weinmacher angewiesen. Die Weinindustrie ist noch jung hier, das Thai-spezifische Know-how gering und auf den Universitäten gibt es noch keine entsprechenden Ausbildungen“, erklärt Lohitnavy. Ähnliches spielt sich auch anderswo ab. Äthiopien will beispielsweise mithilfe von Know-how und Investitionen der französischen Firmengruppe Castel ein international konkurrenzfähiges Weinangebot entwickeln, auf balinesischen Weingütern wie Hatten Wines und Sababay Winery werken australische und französische Weinmacher, das indische Sula Vineyards wurde mit kalifornischer Unterstützung aufgebaut.


Wein aus Thailand Monsoon Valley-Marke der Siam Winery

Immer wieder können Exotenweine internationale Preise einheimsen, eine starke Nachfrage in etablierten Weinkonsumländern zeichne sich jedoch noch nicht ab, meinen zwei österreichische Experten. Bernhard Hlavicka, Einkaufsverant-wortlicher der österreichischen Wein-Fachhandelskette Wein & Co sagt: „Wir verkosten auf internationalen Messen regelmäßig interessante Weine aus der ganzen Welt wie China, Brasilien, Uruguay oder Bolivien. Ein Boom zeichnet sich noch nicht ab. Exotische Weine sind nur für aufgeschlossene, probierfreudige Kunden interessant. Die Anfragen sind dementsprechend gering.“

Über die Aussichten der New Latitudes äußert sich auch Lenz Moser, Nachkomme aus der bekannten Kremser Winzerfamilie, zurückhaltend. „Das Gesetz ist überall gleich: Wein muss schmecken und ist erst ab dem Zeitpunkt ernst zu nehmen, da er zu einem international vergleichbaren Preis angeboten wird. Die Weine aus den Tropen sind heute aber noch nicht mainstreamfähig.“

Riese im Aufbruch Nicht tropisch, aber dennoch für viele exotisch: Wein aus China. Seit November führt Wein & Co drei chinesische Weine im Sortiment, ein Cabernet Sauvignon 2015 ist ab 11,50 Euro erhältlich. Das wäre vor wenigen Jahren noch undenkbar gewesen: „Wir haben schon früher chinesische Weine getestet, die unter anderem aufgrund der Qualität ziemlich floppten“, erinnert sich Hlavicka, doch neuerdings registriert er Bewegung nach oben auf der Qualitätsskala: „Jetzt gibt es erstmals einen wirklich guten Wein aus China, der qualitativ mühelos mit den besten Neue Welt Weinen mithält.“

Die drei gelisteten Weine stammen alle aus dem Hause Changyu, dem größten und ältesten Weingut Chinas – und fallen durch Austro-Touch auf. Denn Changyu kooperiert schon seit 2005 mit Lenz Moser (siehe auch Interview), der jährlich mehrmals nach China reist und heute das Land sowohl in puncto Weinproduktion als auch Weinkonsum in großer Aufbruchstimmung sieht. „In China wird massiv investiert, es wächst eine weinaffine Mittelschicht heran, und die Produzenten erkennen zunehmend, dass Qualität und Innovation gebraucht wird.“ Er ist überzeugt: In ein paar Jahren wird man auch in Österreich chinesischen Wein mit Freude genießen.

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Idylle in Hua Hin Ein Weingut als Touristen-Attraktion in Thailand

Spritziger Crémant in Thailand
Eine 45 Kilometer-Fahrt mit dem Shuttle Bus bringt Gäste vom thailändischen Badeort Hua Hin zum Weingut Hua Hin Hills. Hier wachsen die Trauben für die Weine des 2002 gegründeten „Monsoon Valley“-Labels der Siam Winery, das seit neun Jahren auf die Expertise der deutschen Winzerin Kathrin Puff setzt. Die Ernte ist im Februar und März im vollen Gang. Gäste können an der Weinlese teilnehmen, Mountainbike-Touren oder Elefantenritte durch die Weingärten buchen oder im Weinpavillon einen spritzigen Crémant genießen. Zu den Flaggschiffweinen der Siam Winery zählen ein Cuvée de Siam blanc, Chenin blanc und Shiraz, die unter anderem nach Großbritannien, Skandinavien, Hongkong und Japan exportiert werden.


Opulenz in Ningxia Das 70 Mio. Euro teure Château Changyu Moser XV

Austro-Note in China
Die an der Grenze zur Wüste Gobi gelegene Provinz Ningxia ist das vielleicht spannendste Weinanbaugebiet Chinas. Hier gibt es an die 50 Weingüter, es wachsen vor allem Cabernet Sauvignon-Reben. Und hier steht das Château Changyu Moser XV, das exklusiv vom Österreicher Lenz Moser betrieben wird. Ähnlich wie bei den anderen Châteaus des Changyu-Weinunternehmens, sind Touristen höchst willkommen. Der opulente Prachtbau beherbergt nebst Weinproduktion ein Museum, Gastronomie und einen Ballsaal. „Die Chinesen haben den Gedanken von Nappa Valley verinnerlicht, sie wollen Gäste ansprechen, um ihnen Weinkultur näherzubringen.“ Noch setzt man auf europäisches Flair, China-Bezug sucht man vergeblich. Moser: „Die Kopierphase wird enden, bald werden sich die Weingüter auf ihre eigene Kultur berufen.“

© corporAID Magazin Nr. 68

Text: Katharina Kainz-Traxler
Fotos: Sababay, Siam Winery, LMM Projects

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