Kommentar

Weltsichten

02/2017 - von Katharina Kainz-Traxler


Katharina
Kainz-Traxler

ICEP

Dieser Tage wird viel darüber diskutiert, dass wir im Zeitalter des „Postfaktischen“ leben, in dem in einer Argumentation objektive Belege an Bedeutung verlieren. Daher ist es besonders bedauerlich, dass die Welt künftig ohne Hans Rosling auskommen muss. Der kürzlich verstorbene Professor hat sich mit viel Verve und Humor für die Vermittlung eines faktenorientierten Weltbilds eingesetzt. Seine – auf Youtube abrufbaren – Präsentationen begann er am liebsten mit einem Multiple-Choice-Test, bei dem er das Publikum etwa fragte: Wie viele Kinder bekommt eine Frau in Bangladesch? Wie hoch ist die weltweite Alphabetisierungsrate Erwachsener? Wie verteilen sich die sieben Milliarden Erdbewohner auf die Kontinente? Die Fragerunde endete für Rosling meist ernüchternd, die Trefferquote lag in der Regel unter dem Niveau einer Zufallsauswahl. Für Rosling zeugte das schiefe Weltbild vieler von veraltetem Schulwissen, Vorurteilen und unreflektiertem Medienkonsum. Sein Vermächtnis: Stärker auf Fakten zu achten und anzuerkennen, dass die Welt viel besser ist als ihr Ruf.


© corporAID Magazin Nr. 68

 

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