Leitartikel

Superlative

12/2016 - von Christoph Eder


Christoph Eder
Chefredakteur

Wenn die österreichische Außenwirtschaft Jubelmeldungen versendet und sich Superlativen bedient, geht es zumeist um den Export. Besonders laut ist der Jubel und besonders super die Superlative, wenn Exportrekorde gefeiert werden. Ohne die Erfolge der Unternehmen schmälern zu wollen – allein durch die Inflation ist das Exportvolumen für sich eine dankbare Größe für Bestmarken. Dabei wird in der Realität oft eines übersehen: Eine wettbewerbsfähige Exportwirtschaft ist ganz entscheidend davon abhängig, ebenso wettbewerbsfähig zu importieren. Da sich in Österreich nur überschaubar Rohstoffe finden und das Land schon im regionalen Vergleich als Hochlohnland gilt, ist die verlässliche Verfügbarkeit von Vormaterialen und -produkten eine Säule des Erfolgs auf dem Weltmarkt – und beinahe ebenso relevant für den heimischen Wohlstand wie Exporterfolge.

Mit dem quasi merkantilistischen Bild, das die öffentliche Wahrnehmung der österreichischen Außenwirtschaft und den politischen Diskurs darüber bestimmt, lässt sich das aber nicht immer stimmig vereinbaren. Das ist nicht nur in Österreich so, sondern folgt in den meisten europäischen Staaten diesem Muster. Auch die – wichtige und richtige – Kooperation der Entwicklungszusammenarbeit mit der europäischen Wirtschaft basiert im Kern auf diesem Bild. Deren Entwicklungsbeitrag sieht man vor allem im Liefern hochwertiger und ressourcenschonender Anlagen oder der Bereitstellung qualifizierter Dienstleistungen. Dabei hat auch der Import Potenziale, die viel zitierten Win-win-Situationen zu schaffen. In einigen europäischen Ländern gibt es daher seitens der Außenwirtschaftsförderung und insbesondere seitens der Entwicklungszusammenarbeit Programme zur Importförderung. Konkret geht es dabei darum, europäischen Händlern und Produzenten Zugang zu neuen Lieferanten für Produkte zu eröffnen, die so in Europa heute nicht verlässlich verfügbar sind – und gleichzeitig für Exporteure aus Entwicklungsländern neue stabile Absatzmärkte, für deren Mitarbeiter sichere Arbeitsplätze und für die Staaten zusätzliche Steuereinnahmen zu schaffen.

Ganz neu gibt es ein solches Importförderprogramm auch in Österreich. In Kooperation mit den drei großen europäischen Importförderprogrammen haben die heimische Entwicklungsagentur ADA und der Handelsverband den Import Information Hub Austria gestartet, der Nachfrage und Engpässe der österreichischen Wirtschaft erheben und diese mit Angeboten von Unternehmen aus dem Netzwerk der europäischen Partner matchen soll. Habituelle Sorgen um negative Auswirkungen auf die österreichische Wirtschaft sind übrigens unbegründet: Die drei etablierten Importförderprogramme gibt es in Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz. Das sind jene Länder mit den – Achtung, Superlative – höchsten Leistungsbilanzüberschüssen.


© corporAID Magazin Nr. 67

 

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