Interview

Marktplatz Klimagipfel

12/2016 - Die Klimaverhandlungen gehen zunehmend Hand in Hand mit der Entwicklungsagenda, stellt Energieexperte Martin Hiller fest.


Martin Hiller GF von REEEP

corporAID:Sie waren bei den Klimatreffen in Paris und Marrakesch dabei. Welche Trends zeichnen sich ab?

Hiller:Es gibt immer mehr gute Akteure auch in ärmeren Entwicklungsländern, der Wissensstand steigt rapide, und das ist spannend. Was sich in Paris geändert hat, ist, dass man in den Klimaverhandlungen jetzt über Entwicklung redet. Das ist viel handfester geworden. Und das war auch in Marrakesch so: Ich habe dort mit nationalen Delegationen über ganz konkrete Projekte geredet. Das ist eine Art Marktplatz geworden, wo man neue Projekte bespricht, wie man für diese Finanzierung auftreiben kann und wer was machen will. Diese Diskussionen sind heute stark von den Entwicklungsländern selbst betrieben, die klar sagen, was sie wollen und was nicht. Das ist eine Riesenveränderung.

Wie sollte sich der Energiesektor weltweit auf das gemeinsame Klimaziel einstellen?

Hiller: Eine enorme Herausforderung ist, die dezentrale Energieproduktion in das Versorgungsystem aufzunehmen. Bei Mobiltelefonen war es ähnlich. Wenn wir warten hätten müssen, bis die traditionellen Telefonfirmen Handys auf den Markt bringen, hätten diese heute noch Rucksackgröße. Da waren eben andere, die hereingekommen sind und den Markt entwickelt haben. Unser Wunsch wäre, dass sich der Fokus von der Energieproduktion auf die Energiedienstleistung verlagert, denn dann hätten plötzlich alle Energieträger einen Stellenwert. Die Umstellung des Netzes darauf, dass es die vielen verschiedenen kleineren Quellen bewältigen kann, ist wie die Energiespeicherung sicher eine technische Herausforderung. In vielen Entwicklungsländern ist aber die Finanzierung von Off-Grid die größte Hürde.

Was muss nach Paris und Marrakesch passieren?

Hiller: Die Dekarbonisierungspläne der Staaten müssen jetzt funktionieren, damit eine wirkliche Veränderung stattfindet. Beim Arbeitstreffen in Marrakesch hat man sich beim Geld nicht geeinigt – das war wenig überraschend. Es gab aber viele Detailabkommen. Ich glaube zwar, dass das nach wie vor viel zu wenig ist, um das Klimaziel zu erreichen, aber es geht in die richtige Richtung.

Vielen Dank für das Gespräch!

© corporAID Magazin Nr. 67
Das Gespräch führte Ursula Weber.

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