Best Practice

Erfolgreich unterwegs

12/2016 - Marken wie Natura aus Brasilien, Dangote aus Nigeria, Indomie aus Indonesien oder auch Qeelin und Geely aus China sind in Österreich wohl noch weitgehend unbekannt und dennoch alles andere als Leichtgewichte.


Ingredienzen aus dem Regenwald sind nicht nur in Brasilien beliebt.

Nachhaltige Naturkosmetik
Natura Cosméticos, zweitgrößter brasilianischer Kosmetikhersteller, gilt als einer der innovativsten Markenartikler Südamerikas. 1969 von Antonio Luiz Seabra gegründet, setzt das Unternehmen seit jeher auf Naturingredienzen aus dem Amazonasgebiet und den Erhalt der dortigen Biodiversität. Auffälligstes Werbemerkmal: Natura zeigt normale Frauen statt Supermodels und will damit die Themen Natürlichkeit und Nachhaltigkeit in den Vordergrund rücken. Ins Markenbild passt auch, dass Natura Gründungsmitglied der Union of Ethical BioTrade ist und 2014 als eines der ersten gelisteten Unternehmen das von der US-amerikanischen NGO B-Lab verliehene B-Corp-Zertifikat erhielt. Innovative Wege geht die in Lateinamerika und Europa präsente Firma im Verkauf: Rund 70 Prozent des Umsatzes erwirtschaften traditionell Beraterinnen im Direktvertrieb. In Frankreich funktioniert das allerdings nicht so gut. Dort will Natura nun stärker auf Einzelhandel setzen – den Pariser Flagshipstore gibt es bereits seit 2005.




Reichster Afrikaner Unternehmensgründer Aliko Dangote

Sein Name zieht
Was in Großbritannien Virgin-Gründer Richard Branson und in Österreich Red-Bull-Lenker Dietrich Mateschitz verkörpert, ist in Nigeria Aliko Dangote. Die gleichnamige Gruppe des reichsten Afrikaners ist der größte industrielle Mischkonzern Westafrikas und mit 13 Unternehmen in 14 afrikanischen Ländern aktiv – neben den Geschäftsbereichen Zement, Gas und Öl auch im Bereich Lebensmittel. Was Dangote bei einer breiten Bevölkerungsschicht zu einem der bekanntesten Markennamen Westafrikas machte. Das spiegelt sich nicht zuletzt im Ranking der beliebtesten Marken Afrikas 2015 des Magazins African Business wider, wo die Konsumsparte der Dangote Group als beliebteste Marke eines afrikanischen Unternehmens auf Platz 27 gereiht wurde. Das zeigt sich auch am Wahlspruch des Unternehmens „touch the lives of people by providing their basic needs“: Besonders die Lebensmittel-Brands der Gruppe gelten als leistbar. Passend dazu auch das Image von Aliko Dangote, dessen Vermögen vom Forbes Magazine auf rund 20 Mrd. Dollar geschätzt wird: Er gilt als bescheidener Mensch, der seinen Reichtum im Gegensatz zu anderen Vertretern der Wirtschaftselite Nigerias kaum zur Schau stellt. Als Mitglied des Nigerianischen Wirtschaftsrates wirbt er unermüdlich für Investitionsmöglichkeiten in Afrika, 2014 war er Co-Vorsitzender beim Weltwirtschaftsforum in Davos.




Starke Marke aus Indonesien: Instantnudel-Brand Indomie

Die Macht der Nudel
Sie werden in Asien zu fast jedem Gericht serviert und kommen meist dünn und gekräuselt auf den Teller: Nudeln. Im bevölkerungsreichen südostasiatischen Inselstaat Indonesien hält die Marke Indomie (Indo steht für Indonesien, Mie für Nudel) gar einen Marktanteil von 72 Prozent. Auf den Markt kam Indomie 1982 und ist heute Teil der Indofood Sukses Mamur, einem der größten indonesischen Lebensmittelkonzerne, der wiederum im Besitz des Mischkonzerns Salim Group steht. Die Instantnudel-Marke ist in Indonesien sogar zu einem Deonym geworden, wird also als Gattungsbegriff verwendet. Laut dem Marktforschungsunternehmen Nielsen zählt Indomie seit langem zu den wertvollsten Marken Indonesiens. Neben dem Heimmarkt werden die rund 40 Indomie-Produkte weltweit in knapp 50 Staaten vertrieben. Verkaufsschlager ist und bleibt Mi Goreng, das Nudelgericht mit Zwiebeln und Soja Sauce, daneben werden Indomie-Produkte mit Curry, Huhn und als Suppeneinlage angeboten. Dem indonesischen Verband der Brot-, Keks- und Fertignudelproduzenten Arobim zufolge werden 2016 rund 16 Milliarden Packungen Instantnudeln verkauft. Neben dem Stammwerk auf der indonesischen Hauptinsel Java ist Indomie auch in Westafrika präsent. In Nigeria, wo das Unternehmen im größten Nudelwerk Afrikas Fertiggerichte für den afrikanischen Markt produziert, ist Indomie besonders populär.




Glückssymbol Aushängeschild der Marke Qeelin ist die Panda-Kollektion „BoBo“

Funkelnde Mythen
Mythen, Emotionen und die Kultur Chinas in Schmuck und Juwelen kombiniert mit französischer Handwerkskunst auszudrücken, das war das Ziel des Designers Dennis Chan, der die Luxusmarke Qeelin im Jahr 2004 gemeinsam mit dem Franzosen Guillaume Brochard in Hongkong gründete – der Name ist einem der vielen chinesischen Fabelwesen entlehnt. Broschen und Ketten mit Symbolen wie Drachen, Hunden oder Bambusstämmen machen Qeelins Schmuckstücke zu Eye-Catchern. Nicht zuletzt die Reihe „BoBo“, die das wohl bekannteste Glückssymbol Chinas, den Pandabären, variantenreich interpretiert. Bereits 2007 eröffnete Qeelin einen Flagship Store in Paris. Laut Co-CEO Christoph Artaux startete Qeelin den Verkauf in den USA und Europa ursprünglich, um chinesische Touristen und die lokalen chinesischen Communities zu bedienen. Der Erfolg in Paris veranlasste das Qeelin-Management aber dann dazu, nach neuen Vertriebspartnern zu suchen. Heute wird Qeelin in den USA vom französischen Luxuskonzern Hermès vertrieben, Qeelin-Boutiquen und -Händler finden sich in Hongkong, China, Japan, Südkorea, Frankreich, Großbritannien und Russland. Im Jahr 2012 erwarb die französische Luxusgütergruppe Kering, die für eine ganze Reihe von Marken wie etwa Gucci, Saint Laurent oder Puma bekannt ist, die Hongkonger Marke. Laut Kering ist Qeelin das schnellstwachsende Tochterunternehmen, die Zahl der Shops stieg seit der Übernahme von 13 auf mittlerweile mehr als 24 Boutiquen, 18 davon in China und Hongkong. Die Objekte der zwölf Kollektionen kosten zwischen 500 und 100.000 Euro.




London E-Cab Die Technologie der nächsten Generation des berühmten Londoner Taxis kommt von Geely aus China.

Ambitionierter Glücksritter
„Happy life, geely drive.“ Der Slogan der jungen chinesischen Automobilmarke Geely ist ebenso simpel wie geradlinig. Unternehmensgründer Li Shu Fu startete 1986 mit Kühlschränken, ehe sich sein Unternehmen über Motorräder bis zum Automobilbau wagte. 2010 war für Geely, was grob übersetzt „Glück bringendes Auto“ bedeutet, ein besonders wichtiges Jahr. Das chinesische Unternehmen übernahm den damals noch zu Ford gehörenden schwedischen Automobilproduzenten Volvo um knapp zwei Mrd. Dollar – und erreichte damit einen erfolgsentscheidenden Technologietransfer. Geely ist zwar in unseren Breiten noch eher unbekannt, zählt allerdings zu den schnellstwachsenden Automarken weltweit. Neben dem Stammmarkt China werden die Wägen vor allem nach Russland, Belarus, in die Ukraine und in die Türkei verkauft. Seit 2012 gehört auch die London Taxi Company, Hersteller eines ikonischen Bestandteils des Londoner Stadtbilds, zu Geely. Neben der Stammmarke Geely betreibt das Unternehmen noch die Marken Emgrand, Englon, Panda sowie Shanghai Maple Automobile. 2015 hat Geely weltweit 542.000 Fahrzeuge verkauft, Volvo 503.000. Jüngster Prestigeerfolg: Motorjournalisten und Industrievertreter wählten Geelys Mittelklasse-Limousine GC9 Borui zum „China Car of the Year“ 2016 – damit gelang es erstmals einer chinesische Automarke, sich gegen internationale Konkurrenz durchzusetzen.

© corporAID Magazin Nr. 67
Text: Clemens Coudenhove-Kalergi
Fotos: Indomie, Natura, Dangote Group, Geely, Qeelin,

Suche:  
Aktuelle Artikel

Konsumgüter: Erfolgsmarken aus Emerging Markets

Neue Märkte: Im Maghreb ist einiges los

Kurzmeldung: Österreichische Projekte im Entwicklungs-Business

Termine

26.9.2017 corporAID Multilogue in Vorarlberg: Neue Märkte mit Impact

26.-28.9.17 Konferenz UNIDO: Bridge for Cities

2.10.2017 BMWFW Diskussionsveranstaltung: Von der Theorie zur Praxis

Sie sind zurzeit nicht angemeldet.
» Anmelden » Registrieren » Passwort vergessen

Österreichische Unternehmen unterstützen corporAID
http://corporate.coke.at