Innovation für Entwicklung

Wasser dank Solarkraft

12/2016 - Der Österreicher Dietmar Stuck entwickelte eine umweltfreundliche, wartungsfreie Pumpe für die Wasserversorgung in ärmeren Weltregionen. Seinem großen Ziel, den afrikanischen Markt zu erobern, nähert er sich Schritt für Schritt.

18.000 Liter Wasser täglich dank
Do-it-Yourself-Solarpumpe

Manchmal schon nach ein paar Wochen, spätestens jedoch nach drei Monaten fangen die Probleme an“, erinnert sich Dietmar Stuck, „und bald darauf war‘s das dann auch schon wieder mit dem Wasser.“ Stuck ist Brunnenmeister aus Sankt Veit an der Glan und konnte in 17 Berufsjahren in seinem Metier viel internationale Erfahrung sammeln. Die Probleme, die er anspricht, beziehen sich auf seine Erfahrungen als Begutachter von Brunnenbauprojekten in mehreren afrikanischen Ländern. „Die Installation einer Handpumpe für die Wasserversorgung von Dörfern ist ein typisches Entwicklungshilfeprojekt, das fast alle in Afrika tätigen Hilfsorganisationen als erstes angehen. Leider sind es oft keine langfristigen Lösungen“, erklärt Stuck, denn „viele Pumpsysteme haben Verschleißteile und sind wartungsintensiv, und wenn sich niemand zuständig fühlt, sind sie schnell kaputt.“ Wenn die Pumpe dann auch noch kraftstoffbetrieben ist, kommt mitunter ein weiteres Problem dazu: Das Geld für den Diesel fehlt. In Afrika, so schätzt Stuck, sei von etwa einer Million installierter Handpumpensysteme ein gutes Drittel gar nicht mehr funktionsfähig. „Das ist tragisch – aber auch eine große Chance.“


Massgefertigt Stuck (links) entwickelte für seine solarbetriebene Wasserpumpe eine eigene Motorsteuerung und Software.

Durststrecke Seine Innovation wollte der Kärntner Entwickler umgehend an Hilfsorganisationen und Unternehmen vor allem in Afrika verkaufen. Der Bedarf ist ja bekanntermaßen riesig: Wassermangel gilt global als eines der größten Probleme dieses Jahrhunderts, laut den Vereinten Nationen haben bis heute mehr als 650 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, und auf Zusammenhänge zwischen Wasserknappheit und Fluchtbewegungen weisen zahlreiche Studien hin. „Ich dachte, so eine Wasserpumpe benötigt doch jeder, und es müsste eigentlich sofort ein Erfolg werden“, schildert Stuck seinen anfänglichen Optimismus.

Inzwischen weiß er, dass es erst einmal sehr viel Aufbauarbeit braucht, um in den Markt überhaupt hineinzukommen. Ein Fehler war es, wie er sagt, zu Beginn vor allem Hilfsorganisationen in Europa und den USA anzusprechen. „Die übermitteln Spendengelder meist nur an die eigentlichen Entscheidungsträger. Und die sitzen in den Ländern selbst, in lokalen Partnerorganisationen oder Gemeinden, und sind schwieriger zu erreichen.“


Die erste von 15 nach Afrika verkauften Solarpumpen steht in Mosambik.

Ende 2011 kam es aber zum ersten Meilenstein: Gemeinsam mit der NGO World Vision installierte Stuck in einem entlegenen Dorf in Mosambik eine Pumpe zur Versorgung der 800 Einwohner mit sauberem Trinkwasser.

Als Stuck zwischenzeitlich das Geld ausging, gründete er ein Unternehmen, das Wasseruntersuchungen für den Brunnenbau in Österreich anbietet, nebenbei entwickelte er die Pumpe stets weiter. Nach zwei Jahren hatte er genug Kapital erwirtschaftet, um sich wieder verstärkt auf das Herzensprojekt zu stürzen, zudem bescherte ihm eine Finanzierungskampagne mit der Crowdfunding-Plattform Green Rocket 110.000 Euro Investorengelder für Vermarktung und Vertrieb.

Von Kärnten in die Welt Mittlerweile ist die „PM Pumpmakers GmbH“ im Industriepark Sankt Veit an der Glan zu finden. Ein rund 20-köpfiges Netzwerk unterstützt Stuck, sobald ein Auftrag hereinkommt. Die Strategie: Schlüsselteile für Brunnensysteme wie Steuerung, Pumpkolben, Getriebe sowie passendes Werkzeug kommen als Bausatz aus Österreich, vor Ort bauen Unternehmen die Turmkonstruktion und erweitern sie mit lokal erhältlichen Wasserspeichern. Auf der Webseite des Start-ups gibt‘s die notwendigen Installationspläne und erklärende Videos in mehreren Sprachen.


Neu installiert Seit April versorgen Solar-Wasserpumpen ein 5.000 Einwohner-Dorf in Kamerun mit bis zu 15.000 Litern am Tag.

Neben der Do-it-Yourself-Pumpe, die gängige Handpumpen ersetzen soll, bieten die Pumpmakers heute auch größere Solarpumpsysteme mit einer Förderkapazität von mehr als 50.000 Litern pro Stunde aus einer Tiefe von bis zu 350 Metern an, die auch an Bewässerungsanlagen für die Landwirtschaft angeschlossen werden können. Die Eckdaten dazu: „Unsere Systeme kosten abhängig von Wassertiefe und Pumpleistung ab 3.000 Euro bis zu ein paar 100.000 Euro und amortisieren sich nach spätestens zwei Jahren“, sagt Stuck.

Anfragen kommen aus aller Welt: Pumpmakers-Systeme sind mittlerweile von Griechenland bis Sri Lanka im Einsatz, vor allem aber in Stucks Fokusregion Afrika. „Wir haben seit 2015 rund 15 Systeme nach Somalia, Sambia, Marokko, Kamerun und Burkina Faso verkauft“, freut sich der Unternehmer. „Was uns beschäftigt, ist die Frage, wie wir das Riesenpotenzial nutzen und den Markt erobern können.“ In 48 afrikanischen Ländern habe man grundsätzlich gute Chancen, weniger geeignet seien nur jene Länder Nordafrikas, wo das Grundwasser sehr tief liege. Stucks Ziel ist es nun, mithilfe von lokalen Partnern mehrere Referenzprojekte aufzubauen und damit Bekanntheit zu erlangen. „Die bisher installierten Pumpen eignen sich für Demonstrations-
zwecke eher weniger, da sie in abgelegenen Regionen stehen“, erklärt er.


Pumpe mit Extras
Pumpmakers bietet seit kurzem die „PM Life Station“: Sie versorgt bis zu 1.000 Menschen mit Trinkwasser, bietet Wlan und Auflade-
stationen.

Zwei Merkmale sollen die Differenzierung vom Mitbewerb ermöglichen: erstens die lokale Fertigung, denn „Made in Africa together with European Engineers“ könne dringend benötigte Jobs schaffen, während andere Pumpenanbieter nur auf Import setzten. Und zweitens die Extraservices: „Wir haben PM Life Stations entwickelt, die Wasser, Internet, Strom und Licht kombinieren“, sagt Stuck, „das hat‘s bislang noch nicht gegeben.“ Bei einer PM Life Station können Menschen ihr Trinkwasser holen, Emails checken, ihre Lampen, Handys und Radios aufladen. Und nebenbei erfasst das System auch noch Grundwasser- und Wetterdaten.

Stucks Ideen überzeugen: Im November konnte er in Afrika zwei Kooperationspartner gewinnen. Ein Unternehmen, das in Tansania Mobilfunkmasten installiert, möchte die neuen Internet-Solar-Wasserpumpen landesweit aufstellen. „Das ist ein idealer Partner, weil genügend Know-how und Mitarbeiter vorhanden sind, um die Stationen aufzubauen.“ Ähnliches gilt für ein südafrikanisches Stahlbauunternehmen, das die Konstruktion und afrikaweite Installation der Pumptürme übernehmen möchte.

Und noch ein Produkt steht kurz vor der Marktreife: eine wartungsfreie Handpumpe, mit der sich Wasser aus 70 Metern Tiefe gewinnen lässt. Sie sei ein Low-Cost-Einstiegsprodukt, das aber auch auf die PM Life Station upgegradet werden könne. Wasserpumpen, so scheint es, werden noch lange die große Leidenschaft von Dietmar Stuck bleiben.


© corporAID Magazin Nr. 67
Text: Katharina Kainz-Traxler
Fotos: Pumpmakers, Elias Jerusalem

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