Interview

Flexibel auf Kurs

12/2016 - Experte Peter Nicholas über die Besonderheiten und Vorteile von Development Impact Bonds


Peter Nicholas
Social Finance UK

corporAID: Auf welche Weise stellen Development Impact Bonds traditionelle Methoden der Entwicklungszusammenarbeit in Frage?

Nicholas: Development Impact Bonds stellen einen flexibleren Ansatz für die Implementierung von Entwicklungsprojekten dar, der sich signifikant von starren Projektmanagementmethoden unterscheidet. Der Fokus liegt stärker auf der Erhebung und Nutzung von Echtzeitdaten – das wiederum ermöglicht schnelle Kurskorrekturen auf Basis einer Analyse dessen, was Wirkung zeigt und was nicht. Dieses adaptive Management ist für viele Entwicklungsakteure ungewohnt und wird als Kontrollverlust empfunden, dabei ist genau dieser Faktor wesentlich für schnelles Lernen. Selbst das beste Projektdesign kann nicht sämtliche Herausforderungen und Chancen vorhersehen, eine Datenanalyse in Echtzeit hingegen macht die notwendige Feinabstimmung und Innovation möglich.

Für welche Bereiche ist dieses Modell geeignet?

Nicholas: Development Impact Bonds sind dort am effizientesten, wo auch ein adaptiver Managementansatz den größten Mehrwert bietet – zum Beispiel im Bereich Gesundheit oder Bildung, wo Verhaltensänderungen in der Zielgruppe besonders wesentlich, gleichzeitig aber auch schwierig vorhersehbar sind. Im Straßenbau hingegen, wo die Anzahl der unsicheren Variablen typischerweise kleiner ist, wird das Modell keinen Mehrwert haben. Die Verfügbarkeit gut nutzbarer Daten ist zudem entscheidend und mitunter die größte Herausforderung.

Kritiker sagen, Impact Bonds seien im Allgemeinen zu zeit- und kostenintensiv ...

Nicholas: Die ersten Modelle waren kleine Pilotprojekte und haben in der Vorbereitung noch sehr viel Zeit in Anspruch genommen. Dadurch waren die Transaktionskosten im Verhältnis hoch. Allgemein muss man aber sagen, dass Impact Bonds schlichtweg eine Reihe Kosten vorab sichtbar machen, die normalerweise in die Gemeinkosten eines Projekts eingerechnet werden. Das hat Bedenken aufkommen lassen, ob Impact Bonds nicht ein inhärent teures Instrument seien. Dabei darf man aber nicht vergessen: Das adaptive Management von Impact Bonds erhöht die Effizienz im Vergleich zu herkömmlichen Ansätzen – durch diese Flexibilität werden wiederum teure und umständliche Kurskorrekturen vermieden.

Vielen Dank für das Gespräch!

© corporAID Magazin Nr. 67
Das Interview führte Melanie Pölzinger.
Foto: Social Finance UK

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