Nachhaltige globale Wirtschaft

Events im Rückblick

12/2016 - Was wurde in Österreich in den vergangenen zwei Monaten öffentlich diskutiert? Welche Experten kamen zu Wort? Welche Lösungen wurden präsentiert?


Hidden Champion Lisec-CEO Othmar Sailer zeigte Synergien zwischen dem Kerngeschäft eines Anbieters von Gesamtlösungen für die moderne Flachglas-verarbeitung und den Sustainable Development Goals auf.

Zukunftsmarkt Globale Nachhaltigkeit

Seit die Vereinten Nationen im Herbst 2015 die Globalen Ziele für Nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals SDG) verabschiedet haben, werden Wege zu deren Umsetzung weltweit diskutiert. Mit 17 Zielen und 169 Unterzielen decken die SDG angefangen von der Armutsbekämpfung über Sanitärversorgung und Infrastruktur bis zum Klimaschutz ein breites Themenspektrum ab und bieten zahlreiche Anknüpfungspunkte für Unternehmen. Letzteren kommt bei der Erreichung der ambitionierten Agenda 2030 sogar eine bedeutende Rolle zu. Der Frage, mit welchem Know-how und welchen Produkten oder Technologien heimische Unternehmen zu den Globalen Zielen beitragen können, widmete sich die corporAID Konferenz „Zukunftsmarkt Globale Nachhaltigkeit“, die am 16. November in den Räumlichkeiten der Telekom Austria Group stattfand.

Heimisches Potenzial „Unternehmen müssen soziale und ökologische Herausforderungen als Märkte erkennen“, trat Marc Pfitzer, Europa-Geschäftsführer der Beratungsagentur FSG, in seiner Keynote für die Integration einer gesellschaftlich wertschöpfenden Dimension ins Kerngeschäft ein. Zugleich sprach er sich für die Schaffung entsprechender Ecosysteme durch die Kooperation mit anderen Marktplayern aus. Nur so sei systemischer Wandel möglich. Georg Jungwirth, Professor an der FH Campus 02 in Graz, zeigte auf, was österreichische Hidden Champions an innovativen Lösungen zur Erreichung der Globalen Ziele bieten. Stellvertretend erläuterte Othmar Sailer, CEO des Weltmarktführers für Glasverarbeitungsmaschinen Lisec: „Wir sind die Frontrunner bei Isolierglas weltweit.“ Und zeigte am Beispiel Indiens auf, dass im Sinne des Globalen Ziels Nummer 13 – Maßnahmen zum Klimaschutz – durch den verbreiteten Einsatz von Isolierglas mehrere Kohlekraftwerke eingespart werden können.


W+E Dialog Unter Leitung von ICEP Geschäftsführer Bernhard Weber

In vier parallelen Business Talks – B2B in kritischen Märkten, Infrastruktur und Urbanisierung, Energie und Klimawandel sowie Unternehmen und die Globalen Ziele – diskutierten die 120 Konferenzteilnehmer weitere Betätigungsfelder. Aus der unternehmerischen Praxis berichteten dabei unter anderem Peter Stettner (Andritz Hydro), Christoph Schürz (Pöttinger), Flemming Sørensen (Nordekon), Christian Holter (Solid), Christine Vieira Paschoalique (Wienerberger), Anton Rettenbacher (MUT) und Jasmine Böhm (OMV).

Rahmenbedingungen Im abschließenden Wirtschaft und Entwicklung-Dialog mit Dieter Ernst (German Water Partnership), Michael Otter (WKÖ), Sylvia Meier-Kajbic (BMEIA), Marcus Scheiblecker (WIFO) sowie Wilfried Stadler (Globart) ging es vor allem um die Frage, wie das Potenzial der heimischen Wirtschaft für globale nachhaltige Entwicklung durch geeignete Politikmaßnahmen weiter gehoben werden kann.



Am Podium R. Nöbauer (Bildungsministerium), G. Schall (ADA), B. Wilfinger (WKÖ), H. Heinrich (ICS), W. Weiss (AEE INTEC) (v.l.n.r.)

Berufsbildung: Gemeinsam mehr erreichen

Ob und welche Potenziale Unternehmenskooperationen mit Entwicklungsorganisationen im Bereich der beruflichen Bildung bieten, diskutierten am 14. November rund 40 Vertreter von Unternehmen, NGO und öffentlichen Institutionen auf Einladung der Wirtschaftskammer und des NGO-Dachverbands AG Globale Verantwortung. Wie unterschiedlich die Zugänge zum Thema in Schwellen- und Entwicklungsländern dabei sein können, machten einzelne Fallbeispiele deutlich: So unterstützt Emco ein Don Bosco Ausbildungszentrum in Ecuador durch Maschinen-Sponsoring, die OMV wiederum beauftragte Hilfswerk Austria, in Südtunesien ein Berufsbildungsprogramm umzusetzen. Wie unternehmerische Ziele und gesellschaftlicher Nutzen verknüpft werden können, zeigte ICEP anhand seiner Unternehmenskooperationen auf. In der Podiumsdiskussion war man sich einig: Ohne Unternehmen kann keine breitenwirksame, arbeitsmarktrelevante Berufsausbildung angeboten werden.



Diskussion Unter Leitung von Bernhard Weber (ICEP) diskutierten Gunter Schall (ADA), Gebhard Weiss (sequa), Rita Stupf (Swisscontact), Gregor Wolf (BGA), Alexander Eidelpes (Kotányi) und Christoph von Lattorff (Mercateo Austria) den Mehrwert eines Importförderprogramms in Österreich (v.l.n.r.)

Neue Initiative für internationale Beschaffung

Als neue Anlaufstelle für heimische Unternehmen mit weltweiter Beschaffungstätigkeit stellte sich am 23. November der Import Information Hub Austria vor. Der Handelsverband Österreich, Initiator des Programms, lud gemeinsam mit der Austrian Development Agency, die das Pilotprojekt finanziell unterstützt, zu einer Diskussion mit Experten aus Deutschland und der Schweiz sowie heimischen Unternehmensvertretern. Ziel war es, den Import Hub vorzustellen und den Mehrwert für österreichische Importeure und internationale Exporteure zu beleuchten. Wohin die Reise genau gehen soll und welche Schwerpunkte man im Import Information Hub Austria ab sofort setzen wolle, sei dabei noch komplett offen, sagte Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbands, denn: „Ausschlaggebend hierfür ist der konkrete Bedarf der heimischen Unternehmen.“ Die Nachfrageorientierung sei ein wichtiger Erfolgsfaktor eines solchen Programms – das betonte auch Gebhard Weiss, Geschäftsführer von sequa, der Entwicklungsorganisation der Deutschen Wirtschaft. Alexander Eidelpes, Einkaufsleiter beim Gewürzhersteller Kotányi, begrüßte angesichts der Herausforderungen der Beschaffung aus Schwellen- und Entwicklungsländern unterstützende Maßnahmen in Ländern, die mit europäischen Standards und Anforderungen nicht vertraut sind.



Info-Treffen zu neuem Gesetz beim Wirtschaftsprüfer EY

Zusätzliche Berichtspflicht für große Unternehmen

Etwa 45 Unternehmensvertreter trafen sich beim Businessfrühstück am 6. Dezember, zu dem Gastgeber EY sowie die PR-Beratung Hauska und Partner und die Unternehmensplattform respACT geladen hatten. Das Thema: die bevorstehenden Änderungen im Hinblick auf die Angabe nicht-finanzieller und die Diversität betreffende Informationen. Der Gesetzesentwurf für das zugrundeliegende österreichische Nachhaltigkeits- und Diversitätsverbesserungsgesetz, das die Anforderungen einer vorgängigen EU-Richtlinie auf nationaler Ebene umsetzt, werde derzeit im Justizausschuss des Parlaments behandelt, berichtete respACT-Geschäftsführerin Daniela Knieling. Georg Rogl, Climate Change & Sustainability Services-Manager bei EY, ging dann weiter ins Detail: Betroffen seien große Unternehmen von öffentlichem Interesse mit mehr als 500 Mitarbeitern, vor allem Banken und Versicherungen. Sie müssen ab 2017 in ihren Lagebericht eine erweiterte nicht-finanzielle Erklärung aufnehmen, die sich mindestens auf Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmerbelange, auf die Achtung der Menschenrechte und auf die Bekämpfung von Korruption und Bestechung bezieht. Für den Umfang gibt es keine verpflichtenden Vorgaben. Zusätzlich müssen große Aktiengesellschaften im Rahmen ihres verpflichtenden Corporate Governance-Berichts nun neu eine Beschreibung ihres Diversitätskonzept mitliefern. Laut Erhebungen von EY sind in Österreich rund 120 Unternehmen von der Regelung betroffen.



Keynote-Speaker Andreas Blüthner (BASF) über den Beitrag des Konzerns zur Erreichung der SDG.

SDG: Impuls für neue Geschäftsmodelle

Der corporAID Multilogue am 13. Dezember in Wien drehte sich um die Frage, wie Unternehmen die Globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDG) in ihr Kerngeschäft integrieren können, oder einfach: How to SDG? Anna Peters, Expertin für Corporate Social Responsibility und nachhaltige Geschäftsmodelle bei Endeva, zeigte unter dem Überbegriff Inclusive Business Anknüpfungspunkte für Unternehmen zu den SDG auf und benannte Herausforderungen, die mit ihrer Umsetzung verbunden sind. Das Fazit: Wenn Unternehmen globale Herausforderungen als Nachfrage und Märkte erkennen und ihre Geschäftsmodelle an die spezifischen Anforderungen dieser Märkte anpassen, können sie unternehmerischen Erfolg mit Armutsbekämpfung verbinden. Den praktischen Beweis lieferte Andreas Blüthner, der den Bereich Food-Fortification & Partnerships beim deutschen Chemiekonzern BASF leitet: Mit dem in 30 Entwicklungsländern laufenden Nahrungsmittelanreicherungsprogramm trägt der Konzern zur Bekämpfung von Hunger und Unterernährung (SDG 2) bei und hat gleichzeitig einen neuen Markt erschlossen. An der Podiumsdiskussion über die nötigen Rahmenbedingungen, um dieses Potenzial der Wirtschaft zu heben, beteiligten sich Roman Mesicek (IMC FH Krems) und James Gomme (WBCSD).


© corporAID Magazin Nr. 67
Fotos: Mihai M. Mitrea, Helga Auer, AG Globale Verantwortung, Häusler/respACT

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