Interview

Enormer Wachstumsmarkt

12/2016 - Kostengünstige, in wenigen Tagen errichtbare Häuser sind die Stärke der GHS Global Housing Solutions, die dafür Produktionsanlagen in Südamerika und Afrika errichtet. Das Marktpotenzial sei enorm, sagt Managing Partner Harald Rath.


Harald Rath Global Housing Solutions

corporAID:Welche Lösungen bietet Global Housing Solutions an?

Rath:Wir haben ein Modulsystem für den kostengünstigen Häuserbau auf Basis von PVC-Elementen entwickelt. Unsere klassische Social-Housing-Lösung ist ein Haus zwischen 55 und 70 Quadratmetern mit drei Schlafzimmern, einer Wohnküche und einem Bad mit Dusche, Waschbecken und WC, um 300 Euro pro Quadratmeter. Für die gehobenen Ansprüche der Mittelschicht bieten wir mittlerweile auch zweistöckige Häuser mit 200 Quadratmetern. Unsere Häuser bauen und verkaufen wir aber nicht selbst, sondern wir planen und errichten die dafür notwendigen Werke schlüsselfertig, inklusive Einschulung der lokalen Fachkräfte. In Südamerika stehen zwölf solcher Turnkey-Plants mit einer jährlichen Gesamtkapazität von 150.000 Häusern. GHS-Häuser gibt es vor allem in Venezuela, in der Karibik, in Peru und Nicaragua, insgesamt dürften es schon an die 350.000 bis 400.000 sein.

Und wer sind Ihre Kunden?

Rath:Die Initialzündung zu neuen Produktionsanlagen sind fast immer Kontakte zu Ministerien, die Großprojekte im sozialen Wohnbau planen und uns mit staatlichen oder privaten Investoren und Unternehmen zusammenbringen. Unser Hauptmarkt ist traditionell Südamerika, doch vor drei Jahren haben wir die strategische Entscheidung getroffen, dass unser nächster Markt ganz klar Afrika sein muss. Der Rückstau an vernünftigen Wohnlösungen ist am Kontinent enorm, gleichzeitig wächst die Bevölkerung rasant. Vor kurzem erst war ich in der Elfenbeinküste, dort sind neue Siedlungen mit bis zu 100.000 Wohneinheiten geplant. In Südafrika will man wiederum im großen Maßstab Township-Bewohner in stabile Häuser umsiedeln. Das sind riesengroße, stark politisch motivierte Projekte, denn vernünftige Unterkünfte sind für Frieden und Ruhe in den Ländern natürlich unerlässlich.

Gibt es viel Konkurrenz?

Rath: In unserem Segment der vorgefertigten Häuser tummeln sich viele Anbieter unterschiedlichster Ausprägung und Qualität. Der Markt ist umkämpft, unsere Mitbewerber kommen etwa aus China, Kanada, Israel oder Australien. Uns stört die Konkurrenz aber nicht, sie belebt den Markt. Wenn man an das unerschöpfliche Marktpotenzial denkt, dann ist eine GHS aus Oberösterreich auch mit ein paar Promille Anteil schon mehr als ausgelastet.

Und wie setzen Sie sich gegen billigere chinesische Konkurrenz durch?

Rath:Die Chinesen haben bei Low-Cost Housing wie auch bei anderen Infrastrukturprojekten in Afrika den großen Vorteil, dass sie stets die Finanzierung mitbringen – da können wir nicht mithalten. Wir haben aber festgestellt, dass man in Afrika mit chinesischen Anbietern oft gar keine Freude hat, weil Qualität und Verlässlichkeit nicht unbedingt stimmen. Erst im Frühjahr konnten wir sieben Werke nach Südafrika verkaufen und uns gegen chinesische Mitbewerber durchsetzen, die mindestens um 15 Prozent billiger waren. Wir haben gesagt, dass wir unsere Qualität nicht billiger bieten können, und haben dennoch den Zuschlag bekommen. Auch, weil unser System einen großen Vorteil hat: Man kann beim Hausbau praktisch nichts falsch machen, denn durch die Steckbauweise werden Wände immer gerade, es braucht weder Kräne noch teures Werkzeug. Dadurch lassen sich niedrig qualifizierte Arbeiter einsetzen. Das macht hundert Prozent lokale Wertschöpfung möglich.

Wie sehen die Zukunftspläne aus?

Rath: Derzeit sind wir in vielen afrikanischen Ländern intensivst am Verhandeln. Laufend sind auch Delegationen bei uns in Ried am Traunkreis. Unser Ziel ist es, in so gut wie jedem afrikanischen Land eine oder zwei Produktionsstätten mit einer jährlichen Kapazität von je 10.000 bis 20.000 Häusern zu errichten. In Nigeria, Angola und der Elfenbeinküste werden wohl bereits 2017 neue Werke entstehen. Eine unserer aktuell größten Herausforderungen ist es, die für die Expansion notwendigen Techniker und Fachkräfte zu finden!

Vielen Dank für das Gespräch!

© corporAID Magazin Nr. 67
Das Gespräch führte Katharina Kainz-Traxler

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