Kommentar

Keine Klasse

12/2016 - von Katharina Kainz-Traxler


Katharina
Kainz-Traxler

ICEP

Mein 8-jähriger Sohn, Drittklässler in Wien, wäre dieser Tage wohl gerne Privatschüler in Uganda. Denn dort scheint die Regierung fest entschlossen, 63 Schulen zu schließen – 12.000 Kinder hätten dann erst einmal schulfrei. Die betroffenen Schulen gehören alle zu Bridge International Academies, einem unkonventionellen Privatanbieter, der im Unterricht auf standardisierte Lerneinheiten und Tablets setzt – und von der britischen Entwicklungshilfe, Weltbank und Bill Gates mitfinanziert wird. Die Regierung kritisiert Lehrerqualität, Sanitärbedingungen oder auch die Existenz von Aufklärungsunterricht – Vorwürfe, gegen die sich der Betreiber zur Wehr setzt. Interessant dabei: Auch die Eltern von Bridge-Schülern protestieren gegen die Schließung. Obwohl die meisten arm sind, zahlen sie lieber sechs Dollar Schulgeld pro Monat, als dass sie ihre Kinder in staatliche Schulen schicken. Logisch wäre es also, die Qualität des öffentlichen Angebots kritisch zu hinterfragen und die des Privaten gemeinsam zu heben. Dass Bildungspolitik nicht immer rational betrieben wird, weiß man allerdings auch hierzulande.


© corporAID Magazin Nr. 67

 

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