Globale Beschaffung

Information als Schlüssel

11/2016 - Im Oktober startete der Handelsverband den Import Information Hub Austria, der heimischen Unternehmen künftig bei Fragen rund um die Beschaffung mit Fokus auf Schwellen- und Entwicklungsländer unter die Arme greifen soll.

Zum Thema:

Interview mit Rainer Will, Handelsverband




Edel und gefragt Die Vanilleschote

Haben Sie diesen Sommer schon etwas mehr für Ihr Vanilleeis bezahlt als 2015? Spätestens im kommenden Jahr könnte es jedenfalls soweit sein, dass Speiseeishersteller und Eissalons ihre Preisstruktur überdenken müssen, denn: Echte und qualitativ hochwertige Bourbon-Vanille macht sich immer rarer auf dem Weltmarkt. Erwin Kotányi, Geschäftsführer des gleichnamigen Gewürzherstellers, bezeichnete den Vanillemarkt in einem Zeitungsinterview gar als „Chaos pur“.

Der Preis für Vanilleschoten hat sich im vergangenen Jahr von 60 bis 80 Dollar auf 210 bis 250 Dollar pro Kilo mehr als verdreifacht. Grund dafür ist eine regelrechte Konsum-Renaissance der natürlichen Vanille. Das Problem: Weniger als ein Prozent der weltweit verwendeten Vanillearomen stammt heute aus Vanillepflanzen, die Produktion von Vanilleschoten kann mit der steigenden Nachfrage nicht mithalten. Erschwerend kommt hinzu, dass 85 Prozent des weltweiten Angebots aus einem einzigen Land, nämlich Madagaskar, stammen – und dort die Produktionskapazitäten in den vergangenen Jahren sogar zurückgingen. Kein Wunder also, dass der Preis für Vanilleschoten explodiert und Einkäufern rund um den Globus zunehmend Sorgen bereitet.

Diversifizierung Und die Vanille ist kein Einzelfall. Zahlreiche Produkte sind auf den weltweiten Beschaffungsmärkten nicht ausreichend verfügbar. Neben der edlen Vanilleschote unterliegen auch Kakao, Haselnüsse, Pfeffer oder Knoblauch immer wieder erheblichen Preis- und Qualitätsschwankungen. Liefersicherheit bei Produkten aus Schwellen- und Entwicklungsländern ist in kaum einer Branche selbstverständlich – das bekommen auch österreichische Unternehmen zu spüren.

Um sich gerade dieser Problematik anzunehmen, haben in den vergangenen Jahren immer mehr europäische Länder Importförderungsinitiativen gestartet. Diese sollen Unternehmen bei der Suche nach neuen Beschaffungsmärkten beraten und unterstützen sowie globale Lieferketten stärken. Denn diversifizierte und verlässliche Beschaffungsquellen sind der Schlüssel, um Lieferengpässen und Preisfluktuationen besser begegnen zu können, und sind damit ein zunehmend wichtiger Wettbewerbsfaktor. Hinzu kommt eine entwicklungspolitische Komponente: Über die Integration in globale Lieferketten wird die lokale Wertschöpfung in den Herkunftsländern gesteigert, Arbeitsplätze werden geschaffen und damit ein bedeutender Beitrag zu nachhaltigem Wachstum und Entwicklung vor Ort geleistet.

Seit Oktober dieses Jahres gibt es ein entsprechendes Pilotprojekt in Österreich. Der vom österreichischen Handelsverband, der freiwilligen Interessenvertretung von rund 100 großen Handelsunternehmen, und der Austrian Development Agency ADA ins Leben gerufene Import Information Hub Austria soll künftig die Interessen österreichischer Importeure gezielt mit jenen von Exporteuren aus aufstrebenden Wachstumsmärkten matchen und ihnen bei Fragen rund um die globale Beschaffung zur Seite stehen. „Kunden erwarten heutzutage eine breite Produktpalette, das macht die Erschließung neuer Beschaffungsmärkte notwendig. Der neue Import Information Hub Austria soll als Plattform Informationen über neue alternative Bezugsquellen vermitteln und so heimische Unternehmen langfristig stärken“, erklärt Rainer Will, Geschäftsführer des Handesverbands, die Motivation hinter dem Pilotprojekt (siehe Interview).

Österreich zieht nach Mit der neuen Initiative folgt der Handelsverband den Erfolgsmodellen anderer europäischer Länder wie dem deutschen Import Promotion Desk IPD oder dem niederländischen Centre for the Promotion of Imports from Developing Countries CBI, die bereits heute als gefragte Schnittstelle zwischen der Nachfrage europäischer Importeure und Produzenten in ausgewählten Schwellen- und Entwicklungsländern fungieren. Das deutsche Importförderungsprogramm etwa unterhält aktuell Kooperationsvereinbarungen mit Partnerinstitutionen in acht Ländern und vermittelt Kontakte zu ausgewählten und geprüften Lieferanten für frisches Obst und Gemüse, Schnittblumen, natürliche Zutaten für Lebensmittel, Pharmazie und Kosmetik sowie technisches Holz.


[handels]zone
Importinformation: Chancen durch internationale Beschaffung, Veranstaltung am 23. November um 18.00 Uhr im Handelsverband.

Auch der Import Information Hub Austria möchte sich als solche Schnittstelle etablieren und bindet dafür in einem ersten Schritt die Mitgliedsunternehmen des Handelsverbands in Arbeitskreisen in das Projekt ein. Doch um den Bedarf der heimischen Wirtschaft auszuloten, sind zudem spezielle Austauschformate für alle interessierten importierenden Unternehmen geplant. Der Import Information Hub Austria wird am 23. November erstmals umfassend vorgestellt – in Anwesenheit von Vertretern des Außenministeriums, der ADA, des deutschen Importförderungsprogramms sowie des Handelsverbands.

© corporAID Magazin Nr. 66
Redaktion: Melanie Pölzinger
Fotos: Handelsverband, Sohadiszno/iStock, mediendienst.com_Foto Wilke

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