Leitartikel

Von gestern

11/2016 - von Christoph Eder


Christoph Eder
Chefredakteur

Am diesjährigen CSR-Tag überraschte Staatssekretär Harald Mahrer, im Wirtschaftsministerium unter anderem für die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen zuständig, mit einem Eingeständnis: Einen Nationalen Aktionsplan zu Corporate Social Responsibility, mit dem die allermeisten europäischen Staaten analog zur EU-Strategie ein ganzheitliches CSR-Agieren fördern wollen, wird es in Österreich nicht geben. Der Plan sei tot, sagte Mahrer, Österreich bleibe also weiter planlos – nun seien die Unternehmen gefordert, selbst voranzugehen.

Jetzt ist es natürlich nicht so, dass der österreichischen Wirtschaft zum Thema Nachhaltigkeit und Verantwortung nichts einfallen würde. Ganz im Gegenteil. Am selben CSR-Tag wurde eine neue Vision zu verantwortungsvollem unternehmerischem Handeln präsentiert, die in den vergangenen Monaten von der Plattform Respact gemeinsam mit Unternehmen ausgearbeitet worden war. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass in einer sozialen Marktwirtschaft wie der österreichischen dem Staat sehr wohl auch beim Thema CSR eine ordnungspolitische Rolle zukommt, die Unternehmen selbst nicht einnehmen können – und es auch gar nicht sollen. Dazu gehört nicht zuletzt, einen strategischen Handlungsrahmen zu CSR und Nachhaltigkeit zu erarbeiten und diesen gezielt als Instrument für sozialen Zusammenhalt, globalen Beitrag sowie Innovation und Wettbewerbsfähigkeit einzusetzen.

Es ist daher schade, dass nach Jahren des Diskutierens nun eingestanden wird, dass das nichts mehr werden wird mit einer Position der Regierung zu einem Thema, das noch dazu aktuell durch die Globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung weiter an Bedeutung gewonnen hat und das auch in Zukunft wird. In der Sache liegt das auch daran, dass CSR für heimische Politiker und deren übliches Rollenverständnis strukturell ein schwieriges Thema ist – eine moderne Politik würde Rahmenbedingungen schaffen und nicht selbst Lösungen anbieten und Anreize setzen statt Verbote zu erlassen und Subventionen zu verteilen. Handeln würden dann andere – und zwar ohne vorher um Erlaubnis fragen und hinterher dankbar sein zu müssen.

Im Bordwerkzeug der österreichischen Politik fehlen für ein solches Selbstverständnis die passenden Tools. Wenn auch noch die Sozialpartner nicht für einen gemeinsamen Erfolg, sondern für den Applaus der eigenen Hardcore-Klientel in den Ring steigen – geht tatsächlich nichts mehr. Wirklich dem Thema widmen sich dann nur die Schmalspurideologen auf allen Seiten. Dabei sollte doch klar sein: Wem zu Zukunftsthemen wie unternehmerische Verantwortung und Nachhaltigkeit und zur Frage, wie Österreich dazu steht und was es betragen möchte und kann, nicht mehr einfällt als Klassenkampf auf Amateurliga-Niveau, ist nicht zukunftsorientiert, sondern einfach nur von gestern.

© corporAID Magazin Nr. 66

 

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