Interview

Investieren in Mehrwertziele weltweit

11/2016 - CEO Rochus Mommartz über die Herausforderungen und Erfolge seines ausschließlich in Entwicklungsländern tätigen Investmenthauses responsAbility.


Rochus Mommartz ist seit rund zehn Jahren für responsAbility tätig, seit einem Jahr als CEO.

corporAID: : Sie sind seit mehr als zehn Jahren bei responsAbility: Was waren in dieser Zeit die größten Erfolge?

Mommartz: Ich möchte drei Meilensteine hervorheben: Wir haben im Finanz-, Energie- und Landwirtschaftssektor Anlageprodukte etabliert, die in bestimmten Märkten zum Retail für Privatanleger zugelassen sind. Bei Entwicklungsinvestitionen ist das ein Erfolg. Zweitens haben wir systematisch Niederlassungen in Entwicklungs- und Transformationsländern aufgebaut. Lokale Präsenz mit Fachpersonal von Lima bis Hongkong ist historisch, für die Zukunft aber auch sehr wichtig. Der dritte Aspekt ist die Zulassung als Asset Management Unternehmen in der Schweiz und in Luxemburg. Das ist wichtig, damit unsere Tätigkeit in Nischenmärkten in Zukunft ein ganz normaler Teil des Vermögensverwaltungsgeschäfts wird.

Aus welchen Misserfolgen hat responsAbility am meisten gelernt?

Mommartz: Natürlich lernen wir bei unseren Investments permanent dazu. Auf struktureller und strategischer Ebene halten wir aber an bewährten Konzepten fest. Damit kennzeichnet uns starke Konsistenz und Nachhaltigkeit. Kleinere Anpassungen gab es aber in der Ausrichtung unseres Hauses. Vor ein paar Jahren wollten wir auch auf die Sektoren Gesundheit und Ausbildung setzen, mussten aber erkennen, dass es hier noch zu wenige direkte Investitionsmöglichkeiten gibt. Deswegen fokussieren wir heute auf die drei Bereiche Landwirtschaft, Energie und Finanz.

Was sind die wichtigsten Ergebnisse 2016?

Mommartz: 2016 ist für uns ein wichtiges Jahr, weil wir die Diversifizierung in diesen drei Bereichen weiter vorangetrieben haben. Heute sind 75 bis 80 Prozent unserer Assets im Finanzsektor alloziert. In Zukunft wollen wir verstärkt in Landwirtschaft und Energie investieren. Ein Meilenstein war, dass wir heuer von der niederländischen Entwicklungsbank FMO ein Portfolio mit signifikantem Volumen übernommen haben. Der Hintergrund dieser Übernahme ist, dass es aufgrund der regulatorischen Veränderung für diese öffentliche Institution schwierig war, dieses Portfolio zu behalten.

Wo liegt der wesentliche Unterschied zwischen Entwicklungsinvestitionen und klassischen Investitionen?

Mommartz: Eigentlich gibt es mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede. Zudem müssen wir klar zwischen Private Equity und Fixed Income unterscheiden: Wenn wir etwa in Afrika im Bereich Energieeffizienz Kreditfinanzierungen vornehmen, sehen wir uns einer Konkurrenz gegenüber, die nicht selten mit vom öffentlichen Sektor subventionierten Zinssätzen operiert. Deshalb sind die Renditen für die Risiken, die wir eingehen, zuweilen zu niedrig. Im Großen und Ganzen wollen wir aber langfristig konkurrenzfähig sein.

Übernimmt responsAbility als Investor eine aktive Rolle?

Mommartz: Wenn wir Kreditgeber sind, übernehmen wir im Normalfall keine aktive Rolle. Eine Ausnahme ist der Bereich Energieeffizienz, bei dem wir unseren Partnern mit Beratungsleistungen zur Seite stehen. Wenn wir uns an einem Unternehmen beteiligen, sind wir immer aktiv involviert. Erstens bringen wir uns in Gremien wie Aufsichtsräten bei strategischen Fragen ein. Zweitens vernetzen wir das Unternehmen mit anderen Firmen. Konkret bedeutet das: Ein Management-Team aus Kenia fliegt zu einem vergleichbaren Unternehmen nach Indien oder Osteuropa, um sich anzusehen, wie dort ähnliche Herausforderungen bewältigt werden. Der dritte Punkt ist, dass wir Schwachpunkte identifizieren und Consulting anbieten.

Wenn man sich die Verteilung Ihrer Investitionen ansieht, fällt auf, dass Subsahara-Afrika zurückliegt.

Mommartz: Auch wenn wir es uns anders wünschen, glaube ich nicht, dass Afrika im Jahr 2020 unser größtes Betätigungsfeld sein wird. In Asien sehen wir eine sehr dynamische Entwicklung und auch Lateinamerika wird sich langfristig dynamisch entwickeln. Afrika hat enormes Potenzial, das aufgrund politischer Instabilität und fehlender institutioneller Kapazitäten allerdings sehr schwierig zu nutzen ist. Wir brauchen am Markt etablierte Unternehmen, die bereits ein nachhaltiges Geschäftsmodell haben. Das Afrika-Portfolio sollte trotzdem auf einen Anteil von 20 Prozent wachsen können.

Ihre Investitionen sind in knapp 100 Länder gestreut, wobei sich der Großteil auf wenige Länder konzentriert. Wie schaffen Sie es, in den restlichen Ländern potenzielle Investitionsziele zu identifizieren?

Mommartz: Wir sind in unserem Feld weltweit der am stärksten diversifizierte Anbieter. Trotzdem gibt es eine Konzentration, was oft mit günstigen Rahmenbedingungen für Investitionen zu tun hat. In den anderen Ländern ist es wichtig, einen Anfang zu machen. In Pakistan beispielsweise haben wir derzeit nur zwei Investments. Über die nächsten zehn Jahre sehen wir aber eine bedeutende Wachstumsperspektive. Für uns ist das eine Investition in die Zukunft.

In Ihrer Jahrespublikation liest man von „Technologie als Erfolgsfaktor“. Wie risikofreudig ist responsAbility in der Wahl zwischen hochinnovativen und bewährten Modellen?

Mommartz: Wir sind kein Venture Capital-Investor. Wir investieren nur in bewährte Geschäftsmodelle. Nichtsdestotrotz kann man an den technologischen Entwicklungen nicht vorbei schauen. Viele unserer Kunden beschäftigen sich mit technologischen Innovationen. Im Bereich Fintech haben wir zwar bisher kein Investment vorgenommen, wir haben aber einen Mitarbeiter, der sich intensiv damit beschäftigt. Wir würden in ein Fintech-Unternehmen investieren, wenn wir vom Konzept und der Umsetzbarkeit überzeugt sind. Unser Kerngeschäft bleiben aber die bewährten Konzepte.

Vielen Dank für das Gespräch!

© corporAID Magazin Nr. 66
Das Gespräch führte Clemens Coudenhove-Kalergi

 

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