Die Entwickler

Wohlstandsturbo

11/2016 - Investieren mit Sinn: Seit mehr als zehn Jahren finanziert der Schweizer Asset Manager responsAbility nachhaltig wirtschaftende Unternehmen in Entwicklungsländern. Neben dem Hauptbetätigungsfeld Banken will sich responsAbility mittelfristig verstärkt auf die entwicklungsrelevanten Sektoren Land- und Energiewirtschaft konzentrieren.

Zum Thema:

Interview mit Rochus Mommartz, CEO responsAbility

Nichts ist stärker als hunderte Millionen Menschen, die voran kommen wollen“, lautet das für die Mitarbeiter von responsAbility wahrscheinlich wichtigste Zitat des Unternehmensgründers Klaus Tischhauser. Das in Zürich beheimatete Asset Management Unternehmen hat sich seit seinem Start im Jahr 2003 an ein Ziel gehalten: Entwicklung und Wohlstand in Schwellen- und Entwicklungsländern voranzutreiben und dabei eine Rendite für Investoren zu erzielen. Anders formuliert: Verantwortungsvolle Investoren mit Unternehmen zusammenzubringen, die die Fähigkeit haben, zur Entwicklung eines Landes beizutragen. Was auch im Firmennamen mit der eigenwilligen Schreibweise (dem großgeschriebenen A) zum Ausdruck kommen soll. In mittlerweile 96 Ländern ist responsAbility heute präsent und investiert dort ausschließlich in entwicklungsrelevante Sektoren.

Gesucht: nachhaltige Modelle Rochus Mommartz ist seit der Gründung des Investmenthauses an Bord, seit knapp einem Jahr lenkt er es als CEO. Bei der Identifikation der Investitionsziele gebe es klare Kriterien: ausschließlich Entwicklungs- und Schwellenländer sowie entwicklungsrelevante Sektoren, die da sind: Finanz-, Energie- und Landwirtschaft. „Wir suchen etwa in der Landwirtschaft nach nachhaltigen Geschäftsmodellen und Unternehmen. In Indien zum Beispiel gibt es eine Fülle von Unternehmen, deren Angebote auch Menschen mit niedrigem Einkommen zugute kommen. Diese Unternehmen schaffen nicht nur Arbeitsplätze, sondern leisten auch einen Beitrag zur Entwicklung einer Wertschöpfungskette im Land. Genau solche Unternehmen suchen wir“, betont Mommartz.

Ein idealtypisches Investmentziel ist Sresta Natural Bioproducts aus Indien. Der Agraringenieur Rajashekar Reddy Seelam wollte nach jahrelanger Tätigkeit im Vertrieb von Pestiziden ein Unternehmen aufbauen, das nicht nur Bioprodukte verkauft, sondern auch „Bauern ein nachhaltiges Auskommen und Konsumenten eine nachhaltige Lebensweise ermöglicht.“ 2004 gründete er Sresta. Heute wird Sresta von rund 20.000 Bauern in 15 indischen Bundesstaaten mit Agrarprodukten beliefert, wobei pro 100 Produzenten ein Sresta-Agroingenieur bei der Umstellung auf Biolandbau berät und bei der Beantragung der Biozertifizierung hilft. Der Vorteil für die Bauern: keine Zwischenhändler mehr, die den Preis drücken, und weniger Verschuldungsgefahr – Stichwort teure Kunstdünger und Pestizide. Laut responsAbility, seit 2011 Sresta-Geldgeber, investiert Sresta massiv in Aufklärungsarbeit bei Konsumenten und in den Vertrieb, mehr als die Hälfte des Umsatzes wird heute über Exporte in die USA und nach Europa erzielt. Rajashekar Reddy Seelam zufolge sei es in Indien aber ziemlich schwierig, für diese Art von Tätigkeit Kredite zu bekommen. Denn um wachsen zu können, benötigt Sresta Betriebskapital, um die Zeitspanne zwischen dem Aufkaufen der Ernte und dem Weiterverkauf zu finanzieren. Und dieses Wachstum kann sich mehr als sehen lassen: rund 65 Prozent pro Jahr.

Abgleich von Standards Wie aber kann responsAbility – im oben beschriebenen Idealfall – einen Wachstumsturbo auslösen? Wie Due Diligence im Vorfeld verifizieren? Mommartz: „Bevor wir investieren, müssen unsere Mitarbeiter vor Ort evaluieren, ob die bestehenden Systeme unseren Standards entsprechen und ob es dort Institutionen und Mechanismen gibt, die sicherstellen, dass diese Standards auch in Zukunft eingehalten werden.“ Ist dies nicht der Fall, versucht responsAbility Korrekturen vorzunehmen. Dass Mommartz dabei an den Finanzsektor denkt, kommt nicht von ungefähr: Zwischen 75 und 80 Prozent der von responsAbility veranlagten Summen betreffen Banken.

Zentrale Bedingung bei Investitionen in diesem Sektor sei, dass eine Finanzinstitution die Informationen der Filiale vor Ort nutzt, um das Kreditrisiko für Kunden sauber zu managen. Ebenso wichtig ist Transparenz. „Wir müssen die Intentionen unserer Kunden verstehen und uns vergewissern, dass diese nachhaltig wirtschaften“, betont Mommartz. Mindestens einmal im Jahr besuchen responsAbility-Mitarbeiter die Kunden nach Kreditvergabe oder dem Einstieg in eine Bank, um sicherzustellen, dass ihre Geschäftspraxis tatsächlich dem entspricht, was ursprünglich vereinbart wurde. Deshalb seien die vertraglichen Abkommen für beide Seiten wichtig.

Energie in der Steppe Paradebeispiel für eine sinnvolle Investition in den Energiesektor liefert die Mongolei. Hintergrund: Im Jahr 2000 startete die mongolische Regierung ein Elektrifizierungsprogramm, das bei den Nomaden zu einer Versorgungsrate von mehr als 70 Prozent geführt hat. Dank mobiler Solargeräte erleichtern Melkmaschinen oder Tiefkühltruhen das Leben in der Steppe. Heute vertreiben Händler Solaranlagen, Akkus und energieeffiziente Geräte im Kombipack und finanzieren ihre Importe mit Energiekrediten der mongolischen Xac-Bank, die mit mehr als 80 Filialen und 500.000 Kunden die viertgrößte mongolische Geschäftsbank ist und sich dem Dreifachziel „Menschen, Umwelt und Profit“ verschrieben hat. Seit 2007 beitet die Xac-Bank Umweltkredite an und gründete 2009 die erste Ökoabteilung für diesen Bereich in Asien. 50 Firmen, darunter Händler und Bauunternehmen, die Gebäude isolieren und dadurch energieeffizienter machen, profitieren mittlerweile von diesen Krediten. Bestseller im Angebot sind die 2015 lancierten Hybridfahrzeugkredite, die den Menschen einen Anreiz bieten, ihre Autos gegen umweltfreundlichere Fahrzeuge zu ersetzen – auch von Regierungsseite ein zentrales Ziel, um die Luftqualität in den Städten zu verbessern.

Energie und LandwirtschaftDie mongolische Xac Bank ermöglicht Bauern umweltfreundliche Stromversorgung. Rechts: Sresta Natural Bioproducts aus Indien verzeichnet starkes Wachstum bei biologisch produzierten Lebensmitteln.

Diversifikation und langer Atem Laut Rochus Mommartz ist das mittelfristige Ziel für den Schweizer Asset Manager klar: Die Diversifizierung des Portfolios weiter vorantreiben beziehungsweise den nach wie vor dominanten Anteil der verwalteten Assets im Finanzsektor zugunsten von Land- und Energiewirtschaft zu senken. Mommartz unterstreicht auch den Trend zu längeren Kreditlaufzeiten. „Im rein kommerziellen Private-Equity-Segment werden heute immer langfristigere Vehikel aufgesetzt. Diese Produkte, die eine Laufzeit von mehr als zehn Jahren haben, liegen typischerweise bei zehn bis zwölf Prozent Renditeerwartung für den Investor. Das entspricht auch unseren Renditeerwartungen bei Investments mit einer Laufzeit von bis zu zwölf Jahren. Einen langen Atem müssen schließlich auch die Millionen Menschen beweisen, die voran kommen wollen.“


‚Perspektiven‘
Die Jahrespublikation gibt Einblick in die Arbeit von responsAbility.

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AUF EINEN BLICK

Investmenthaus mit besonderer Note

Mit diversen Finanzierungslösungen leistet responsAbility einen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung in 96 Ländern.

Die responsAbility Investments AG verwaltet ein Vermögen von 3,2 Mrd. Dollar, das in 550 Unternehmen in 96 Ländern investiert ist. Knapp 250 Mitarbeiter arbeiten für das Schweizer Asset Management Unternehmen, das sich seit 2003 auf Investitionen in Schwellen- und Entwicklungsländern im Finanz-, Agrar- und Energiesektor spezialisiert hat und dort Unternehmen finanziert, die einen Beitrag zur Entwicklung des jeweiligen Landes leisten. responsAbility verfügt neben dem Hauptsitz in Zürich über lokale Büros in Bangkok, Genf, Hongkong, Lima, Luxemburg, Mumbai, Nairobi, Oslo und Paris und untersteht der Aufsicht der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht.

@ corporAID Magazin Nr. 66
Text: Clemens Coudenhove-Kalergi
Fotos: responsAbility

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