Interview

Wo bleibt die Politik?

04/2016 - respACT Vorstandsmitglied Werner Wutscher über die neue respACT Vision für nachhaltiges Wirtschaften, das Versagen der Politik und die Notwendigkeit einer neuen Perspektive auf Unternehmen.


Werner Wutscher
respACT Vorstand

corporAID: Warum war es gerade jetzt Zeit für eine neue Vision?

Wutscher: Das CSR-Leitbild „Erfolg mit Verantwortung“ ist nun schon einige Jahre alt. Zwischenzeitlich hat sich das Umfeld aber dramatisch verändert. Auf europäischer Ebene etwa im Bereich Offenlegung der sozialen und ökologischen Performance, nicht zuletzt durch die Umsetzung der Richtlinie zur nicht-finanziellen Berichterstattung von Unternehmen, ein aktuelles Thema sind aber auch die globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung SDG. Angesichts dieser Entwicklungen war es notwendig, mit und für die Mitgliedsunternehmen eine klare Standortbestimmung vorzunehmen.

Welche Bedeutung messen Sie den SDG bei?

Wutscher: Die SDG wurden auf der allerhöchsten politischen Ebene, nämlich von den Vereinten Nationen, beschlossen. Für Unternehmen ist mittel- und langfristige Planungssicherheit wichtig. Mit den SDG gibt es einen Rahmen, der weltweit gilt und damit für Unternehmen eine gute Richtschnur darstellt, an der sich alle orientieren können. Daher erwarte ich mir viel Schwung in dem Bereich. Und ich habe den Eindruck, dass die Unternehmen diesen Rahmen sehr gut aufgreifen können und das auch tun.

Wie beurteilen Sie den CSR-Rahmen in Österreich?

Wutscher: Ich erwarte mir, dass wir den österreichischen Rahmen durch die internationale Diskussion gerade zu den SDG neu beleben können. Denn es gibt hier eine Diskrepanz zwischen der Bereitschaft von Unternehmen, etwas zu tun, und den politischen Rahmenbedingungen. Es ist ja kein Geheimnis, dass es keinen nationalen Aktionsplan gibt und dass auch die Bemühungen seitens der Regierung zu den SDG eher zurückhaltend sind. Ich sehe das nicht nur als Kritikpunkt, sondern auch als Aufforderung, den Ball aufzugreifen und entsprechende Schritte zu setzen.

Was kann die CSR-Vision beitragen?

Wutscher: In Zeiten großer Unsicherheit und der Abkehr von traditionellen Geschäftsmodellen ist doch die Schlüsselfrage, wie wir mit diesen Veränderungen umgehen. Gerade in solch turbulenten Zeiten ist es wichtig, Orientierung zu geben. Unsere Aufgabe ist nicht, politische Rahmenbedingungen zu ersetzen, sondern einen Werterahmen zu definieren und klar zu machen, dass verantwortliches Handeln angesichts der Entwicklungen immer wichtiger wird. Wir haben versucht, die Unternehmen in diesen Diskussionsprozess weitgehend einzubinden. Und eines hat sich klar gezeigt: Neben unseren institutionellen Partnern waren es die Unternehmen, die den Prozess am stärksten vorangetrieben haben.

Was sollte sich auf politischer Ebene tun?

Wutscher: Nachhaltigkeit ist ein Standortfaktor. Unternehmen müssen spüren, dass sie mittel- und langfristig profitieren, wenn sie sich nachhaltig ausrichten. Erfolgreiche Unternehmen sind die Basis unseres Wohlstands, und unternehmerisches Handeln leistet einen Beitrag zur innovativen Lösung gesellschaftspolitischer Probleme. Das geht aber nur dann, wenn Firmen auch den entsprechenden Freiraum haben. In Österreich könnte man glauben, dass Unternehmen zwei andere Funktionen haben: Sie zahlen kräftig Steuern und sie sind Normadressaten, die reguliert werden. Wir müssen aus diesem Diskurs „böse Wirtschaft“ und „gute Zivilgesellschaft“ herauskommen und erkennen, dass die Zukunft im „guten Unternehmen“ liegt.

Wie optimistisch sind Sie?

Wutscher: Wir sind zum Erfolg verdammt. Dazu entwickelt sich respACT stückweise weiter, unterstützt Unternehmen konkret mit Instrumenten und leistet praktische Hilfestellung. Wir holen Unternehmen vor den Vorhang und mobilisieren weitere wichtige Akteure. Wir bieten den Dialog an und fordern ihn gleichzeitig konsequent ein. Die Vision ist ein Meilenstein, um das Thema Nachhaltigkeit positiv weiterzuentwickeln. Ich bin optimistisch, dass uns das gelingt!

Vielen Dank für das Gespräch!

© corporAID Magazin Nr. 66
Foto: Mihai M. Mitrea
Das Interview führte Sophie Langer-Hansel.

 

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