Leitartikel

Soziale Märkte

08/2016 - von Christoph Eder


Christoph Eder
Chefredakteur

In den vergangenen Wochen wurde in Österreich ein weiterer Anlauf unternommen, bei der Bewältigung sozialer Probleme auf neue und innovative Möglichkeiten zu setzen. Mit einem Social Business Call der Förderbank AWS sollen heimische Sozialunternehmer unterstützt werden. Angesprochen ist jeder, der soziale Wirkung als Organisationsziel verfolgt und auch Gewinne mehrheitlich dafür einsetzt. So wichtig es ist, dass diese Themen auch in Österreich ankommen, steht die Gefahr des Missverständnisses im Raum.

Das war schon beim Thema Mikrokredit so. Seit dem internationalen Hype um die kleinen Finanzierungen bietet auch das österreichische Sozialministerium Mikrokredite an, um Menschen den Schritt in die Selbstständigkeit zu erleichtern. Nur: In Entwicklungsländern adressieren Mikrokredite ein Systemversagen des Finanzsektors, dort ignorieren Banken arme Menschen als Kunden. In Österreich ist das nicht der Fall. Die eigentlichen Probleme, nämlich dass Unternehmertum hierzulande im Allgemeinen eher behindert als befördert und im Zweifel nicht angemessen wertgeschätzt wird, thematisiert der rotweißrote Mikrokredit nicht. Für das Problem, dass wir bei Venture Capital und Start-up-Finanzierungen im internationalen Vergleich hinterher hinken, hat ein solcher auch keine Lösungskompetenz.

Was bleibt, ist der kurze Moment, in dem sich ein Politiker mit einem grundsätzlich innovativen Thema ins Rampenlicht gestellt hat. Und die vertane Chance, weil sich dank erfolgreichem So-tun-als-ob in der Praxis an den relevanten Herausforderungen nichts ändert.

Den Sozialunternehmen könnte es ähnlich ergehen. Das beginnt schon mit dem Zugang, Subventionen zu verteilen. So wird zwar die österreichische Fördermentalität bedient, dem Konzept des Sozialunternehmens wird man aber nicht gerecht. Damit Sozialunternehmen funktionieren, müssen Märkte für gesellschaftlich gewünschte Leistungen geschaffen und im Erfolgsfall entsprechende Entgelte bezahlt werden. Wenn der Staat auf den effizientesten Anbieter zurückgreift und Qualität und Inklusivität sicherstellt, werden alle davon profitieren.

Notwendig ist dafür weniger eine Diskussion darüber, ob und wie unsere Gesellschaft an sich öffentliche Aufgaben von Privaten erfüllen lassen will. Denn das passiert faktisch ohnehin, beziehen doch die meisten gemeinnützigen Organisationen den Großteil ihrer Einnahmen aus Förderungen von Bund, Ländern und Gemeinden. Die entscheidende Frage lautet vielmehr, ob wir kompetitive Märkte für soziale Leistungen einem überschaubar transparenten Förderdschungel vorziehen. Wer in Österreich zukünftig verstärkt auf Sozialunternehmen setzen möchte, muss zuerst einmal das klar beantworten.

© corporAID Magazin Nr. 65

 

Kommentare

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