3er Gespräch

Rendite sucht Nachhaltigkeit

06/2016 - Anleger suchen immer öfter sowohl soziale als auch finanzielle Renditen. Wie öffentliche und private Investments in Entwicklungsländern zusammenspielen, diskutieren Simon Gupta, responsAbility Investments, Michael Wancata, Oesterreichische Entwicklungsbank, und Günther Kastner, C-Quadrat Asset Management.

Die Diskutanten Michael Wancata, Simon Gupta, Günther Kastner (v.l.n.r.)

corporAID: Warum legen Investoren ihr Geld nachhaltig oder ethisch an?

„Man will kein Geld verlieren, denkt sich aber zugleich, dass man in etwas investieren möchte, das Sinn macht.“

Simon Gupta
responsAbility

Guptka: Bei responsAbility unterscheiden wir zwischen zwei Motivationsarten bei Investoren, denen wir Farben zugeordnet haben: Die roten Anleger investieren aus sozialen, die blauen aus finanziellen Gründen. Ganz eindeutig lassen sich die meisten Investoren in der Praxis aber natürlich nicht einer einzelnen Farbe zuordnen, rund zwei Drittel gehören beiden Gruppen an: Bei den meisten institutionellen Investoren geht es ganz ausdrücklich darum, sowohl Renditeüberlegungen als auch Nachhaltigkeitsziele im Portfolio abzubilden. Aber auch bei unseren rund 20.000 Privatinvestoren haben viele ihre Investitionsentscheidung aus einer gemischten Motivationslage getroffen: Man will kein Geld verlieren, denkt sich aber zugleich, dass man in etwas investieren möchte, das Sinn macht. Global betrachtet sehen wir, dass in Europa und in den USA Nachhaltigkeitsaspekte eine immer stärkere Rolle spielen, während in Lateinamerika und Asien bislang weiterhin die Rendite allein entscheidend ist.

Kastner: Kastner: Bei C-Quadrat investieren wir nicht nur in Mikrofinanz-Fonds, sondern auch in klassische Emerging Markets-Anlagefonds. Das Interesse an letzteren ist in den vergangenen Jahren angesichts der fallenden Rohstoffpreise und des vergleichsweise niedrigen Wirtschaftswachstums in vielen Schwellenländern stark zurückgegangen, während das Interesse an Mikrofinanzfonds zugenommen hat. Der Vergleich dieser beiden Anlageprodukte zeigt, dass die Förderung von Entwicklung in ärmeren Ländern für viele Kunden ein Thema ist. Das betrifft insbesondere solche Kunden, die Gelder von Stiftungen verwalten, die nachhaltige Investments wünschen. Wir haben aber auch viele Privatkunden, die das Thema Mikrofinanz seit vielen Jahren verfolgen und Kleinunternehmer in Entwicklungsländern fördern möchten. Gleichzeitig ist es so, dass Sparbücher hierzulande praktisch keine Zinsen mehr abwerfen – und da sind Produkte, die zwei bis drei Prozent effektive Rendite liefern können, natürlich auch finanziell attraktiv. Wir kommunizieren aber selbstverständlich auch immer, dass Mikrofinanz kein Thema für einen kurzfristigen Anlagehorizont ist. Wir tun das nicht zuletzt, um selbst besser in der Lage zu sein, hier Finanzierungen wirklich langfristig zur Verfügung zu stellen. Am Ende fällt es aber schwer zu unterscheiden, ob unsere Kunden jetzt aus sozialen oder aus wirtschaftlichen Überlegungen in Mikrofinanz investieren.

„Unsere Aufgabe ist es als Finanzierungs-partner darauf zu schauen, dass die Projekte auch für die Entwicklung der Länder sinnvoll sind.“

Michael Wancata
OeEB

Wancata: Die Oesterreichische Entwicklungsbank ist kein Investor, der vordergründig eine finanzielle Rendite sucht. Wir haben ein Mandat der Republik Österreich, vertreten durch das Finanzministerium und das Außenministerium, und dieses Mandat ist an die Finanzierung des privaten Sektors gebunden. Wir bieten langfristige Kredite für Investitionen an und beteiligen uns an Unternehmen in Entwicklungs- und Schwellenländern. Unsere Partner sind Unternehmen, und die haben natürlich sehr unterschiedliche Motive für ihre Investitionen in Entwicklungsländern. Die einen sehen eine Möglichkeit, ihre Kunden zu begleiten, wie das beispielsweise in der Automobil- oder in der IT-Industrie der Fall ist, andere hingegen suchen Zugang zu neuen Märkten und eine Verlängerung der eigenen Wertschöpfungskette. Letztlich gehen Unternehmen in Entwicklungsländer, weil sie dort eine Geschäftschance sehen. Unsere Aufgabe ist es als Finanzierungspartner darauf zu schauen, dass die Projekte auch für die Entwicklung der Länder sinnvoll sind.

Wie bewegen Sie die Investoren?

Gupta: Gupta: Unser größter Mikrofinanzfonds verwaltet heute über eine Milliarde Dollar. Er wurde vor 13 Jahren unter anderem mit der Schweizer Regierung mit dem Ziel gegründet, weltweit mehr Privatkapital in den Mikrofinanzsektor zu investieren. Heute gibt es in diesem Fonds keine öffentlichen Investoren mehr, sondern nur noch Geld von Privatinvestoren. Das ist im Prinzip die Genese all unserer Fonds: Wir setzen mit der Unterstützung von Ministerien und Entwicklungsbanken ein Produkt auf, das auf einen konkreten Finanzierungsbedarf in Schwellen- und Entwicklungsländern abstellt. Nach Erreichen einer adäquaten Marktreife offerieren wir es dann Privatinvestoren. Auf dieser Basis können sich die Entwicklungsbanken mit der Zeit aus ihrem Investment zurückziehen, ohne dass die Finanzierungskraft des Fonds verloren geht. Wichtig ist, den richtigen Zeitpunkt abzuwarten, um Privatinvestoren aufzunehmen. Da muss neben dem Anlagethema auch die Risikostruktur stimmen.

Wancata: Ich sehe gerade im Aufbau von Investmentfonds eine wichtige Rolle von Entwicklungsbanken. Wir haben vergangenes Jahr zum Beispiel in einen Fonds investiert, der in Subsahara-Afrika Erneuerbare Energie-Projekte finanziert. Da geht es nicht nur um den finanziellen Beitrag, der mit acht Millionen Dollar für uns substantiell, aber bei einem Gesamtvolumen von rund 200 Millionen überschaubar ist. Wir Entwicklungsbanken achten auch darauf, dass die Richtlinien, nach denen der Fonds arbeitet, internationale Standards erfüllen. Wir prüfen die Projekte, in die der Fonds investiert, nach sozialen und ökologischen Standards. Zudem verankern wir angemessene Wirtschaftlichkeitskriterien. Damit schaffen wir insgesamt die Voraussetzungen, dass mit der Zeit tatsächlich private Investoren nachziehen. Dieses Zusammenspiel von öffentlicher und privater Finanzierung ist für den Erfolg der Entwicklungsfinanzierung entscheidend.

Kastner: Ich stimme Ihnen grundsätzlich zu, dass dieses Zusammenspiel wichtig ist. Allerdings ist die Rollenverteilung zwischen öffentlichen und privaten Investoren in der Theorie leichter zu benennen als in der Praxis. Da ziehen sich nämlich die Entwicklungsbanken oft gar nicht so schnell zurück wie sie vielleicht sollten. Investoren wie C-Quadrat müssen dann Nischen finden. Zu Ihrer Frage: Gerade für Kunden, denen die soziale Wirkung ihrer Investments wichtig ist, muss man darstellen können, wo das Geld am Ende wirklich landet. Es sind vor allem die größeren Family Offices und Stiftungen, die nachfragen, ob wir tatsächlich ärmeren Menschen Zugang zu Finanzdienstleistungen bieten, wie es ja das große Versprechen der Mikrofinanz ist. Unser Fonds ist sehr breit aufgestellt, wir sind in vielen Ländern und dort jeweils meist in mehreren Mikrofinanzinstituten investiert. Es bedeutet für uns viel Aufwand darzustellen, dass wir mit den richtigen Partnern arbeiten, dass die Mikrofinanzinstitute, in die wir investieren, ordentlich aufgesetzt sind, vernünftig wachsen und bei der Kreditvergabe die richtigen Kunden im Blick haben. Vor zehn Jahren war das noch nicht so. Weder konnten wir den Social Impact in dieser Form darstellen, noch hatten unsere Investoren das Know-how, um unsere Performance in diesem Bereich zu überprüfen und auch einzufordern. Da haben Institutionen wie die Weltbank viel beim Aufbau und bei der Verbreitung von Expertise geleistet. Letztlich profitieren wir davon, dass unsere Kunden immer mehr von Mikrofinanz verstehen.

Kann man beides versprechen – Rendite erzielen und Gutes tun?

Guptka: Wichtig ist eine umfassende und transparente Kommunikation. Es ist gut, dass Kunden und Investoren heute viel mehr über Mikrofinanz wissen als vor zehn Jahren. Hier sehen wir auch unsere Aufgabe, dieses Wissen weiter zu vertiefen. Denn je besser jemand die Situation von Geschäftsleuten und die Wirkung bedarfsgerechter Finanzdienstleistungen in Entwicklungsländern versteht, desto mehr kann er etwas mit einer nachhaltigen Anlagephilosophie und unseren Anlagelösungen anfangen.

Wancata: Wir sind in unserer Arbeit den Zielen der Entwicklungszusammenarbeit verpflichtet. Ich denke, wir müssen dieses viel zitierte Win-Win, das eine funktionierende Entwicklungszusammenarbeit hervorbringt, im allgemeinen Bewusstsein noch viel stärker verankern. Egal, aus welchen Motiven wir uns in der Entwicklungszusammenarbeit engagieren: Wir verbessern die Lebenssituation der Menschen in Schwellen- und Entwicklungsländern vor allem dadurch, dass wir sie dabei unterstützen, eine lebendige Wirtschaft aufzubauen, die Arbeitsplätze schafft. Wenn das gelingt, haben alle etwas davon. Da können wir auch an die aktuelle Flüchtlingswelle denken. Ebenso kommt es unseren heimischen Unternehmen zugute, wenn neue Märkte entstehen.

Kastner: Grundsätzlich muss man immer dazu sagen, dass auch ein Investment in Mikrofinanz mit Risiko verbunden ist. Wir geben daher auch keine Garantien, weder auf die finanzielle noch auf die soziale Rendite. Ich sehe aber, dass Nachhaltigkeit wie in allen anderen Bereichen auch im Finanzgeschäft immer stärker zur Selbstverständlichkeit wird, und die Menschen daher die soziale und die finanzielle Rendite immer besser zusammendenken können. Wir haben in Österreich die Herausforderung, dass die Finanzmarktaufsicht privaten Investoren diese gesamthafte Perspektive nicht zumutet und wir daher unseren Mikrofinanzfonds de facto nur institutionellen Investoren anbieten können. Wir sind immer wieder mit der Finanzmarktaufsicht im Gespräch dazu, sie finden Mikrofinanzprodukte auch gut, aber offensichtlich nur für den Staat, nicht für private Investoren.

Was sehen Sie für Investment-Trends neben der Mikrofinanz?

Wancata: Das Potenzial der Mikrofinanz ist bei weitem noch nicht ausgeschöpft, weil es neben den klassischen Mikrokrediten auch immer mehr andere Leistungen gibt. Neben der Mikrofinanz entwickeln sich aktuell die Themen Green Energy und Klimafinanzierung, und wir gehen davon aus, dass das in den nächsten Jahren weiter zunehmen wird. Die Dynamik kommt hier nicht zuletzt auch von den Sustainable Development Goals, die vergangenes Jahr beschlossen wurden. Die Oesterreichische Entwicklungsbank ist bereits in den Bereichen Geothermie, Solarenergie, Wasser- und Windkraft in verschiedenen Ländern, insbesondere in Südosteuropa, engagiert und wir möchten dieses Engagement weiter ausbauen.

Gupta: Für responsAbility wird der Energiesektor ebenfalls immer wichtiger. Das Problem ist häufig, dass zwar überall davon gesprochen wird, wie wichtig der Zugang zu „sauberer“ Energie ist und wie gewaltig die Nachfrage nach Kraftwerken in Entwicklungsländern ist. In Afrika gibt es aber beispielsweise kaum Projekte, in die man als Asset Manager investieren könnte. Deswegen haben wir für diesen Bereich ein eigenes Team gebildet, das den Bau und den Betrieb lokaler Kleinkraftwerke vorantreibt und auch selbst operativ verantwortet. Ein weiteres Anlagethema ist für uns die Agrarwirtschaft. Der Kapitalbedarf für den Aufbau einer nachhaltigen Landwirtschaft in den Entwicklungsländern ist riesig.

„Gerade für Afrika gilt, dass eher zu viel Geld am Markt ist als zu wenig. Was fehlt, sind bankfähige Projekte.“

Günther Kastner
C-Quadrat

Kastner:Gerade für Afrika gilt aber auch, dass eher zu viel Geld am Markt ist als zu wenig. Was nicht nur im Energiesektor, sondern ganz allgemein fehlt, sind bankfähige Projekte. Wir bewegen uns nur in funktionierenden Märkten. Davor überlassen wir es anderen, und wenn der Wettbewerb zu stark ist und keine Renditen mehr hergibt, dann ziehen wir uns wieder zurück. C-Quadrat ist daher in Afrika kaum investiert. Dort gilt es für Entwicklungsbanken, in den kommenden Jahren das Terrain für private Investoren aufzubereiten. Vielleicht ist bis dahin die Finanzmarktaufsicht auch schon so weit, dass sie die Entscheidung über ein Investment in die Mikrofinanz den Österreicherinnen und Österreichern zutraut und ihnen selbst überlässt.

Wancata: Unsere regionale Ausrichtung orientiert sich als Entwicklungsbank grundsätzlich an zwei Logiken, einerseits an den allgemeinen Marktchancen, andererseits an entwicklungspolitischen Überlegungen. Letztere stehen bei einem Engagement in Subsahara-Afrika derzeit noch ganz klar im Vordergrund, anders etwa als in Südosteuropa.

Gupta: Das Global Impact Investing Network GIIN hat gemeinsam mit Open Capital Advisors eine Marktanalyse zu Impact Investing im südlichen Afrika veröffentlicht. Diese Studie zeigt, dass internationale Finanzierungsinstitute die mit großem Abstand wichtigsten Investoren sind. Auch wenn die einzelnen Länder sich unterscheiden, so sind die Sektoren mit dem größten Anlagepotenzial überall die gleichen: Weiterverarbeitung landwirtschaftlicher Produkte, Energie und Lieferkettenintegration.

Vielen Dank für das Gespräch!

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DIE GESPRÄCHSTEILNEHMER

Simon Gupta ist seit 2015 als Head Business Development DFI/IFI bei der responsAbility Investments AG. Davor war er Prokurist in der KfW Bankengruppe.
Michael Wancata ist seit 2008 Mitglied des Vorstandes der Oesterreichischen Entwicklungsbank AG OeEB. Zuvor war er für die Oesterreichische Kontrollbank OeKB und die Länderbank tätig.
Günther Kastner ist seit 2006 geschäftsführender Gesell-schafter und CIO der C-Quadrat Asset Management GmbH, vormals Absolute Portfolio GmbH. Davor war er Prokurist und Leiter des Portfoliomanagements der Vienna Portfolio Management AG.


© corporAID Magazin Nr. 64
Das Gespräch moderierte Bernhard Weber.
Fotos: Mihai M. Mitrea

 

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