Großes Inteview

Wachstum mit den Kunden
in der Region

06/2016 - Für Heinrich Schaller, Generaldirektor der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich, stehen die Firmenkunden in der Kernregion im Zentrum der Wachstumsstrategie. Die Bank sieht er dabei zunehmend in der Rolle eines Sparringpartners, der einen Beitrag zur Entwicklung der Wirtschaft und der gesamten Region leistet.

corporAID: Wie schätzen Sie die aktuelle wirtschaftliche Lage ein?

Schaller: Ich sehe die Situation verhalten positiv. Die Industriebetriebe bringen nach wie vor sehr gute Ergebnisse, allerdings ist die Stimmung bei den Managern ambivalent. Das mag damit zu tun haben, dass die Erwartungen an das Wirtschaftswachstum in der Vergangenheit immer tendenziell zu hoch waren und die Ziele schließlich nach unten revidiert werden mussten. Wir sehen in Österreich zudem, dass der Konsum wieder anspringt, was aus meiner Sicht für die gesamte Wirtschaft ein sehr wesentlicher positiver Punkt ist. Was die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich anbelangt, so konnten wir im Jahr 2015 ein hervorragendes Ergebnis erwirtschaften. Wir haben unsere Eigenkapitalquote massiv gestärkt, und ich erwarte mir, dass wir auch in den kommenden Jahren gute Ergebnisse schreiben werden.

Wie macht sich der Wirtschaftsstandort Österreich im internationalen Vergleich?

Schaller: Viele österreichische Unternehmen haben bewiesen, dass sie im Exportgeschäft sehr erfolgreich sind. Als Wirtschaftsstandort ist Österreich immer noch gut, aber man muss sehr aufpassen, nicht weiter zurückzufallen. Genau dahin geht aber der Trend, wie aktuelle Statistiken und Rankings im Vergleich zu anderen europäischen Staaten zeigen. Wir dürfen unsere Wirtschaft nicht mit Vorschriften zu Tode regulieren. Schauen wir uns beispielsweise den Baubereich oder den Arbeitnehmerschutz an. Verstehen Sie mich nicht falsch: In diesen Bereichen sind Vorschriften wichtig, aber die Unternehmen müssen sie auch umsetzen können. Nur wird das in der betrieblichen Praxis immer schwieriger. Aber auch ausgabenseitig müssen wir in Österreich insbesondere durch eine Verwaltungsreform unser Budget sanieren und die vorhandenen Steuermittel zielgerichtet in Bereiche investieren, die uns auch in Zukunft weiterbringen – oder die Steuerquote senken.

Apropos Vorschriften: Wie stehen Sie zu der immer strenger werdenden Bankenregulierung?

Schaller: Die regulatorischen Rahmenbedingungen für Banken sind sehr herausfordernd. Vor der Finanzkrise war die Regulierung in zahlreichen Bereichen sicher zu gering, und viele Banken nutzten ihren Spielraum extrem aus. Ich denke aber, dass man mit den aktuellen Anforderungen bezüglich Governance und Kapitalauflagen zum Teil weit über das Ziel hinausschießt. Banken sind schließlich dazu da, die Realwirtschaft zu unterstützen. Unser Haus nimmt diese Verantwortung massiv wahr und finanziert viele Unternehmen in der Region. Wenn diese Regulierungswut so weitergeht, wird gerade das den Banken immer schwieriger gemacht. Irgendwann werden unsere eingeschränkten Finanzierungsmöglichkeiten zu einem Problem für die Realwirtschaft werden, weil diese sich nicht so entwickeln kann, wie sie sich entwickeln sollte. Es muss klar sein: Übertriebene Vorschriften schaden einer Volkswirtschaft.

„Es muss klar sein: Übertriebene
Vorschriften schaden einer Volkswirtschaft.“

Heinrich Schaller

Wo sehen Sie künftig die Wachstumsmöglichkeiten für die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich?

Schaller: Wir sind im Firmenkundengeschäft in Oberösterreich sehr stark, vor inzwischen fast 20 Jahren haben wir damit auch im süddeutschen Raum Fuß gefasst. Wir sind zudem in Teilen Tschechiens aktiv. Das sind unsere Kernregionen, in denen wir insbesondere im Firmenkundengeschäft wachsen wollen. Das erreichen wir, indem wir unseren Kunden ein kostengünstiges und gutes Service bieten – und nicht, indem wir darauf warten, dass die Kunden zur Bank kommen und uns ihren Finanzierungsbedarf schildern. Warten konnte man vielleicht früher einmal. Heute heißt Kundennähe, dass wir dem Kunden stets als Sparringpartner für seine Finanzierungsfragen zur Verfügung stehen und er immer im Bilde ist, welche Produkte wir für ihn bereithalten. Ich gehe davon aus, dass im Firmenkundengeschäft der direkte Kontakt sehr wichtig bleiben und die Beziehung zwischen Bank und Unternehmen sich zu einer echten Partnerschaft entwickeln wird.

Welchen Beitrag kann eine Raiffeisen Landesbank zur Internationalisierung der österreichischen Wirtschaft leisten?

Schaller: Ein Fortschreiten der Internationalisierung ist immer mit Investitionen verbunden. Diese Investitionen müssen finanziert werden, und wo sollte ein Unternehmen sich finanzieren wenn nicht bei seiner Bank? Das ist unsere ureigenste Aufgabe, die gerade wir als regional stark verankerte Bank bisher hervorragend erfüllt haben. Wir haben viele große Kunden – auch in der Industrie. Es ist ja bekannt, dass Oberösterreich ein sehr starker Industriestandort ist. Diese Unternehmen sind sehr international aufgestellt. Dabei begleiten wir sie in vielerlei Hinsicht – sei es bei Förderungen oder bei der Abwicklung ihrer finanziellen Geschäfte im Ausland. Wir beraten Unternehmen auch dahingehend, mit welchen lokalen Stellen sie am besten in Kontakt treten. Insofern glaube ich, dass wir in Oberösterreich einen Beitrag zur Weiterentwicklung der Wirtschaft geleistet haben und auch zukünftig leisten werden.

„Wir haben in Oberösterreich einen wesentlichen Beitrag zur Weiterentwicklung der Wirtschaft geleistet.“

Heinrich Schaller

Wie sieht es mit der Finanzierung von Geschäften in schwierigeren Märkten aus?

Schaller: Direkte Finanzierungen bieten wir nur in unserer Kernregion an. Alles, was darüber hinausgeht, wickeln wir über die Raiffeisen Bank International ab, die insbesondere in Osteuropa über ein sehr breites Netzwerk verfügt. Zudem nutzen wir gemeinsam mit unseren Kunden die Angebote der Oesterreichischen Kontrollbank, insbesondere wenn es um Garantien für Auslandsgeschäfte geht. In unserem Fall betrifft das aber meist keine Finanzierungen in Entwicklungsländern. Wobei Genossenschaftsbanken wie die unsere in einem weniger entwickelten Land sicherlich große Vorteile hätten.

Wie geht eine Genossenschaftsbank mit dem Thema gesellschaftliche Verantwortung um?

Schaller: Das Thema hat bei uns einen sehr großen Stellenwert, denn wir sind eine Organisation, die sich der Region verbunden fühlt. Genossenschaften sind ja entstanden, um sich gegenseitig zu unterstützen. Wir sind uns dieser Wurzeln sehr bewusst, daher sehen wir es immer noch als eine unserer Aufgaben, die Region weiterzubringen. Wir wollen nicht, dass Leute abwandern, weil es keine Arbeitsplätze gibt oder sie sich in ihrer Umgebung nicht mehr wohl fühlen. Daher ist es für uns auch wichtig, Gemeinden und regionale Vorhaben zu finanzieren. Wir sind dafür bekannt, dass wir uns, auch wenn es einmal schwieriger ist, nicht sofort verabschieden, sondern gemeinsam mit dem Kunden versuchen, diese Schwierigkeit zu überwinden. Das ist für eine Bank, die ihre Verantwortung wahrnimmt, ein ganz wesentlicher Punkt: Den Partner nicht im Stich zu lassen. Wir sind zudem der Meinung, dass wir auch soziale Einrichtungen und gesellschaftliche Anliegen unterstützen sollten. Wenn ich mich richtig entsinne, investieren wir gemeinsam mit den Raiffeisenbanken vor Ort in Oberösterreich jedes Jahr rund fünf Mio. Euro in die Gesellschaft.

Nach welchen Kriterien erfolgen diese Investitionen?

Schaller: Wir haben 2012 eine Sponsoringstrategie entwickelt und uns intensiv damit beschäftigt, wie wir das ganze Thema auch in einen CSR-Kontext setzen können. Also weg von einem klassischen Sponsoring nach dem Motto: „Ich gebe Geld und darf dafür ein Transparent aufstellen“, hin zu einer echten Kooperation und Zusammenarbeit. Wir fragen uns heute also: Welchen Beitrag und welches Know-how kann ich dem Partner bieten, und welchen Input kann er mir im Gegenzug anbieten? Was können wir voneinander lernen? Unsere Sponsoring-Strategie umschließt die Bereiche: Sport, Kunst, Gesellschaft und Kultur, ob in Sozial-, Umwelt- oder Nachhaltigkeitsthemen. Sie ist so breit gestreut, weil Raiffeisen nicht zuletzt aufgrund der Geschichte einfach ebenso breit in der Gesellschaft verankert ist. Dabei wollen wir keine One Hit Wonder-Projekte fördern, weshalb wir darauf achten, wie diese weiterleben und sich weiterentwickeln können. Bei Ideen, die an uns herangetragen werden, geht es auch immer um die Frage: Welche Zukunftsvision steckt dahinter? Und was bringt es der Region?

Wie sieht es mit gesellschaftlichem Engagement abseits von Spenden und Sponsoring aus?

Schaller: Wir sind als Unternehmen nicht nur Spender, sondern auch Partner für Spendenorganisationen, vor allem durch die Bereitstellung von technischem Know-how für moderne Spendenmöglichkeiten. Wir unterstützen aber auch unsere Mitarbeiter bei ihrem ehrenamtlichen Engagement. Viele von ihnen sind bei Traditionsvereinen, Blaulichtinstitutionen, Zivilschutzorganisationen oder karitativen Einrichtungen tätig. Daher verfolgen wir im Rahmen unserer Nachhaltigkeitsstrategie auch keinen dezidierten Corporate Volunteering-Ansatz, weil ich die Mitarbeiter nicht noch zusätzlich belasten möchte. Wir setzen hier vor allem auf flexible Arbeitszeitmodelle, damit sie dieses wichtige Engagement mit ihrer Arbeit bei uns verbinden können.

„Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.
Das gilt auch für Unternehmen.“

Heinrich Schaller

Sie haben vorhin CSR angesprochen. Wie ist die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich in diesem Bereich aufgestellt?

Schaller: Für uns ist CSR nur ein Teil eines umfassenderen Zugangs zu Nachhaltigkeit. Unter CSR subsummieren wir schwerpunktmäßig Themen wie Spenden, Förderungen und soziales Engagement. Bei Nachhaltigkeit geht es uns aber insbesondere um folgende Fragen: Wie kann ich meine Produktwelt in diese Richtung entwickeln? Wie kann ich sinnvolle Finanzierungen für nachhaltige Projekte anbieten? Bestes Beispiel sind Sustainable Investment Fonds. Unsere Fondsgesellschaft Kepler Fonds KAG ist seit dem Jahr 2000 mit Ethikfonds sehr erfolgreich – weil der Kunde das wünscht. Und zwar nicht nur der Privatkunde, sondern neben Pensionskassen, die dazu quasi verpflichtet sind, auch institutionelle Kunden, die eine Idee hinter ihren Investments wünschen und gewisse Themen ausgeschlossen wissen wollen. Man spürt am Markt, dass dieser Trend immer stärker wird und es nicht mehr nur um Glory Hunting bei Zinsen geht, sondern der Anleger sicherstellen möchte, dass sein Geld beispielsweise nicht für Kinderarbeit verwendet wird.

Wo muss ein Unternehmen ansetzen, um zukunftsfähig zu bleiben?

Schaller: Ich glaube, es war der Neckermann-Gründer, der einmal gesagt hat: Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit. Das gilt auch für Unternehmen. Wir müssen die Herausforderungen unserer Zeit annehmen und versuchen, die unterschiedlichsten Entwicklungen positiv für uns zu nutzen, anstatt uns massiv davor zu fürchten. Das heißt: Ich muss mich anpassen und versuchen, auch in Zukunft ganz vorne mit dabei zu sein. Im Bankenbereich ist beispielsweise die Digitalisierung ein ganz wesentliches Thema. Wir müssen uns aber auch mit den Entwicklungen in der Industrie beschäftigen, weil wir auch zukünftig auf qualifizierte Art und Weise beurteilen können sollten, ob bestimmte neue Geschäftsmodelle von Erfolg gekrönt sein werden. Denn wenn wir hier völlig ahnungslos sind und die Chancen und Risiken nicht adäquat einschätzen können, besteht die Gefahr, dass wir die falschen Entwicklungen finanzieren anstatt jene, die tatsächlich Erfolg haben werden.

Vielen Dank für das Gespräch.




----------------------------------------------------------
ZUR PERSON:

Heinrich Schaller übernahm 2012 den Posten des Generaldirektors der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich. Der promovierte Jurist ist seit 1987 in der Finanzbranche tätig. Nach seinem Einstieg bei der Raiffeisen Zentralbank wechselte er 2000 zur RLB OÖ und 2006 als Vorstand zur Wiener Börse, um 2012 in den Raiffeisen-Konzern zurückzukehren. Neben seiner aktuellen Position hält der 56-jährige Oberösterreicher mehrere Aufsichtsratsmandate inne und ist Vorsitzender des Universitätsrats der Johannes Kepler Universität Linz.

ZUM UNTERNEHMEN:


Das Raiffeisenforum in Linz

Partner in der Region
Die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich bildet die zweite Stufe der Raiffeisen Bankengruppe in Oberösterreich und ist gemessen an der Bilanzsumme die viertgrößte heimische Bank. Mit 52 Bankstellen betreut der RLB OÖ-Konzern einen Großteil der regionalen Unternehmen. Gemeinsam mit den 94 oberösterreichischen Raiffeisenbanken und insgesamt rund 440 Bankstellen bildet sie die Raiffeisenbankengruppe OÖ mit mehr als 940.000 Kunden. Darüber hinaus verfügt das Unternehmen über acht Standorte in Süddeutschland sowie eine Niederlassung in Prag. Die Konzernstruktur umfasst mehr als 150 vollkonsolidierte Tochterunternehmen sowie weitere Beteiligungen an Unternehmen wie der Voestalpine oder der AMAG. Mit rund 2.800 Mitarbeitern (ohne Industriebeteiligungen) wurde 2015 ein Betriebsergebnis in Höhe von 281,5 Mio. Euro erzielt.


© corporAID Magazin Nr. 64
Fotos: Nina Bennett, RLBOÖ
Das Interview führte Bernhard Weber.

 

Kommentare

 
 

 
Suche:  
Aktuelle Artikel

Großes Interview: Letztlich wird alles digitalisiert

Leitartikel: Ganz nüchtern

Kommentar: Luft nach oben

Termine

7.9.17 Forum: Afrika im Fokus

corporAID Kompaktworkshop: Globale Nachhaltigkeitsagenda

Sie sind zurzeit nicht angemeldet.
» Anmelden » Registrieren » Passwort vergessen

Österreichische Unternehmen unterstützen corporAID
http://corporate.coke.at