CSR-Vision

Warten auf Godot

11/2016 - Während die Hauptfiguren aus Samuel Becketts Klassiker unbeirrt an die Ankunft des unbekannten Erlösers glaubten, setzte die österreichische CSR-Community am CSR-Tag 2016 dem eigenen Warten ein jähes Ende: Den großen politischen Schulterschluss wird es nicht geben, so die Erkenntnis. Es ist an der Zeit, dass die Wirtschaft die Dinge selbst in die Hand nimmt.

Zum Thema:

Interview mit Werner Wutscher, respACT Vorstand

Rund 300 Gäste aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft diskutierten beim CSR-Tag über Chancen für eine nachhaltige Entwicklung.


It‘s over Staatssekretär Harald Mahrer erklärte den Nationalen Aktionsplan CSR für gescheitert.

Kann der Nationale Aktionsplan zu Corporate Social Responsibility aus dem Dornröschenschlaf geweckt werden? Genau diese Frage stellte sich Harald Mahrer, Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, zu Beginn seiner Amtszeit vor zwei Jahren. Am diesjährigen, von der Unternehmensplattform respACT organisierten CSR-Tag in der Brotfabrik in Wien Favoriten stellte er fest: Bislang nicht, und das wird wohl auch so bleiben. Überraschend für die rund 300 Teilnehmer waren eher Mahrers klare Worte und weniger, dass der bereits für Ende 2012 angekündigte Aktionsplan nun tatsächlich mangels Konsens der zuständigen Ministerien offiziell beerdigt wurde. Wenn sogar der zuständige Staatssekretär selbst deutlich macht, dass das Thema nicht mehr auf der Agenda steht, darf man fragen: War es das mit dem politischen Gestaltungswillen zu unternehmerischer Verantwortung in Österreich?

Die Teilnehmer am CSR-Tag ließen sich davon jedenfalls nicht die gute Laune verderben und verbreiteten Zuversicht. „Neue Denkweisen und mutiges Unternehmertum sind eine Chance für unsere Betriebe“, sagte respACT-Präsidentin Ursula Simacek, CEO des gleichnamigen Facility Management Unternehmens. Ein aktueller Grund für Optimismus beim Thema Unternehmen und Nachhaltigkeit wurde in den Globalen Zielen für nachhaltige Entwicklung SDG gesehen. „Die SDG sind das neue Rahmenwerk internationaler Zusammenarbeit für eine nachhaltige Entwicklung und werden den Trend zu nachhaltigerem Wirtschaften beschleunigen“, sagte Guido Schmidt-Traub, Leiter des Sustainable Development Solutions Network der Vereinten Nationen, in seiner Keynote. Unternehmen, die effiziente und innovative Lösungen in den Sektoren Energieeffizienz, Infrastruktur oder (Ab-)Wassertechnik auf den Markt bringen, sind dabei zentrale Akteure. „Die SDG sind in ihrem Wesen ein Produkt der sozialen Marktwirtschaft, also ein europäisches Produkt“, schlug Schmidt-Traub abschließend die Brücke zur heimischen Nachhaltigkeitsagenda. Unter reger Beteiligung des Publikums wurde diese in acht Themensessions erörtert – angefangen von aktuellen österreichischen Herausforderungen wie der Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen und Migranten über klassische CSR-Themen wie Reporting, Klimaschutz und Kreislaufwirtschaft bis zur neuen CSR-Vision.


Neue CSR-Vision für Österreich Zukunft gestalten in vier Handlungsfeldern

CSR-Vision Die neue Vision für nachhaltiges Wirtschaften wurde von der Plattform respACT in den vergangenen Monaten mit und für ihre rund 270 Mitgliedsunternehmen erarbeitet. Ziel war, eine Grundlage für ein neues CSR-Verständnis zu schaffen. Ausgehend von der These, dass CSR der Beitrag der Wirtschaft zur nachhaltigen Entwicklung ist, den Unternehmen durch aktive Verantwortungsübernahme und ein Bekenntnis zur Gestaltung der Zukunft erbringen, fokussiert die Vision auf vier Felder: wirksame Lösungen umsetzen; innovative Wege gehen; Erfolge feiern; und gemeinsam in Bewegung bleiben. Die Debatten am CSR-Tag zeigten: Ein Schlüssel, um der Vision Taten folgen zu lassen, sind Kooperationen zwischen den verschiedenen Sektoren – denn die Herausforderungen der Zukunft können nur gemeinsam bewältigt werden.

Wie das Gemeinsame auch die politische Ebene erreichen kann, war ein weiterer Diskussionspunkt. Denn auch wenn die SDG das Potenzial haben, hier neuen Schwung zu bringen, lässt das Scheitern des Aktionsplans nicht viel Raum für positive Erwartungen. Zumal sich die Akteurs-Konstellation seither nicht verändert hat und der Blick auf das große Ganze von Partikularinteressen verstellt ist. Die Aufgabe der Politik läge letztlich darin, ressortübergreifend Herausforderungen und Ziele im Kontext der globalen nachhaltigen Entwicklung zu definieren und dort, wo CSR zu Lösungen beitragen kann, entsprechende Rahmenbedingungen zu formulieren und Maßnahmen zu setzen.

Am Ende appelliert auch Mahrer „an die Crowd“, nicht auf die Politik zu warten und selbst zu handeln. Ein guter Ratschlag, wenn man nicht wie die Protagonisten von Beckett enden will, die sich die Wartezeit mit sinnlosen Diskussionen vertrieben, statt sich einfach auf den Weg zu machen. Denn wie wir wissen: Godot hat sich nie blicken lassen.


© corporAID Magazin Nr. 66
Autor: Sophie Langer-Hansel
Fotos: Gebrüder Pixel, respact, Beigestellt

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