Internationalisierung

Seit 70 Jahren global präsent

02/2016 - Österreich ist eine Exportnation. Das ist maßgeblich das Verdienst der Außenwirtschaftsorganisation der Wirtschaftskammer. Über ihre Außenstellen begleitet sie bis heute heimische Unternehmen in die Welt. Ob weit genug? Das ist eine Frage, die sie sich selbst immer wieder stellt und stellen muss.

Momentaufnahme Die bestehenden 76 Außenwirtschafts-Center der WKO gereiht nach erstem Eröffnungsdatum.


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Es begann in Paris, am 1. April des Jahres 1946. An diesem Tag trat Eugen Frisch mit einem vierköpfigen Team seinen Dienst als erster österreichischer Handelsdelegierter überhaupt an. Die Position war dem nach Frankreich ausgewanderten Österreicher vom ersten Präsidenten der neu geschaffenen Bundeskammer der gewerblichen Wirtschaft und späteren Bundeskanzler Julius Raab persönlich angeboten worden. Frisch‘s Aufgabe war eine doppelte: Er sollte in Frankreich Importlizenzen für österreichische Produkte erlangen und zugleich den Import lebensnotwendiger Güter aus Frankreich und seinen Kolonien in das Nachkriegsösterreich in Gang bringen. Frisch erwies sich als Mann der Tat: Bereits einen Monat später präsentierten zwanzig Austro-Firmen ihre Ware bei der Pariser Messe.

Von da an verging kein Jahr, ohne dass nicht mindestens eine und bis zu sechs Außenhandelsstellen eröffnet wurden. Das kontinuierlich steigende Exportvolumen schien diesem zügigen Rhythmus recht zu geben. Noch 1949 wurden Büros in Prag, Zürich und Stockholm eröffnet, schon zwei Jahre später ging es nach Übersee: Man wollte in den Märkten Südamerikas, Asiens und des Vorderen Orients so rasch wie möglich Fuß fassen. Auch vor dem kommunistischen Polen schreckte man nicht zurück. Die Expansion folgte fortan keiner strikten Systematik, berichten die Annalen der heute für die internationalen Vertretungen der österreichischen Wirtschaft zuständigen Außenwirtschaft Austria, „vielmehr eröffnete man Büros überall dort, wo geeignete Leute zu finden waren“. Der pragmatische Zugang war natürlich finanziell motiviert. Denn etliche Stützpunkte wurden ehrenamtlich geführt, bis Handelsdelegierte die Staffel übernahmen – eine Praxis, die erst 1974 aufgegeben wurde.

Maximale Ausdehnung Im vierzigsten Jahr ihres Bestehens, 1986, hatte die damalige Bundeswirtschaftskammer mit nicht weniger als 90 Außenstellen ihre höchste Präsenz erlangt. Der aktuelle Slogan „Austria ist überall“ hätte damals besser gepasst als heute – bei zehn Büros in Subsahara-Afrika (heute drei), elf in Mittel- und Südamerika (heute fünf) und je 14 in Nordafrika und Nahost (heute neun) sowie Süd- und Südostasien (heute sechs). Die Exotik fand ihren Höhepunkt mit Büros in Sri Lanka, Sambia oder Kuba. Und, kaum vorstellbar aus heutiger Sicht: Man war auch in Nordkorea vor Ort. Das Ergebnis war dennoch nicht zufriedenstellend: In Fernmärkten schnitt Österreichs Wirtschaft trotz weltweiter Präsenz der Außenstellen im Vergleich mit der Schweiz, Belgien oder Norwegen schlecht ab.

Die nächsten drei Dekaden Es folgte eine Phase, in der mehr Außenstellen geschlossen als eröffnet wurden. Die Schließungen folgten in der Regel finanziellen Überlegungen oder politischen Entwicklungen. Manche Büros blieben als Zweig- oder Marketingbüros erhalten, oft blieb man in Verbindung mit einem lokalen Konsulenten, der im Bedarfsfall aktiv wurde. Gelegentlich kam es später zur Wiedereröffnung: so etwa das Büro in Bukarest, das bereits 1953 einmal geschlossen wurde, in São Paulo, Algier, Washington und brandaktuell in Nairobi. Bei der Einrichtung neuer Büros ging der Trend zunehmend in Richtung China, Naher Osten, GUS und Balkan. Überraschend: die neuerliche Stärkung der Präsenz in einzelnen Regionen Europas.

Aus der Notwendigkeit, noch viel mehr Unternehmen – insbesondere KMU – für den Export zu mobilisieren, riefen im Jahr 2003 das Wirtschaftsministerium gemeinsam mit der Wirtschaftskammer die Initiative „Go International“ ins Leben. Dadurch erhielt die Außenwirtschaft Austria – übrigens bis heute – zusätzliche Mittel, um Fördermaßnahmen zu setzen und so das Exportvolumen weiter in die Höhe zu treiben. Besonderes Augenmerk galt wieder den Fernmärkten, vorwiegend um durch eine höhere Diversifizierung der Märkte die Abhängigkeit von Europa zu reduzieren. Es war notwendig, in jene Regionen zu gehen, „die vor allem auf Grund der Verschiebung der globalen Wirtschaftszentren konjunkturell besser dastehen als der europäische Wirtschaftsraum“, so eine aktuelle Aussendung. Mit diesem Gedanken wurden Unternehmen noch 2003 zur ersten BRIC-Konferenz nach Wien geladen und die Wirtschaftsreisen in Schwellen- und Entwicklungslandmärkte intensiviert. „Österreichische Unternehmen im Land Dschingis Khans“ oder „Lateinamerika: Zukunftsregion für österreichischen Außenhandel“ lauten seither typische Schlagzeilen. Und die Maßnahmen greifen – das zeigt die stete Zunahme der Exporteure, des Exportvolumens und die steigende Bedeutung der Fernmärkte.

Die Aufgabe der Außenwirtschaft Austria geht heute aber weit über den reinen Export hinaus. Sie will Unternehmen bei ihrer internationalen Geschäftstätigkeit umfassend unterstützen. Eine Umbenennung weist auf dieses Selbstverständnis hin: Seit 2011 firmieren Handelsdelegierte als Wirtschaftsdelegierte. Die Außenwirtschaftsorganisation enwickelt sich also auch selbst ständig weiter, seit Eugen Frisch und dank vieler weiterer Pioniere, die ihre Geschichte über die Jahrzehnte prägten.

© corporAID Magazin Nr. 62
Text: Ursula Weber
Fotos: Fotos: WKO Archiv, Unternehmensgeschichtl. Archiv Jonathan Martz/Wikicommons, SDASM Archiv, Melanie Pölzinger

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