Interview

Verantwortung braucht regelgeleiteten Umgang

12/2015 - Felicitas Mocny, Leiterin des Master-Studiums „Responsible Management“ an der Berliner Steinbeis Universität spricht im Interview über Missverständnisse und die Bedeutung der Wissenschaft rund um das Thema unternehmerische Verantwortung.


Felicitas Mocny ist Leiterin des Masterstudiums „Responsible Management“ an der Steinbeis Universität in Berlin: „Wir wollen nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch zeigen, wie man es im Unternehmen einsetzen kann.“

corporAID: Kann man verantwortungsvolles Wirtschaften überhaupt lernen?

Mocny: Verantwortungsvolles Wirtschaften fußt auf ethischem Wissen, das erlernt werden kann wie jedes andere auch. Es gibt sehr konkretes Wissen darüber, was Verantwortung bedeutet, was es historisch ist, in welchem Kontext es vorkommt, wie man es umsetzt. Natürlich sollte Verantwortung automatisch Bestandteil jedes Handelns sein, aber man muss auch fragen, was passiert, wenn das nicht der Fall ist? Um Verantwortung zu integrieren, muss ich erst wissen, was Verantwortung ist. Das liegt nicht im eigenen Ermessen, man braucht die Akzeptanz des Gegenübers. Um diese zu erreichen, bedarf es grundlegender, verbindlicher Regeln für die Akzeptanz, was als verantwortlich interpretiert werden kann und was nicht.

Wie beurteilen Sie den Bedarf an Führungskräften, die sich in ihrem Studium mit ethischen Fragen beschäftigt haben?

Mocny: Es gibt eine Analyse, auf die Jürgen Kluge, langjähriger Chef von McKinsey hinweist, mit der Aussage, dass mehr als 50 Prozent aller Firmenuntergänge durch unethisches Verhalten entstanden sind und nicht aus ökonomischen Gründen. Dies entspricht dem, was wir immer behaupten. Führungskräfte müssen sich in diesen Fragen auskennen, da sie heute überwiegend mit Entscheidungen konfrontiert sind, die einen ethischen Aspekt tangieren.

Was haben Sie seit Beginn des Studiums am Lehrplan geändert, verbessert?

Mocny: Die Grundidee war und ist: CSR braucht eine wissenschaftliche Fundierung, und das ist die Unternehmensethik. Das hat sich als richtiger Gedanke erwiesen.

Was war in den fünf Jahren das wichtigste Learning, was hat Sie überrascht?

Mocny: Dass die Studierenden wenig von der wissenschaftlichen Thematik wissen. Der Gap zwischen vorhandenem Wissen im Unternehmen und dem, was man braucht, um das zu qualifizieren und zu systematisieren, ist riesig. Der Erfolg ist, dass sich die Studierenden darauf einlassen – sie sind begeistert, wenn sie merken, dass sie sich dieses Wissen kognitiv aneignen können und es ihnen hilft.

Geben Sie uns ein Beispiel, wie das Wissen in der Praxis umgesetzt wird?

Mocny: Wir sind eine anwendungsorientierte Universität und arbeiten daher mit integrierten Unternehmensprojekten wie etwa die Entwicklung von Human Rights-Strategien oder die Umsetzung von Elektromobilität für Tuk Tuks. Dabei geht es vom naturwissenschaftlichen und technischen Wissen hin zur Frage, wie man die Akzeptanz der Bevölkerung bekommt – hier sind Stakeholder-Management und Kommunikationsstrategie gefragt.

Haben Skandale – Stichwort VW oder Deepwater Horizon – für Ihre Anliegen Wirkung gezeigt?

Mocny: Kein Unternehmen würde sagen, dass es sich nicht um Verantwortung kümmert. Unternehmen machen zum Teil viel, aber sie machen es eben nicht immer richtig. Man braucht einen regelgeleiteten Umgang mit Verantwortung, damit sie Wirkung beim Gegenüber entfalten kann.

Vielen Dank für das Gespräch!

© corporAID Magazin Nr. 61
Das Gespräch führte Clemens Coudenhove-Kalergi.

 

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