CSR-Ausbildung

Kann Verantwortung gelernt werden? Ja!

12/2015 - Während die Begriffe Corporate Social Responsibility und Nachhaltigkeitsmanagement von Unternehmen eher unterschiedlich definiert werden, wächst der Markt an Ausbildungen für meist berufsbegleitende Studien oder Lehrgänge stetig an. Eine Auswahl.

Zum Thema:

Interview mit Fred Luks, Wirtschaftsuniversität Wien

Interview mit Felicitas Mocny, Steinbeis Universität Berlin

Studieren mit Verantwortung Die IMC Fachhochschule Krems bietet seit 2013 das viersemestrige Master- und Bachelor-Studium "Umwelt- und Nachhaltigkeits-management" an.

Jürgen Kluge, langjähriger Chef von McKinsey Deutschland erinnert sich noch genau, einem Mitarbeiter einmal folgende Aufgabe erteilt zu haben: Es galt, die Gründe zu identifizieren und zu kategorisieren, aus welchen ein zufällig gewähltes Sample von hundert Unternehmen vom Markt verschwunden war. Das für ihn damals doch überraschende Ergebnis: „Mehr als fünfzig Prozent dieser Firmen sind über das unethische Verhalten eines Einzelnen oder einer kleinen Gruppe gestolpert. Dahinter rangierten strategische Gründe wie etwa verpasste globale Wirtschaftstrends, gefolgt von ganz wenigen Unternehmen, die aus operativen Gründen gescheitert sind. Und daran wird sich wahrscheinlich bis heute nicht viel geändert haben“, ist Kluge, der heute als selbstständiger Unternehmensberater arbeitet, überzeugt.


Steinbeis Universität Berlin

Für Felicitas Mocny, Studienleiterin des Masterstudiums „Responsible Management“ an der Berliner Steinbeis Universität, ist diese Analyse gewissermaßen Wasser auf ihren Mühlen. Mocny schätzt, dass Führungskräfte heute oft mit Entscheidungen konfrontiert sind, die ethische Aspekte tangieren. Und es gebe sehr wohl ganz konkretes Wissen über Bedeutung, Kontext, Historie und Umsetzung von Verantwortung. „Man braucht in Unternehmen einen regelgeleiteten Umgang mit Verantwortung, damit diese Wirkung entfaltet“, sagt Mocny (siehe Interview im Link). Mehr als 120 Absolventen haben den 18 Monate dauernden Master in Berlin bereits absolviert. Der Praxisbezug steht bei der Ausbildung im Vordergrund.


Roman Mesicek Studienleiter an der IMC FH Krems

Trommeln für Nachhaltigkeit Praxisbezug und interdisziplinärer Ansatz sind denn auch die stets hervorgehobenen Begriffe der zahlreichen Studien- und Lehrgänge zum CSR-Thema, die in Österreich um Studenten buhlen. Seit 2013 bietet etwa die IMC Fachhochschule Krems das berufsbegleitende viersemestrige Master- und Bachelorstudium „Umwelt- und Nachhaltigkeitsmanagement“ an. Studienleiter Roman Mesicek ist überzeugt, dass „Umweltthemen auch im Management immer wichtiger“ werden. ‚Green economics’ zögen sich in Krems wie ein roter Faden durch alle Vorlesungen, weitere Schwerpunkte seien Kommunikation, Klimapolitik, breitgefächerte Management-Tools – Beispiel Öko-Controlling – und Volkswirtschaft.

„2016 werden das Energieeffizienzgesetz sowie der CSR-Leitfaden ISO 26000 die Schwerpunkte bilden“, so der Studienleiter. Ein wichtiger Forschungsschwerpunkt mit Praxisbezug heißt „CSR und Innovation“, wobei die Studierenden hier die Auswirkungen von CSR-Maßnahmen von KMU auf Innovationsprozesse im Rahmen eines Projektes erforschen und den Unternehmen präsentieren. Bisherige Partner aus der Wirtschaft waren hierbei etwa der Entsorgungsspezialist Stark GmbH oder der Österreichische Tourismusverband. Das bislang größte Projekt war Mesicek zufolge ein von den Studierenden konzipierter und durchgeführter Stakeholder Dialog für das Forum Pharmazeutische Industrie. Was sich Unternehmen von „seinen“ Absolventen erwarten? „Dass sie Nachhaltigkeitsaufgaben im entsprechenden Kontext kompetent abwickeln, Umweltkostenrechnung beherrschen und Nachhaltigkeitsberichte erstellen können. Am Ende zählt natürlich die fachliche Kernkompetenz des Absolventen“, unterstreicht Roman Mesicek abschließend.

Zum „Akademischen CSR-Manager“ kann man sich an der FH Wien des Berufsförderungsinstitutes BFI ausbilden lassen. Alles rund um CSR, interkulturelle Kompetenz, Diversity Management sowie europäische und internationale Dimensionen der Thematik sowie der Umgang mit Normen, Auditierungen und Zertifizierungen sind die Inhalte des zweisemestrigen Lehrgangs, der sich an Führungskräfte, CSR- und PR-Manager richtet.


Sylvia Brenzel ist Leiterin der Plenum Akademie

Eine ganze Reihe von Seminaren bietet das auf Nachhaltigkeit spezialisierte Beratungsunternehmen Plenum an. Als Meisterklasse für Nachhaltigkeit bezeichnet Sylvia Brenzel, Leiterin der Plenum Akademie den Kurs „Quint.Essenz“, der stark auf Nachhaltigkeitsinnovation und Veränderungsprozesse fokussiert. „Alle Teilnehmer entwickeln während des Kurses eigene Projekte aus ihrem jeweiligen Arbeitsbereich, unterstützt von der Kursleitung und Mentoren aus der Nachhaltigkeitsszene“, erzählt Brenzel und betont, dass sich der Lehrplan unbedingt an der unternehmerischen Praxis orientieren sollte.


Modul University Vienna

Globale Trends „Expanding Horizons“ lautet das Motto der Modul University Vienna, die – ziemlich passend dazu – am Wiener Kahlenberg gelegen ist. Spezialisiert und bekannt ist die Privatuniversität im Eigentum der Wirtschaftskammer Wien für wirtschaftswissenschaftliche Studien, seit Herbst 2013 spielt auch das Thema Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle am Kahlenberg. Mit dem viersemestrigen Masterstudium „Sustainable Development, Management and Policy“ sollen Absolventen von Sozial-, Wirtschafts-, Natur- und Ingenieurwissenschaften auf die Herausforderungen von Globalisierung und Nachhaltigkeit vorbereitet werden. Eine Besonderheit des MSc-Studiums der Modul University ist sicherlich der internationale Mix an Lehrenden, was wiederum ein weiteres Ziel verdeutlicht, nämlich interkulturelles Verständnis zu fördern, das die Studierenden auf die Heraus- und Anforderungen von Führungspositionen in internationalen Konzernen vorbereiten soll.


Wirtschaftsuniversität Wien


Christof Miska Institute for International Business, WU Wien

CSR-Themen einbetten Das Bekenntnis der Wirtschaftsuniversität Wien zur Nachhaltigkeit mit Leben zu füllen, ist die Aufgabe des hauseigenen Kompetenzzentrums für Nachhaltigkeit, das Fred Luks seit 2013 leitet. „Das Wichtigste ist die Wirkung, die die WU entfaltet: was die Studierenden lernen und was sie in die Unternehmen an Nachhaltigkeitskompetenz mitbringen“, so Luks (siehe auch Interview im Link). Das Zentrum informiert Studierende über Lehrveranstaltungen zum Thema, organisiert Workshops mit Lehrenden und externen Experten und unterstützt damit den Erfahrungs- und Wissensaustausch.

Zusehends wichtiger wird die Bedeutung von Nachhaltigkeit auch für das Masterstudium International Management CEMS, ebenfalls an der WU Wien. CEMS ist eine mittlerweile globale Allianz für Management Education. „Wir forschen sehr viel im Bereich Corporate Responsibility und versuchen, diese Themen im gesamten Curriculum zu verankern“, erklärt Christof Miska, Assistenzprofessor am Institute for International Business an der WU. Ein wichtiger Teil des Studiums ist Miska zufolge der Praxispart, beispielsweise ein CEMS-Business Projekt in Zusammenarbeit mit der OMV. Miska: „CSR-Themen werden im Studium auf zwei Ebenen behandelt. Einerseits kognitiv, also Wissen über Corporate Responsibility und Nachhaltigkeit und dafür relevante Aspekte wie der UN Global Compact, bestimmte ISO-Standards sowie die Rolle von NGO und NPO. Andererseits auf affektiver und verhaltensorientierter Ebene, was die kritische Auseinandersetzung mit dem eigenen Verhalten und den eigenen Einstellungen in Bezug auf nachhaltige Entwicklung impliziert“, so Miska.

Breit gefächertes Angebot Eine Auswahl an heimischen Ausbildungseinrichtungen, die Studien und Kurse zu CSR und Nachhaltigkeitsthemen anbieten.


Jasmine Böhm leitet die Abteilung
Corporate Sustainability bei der OMV.

Gute Erfahrungen mit den CEMS-Studenten an der WU hat auch Jasmine Böhm, Leiterin Corporate Sustainability bei der OMV, gemacht. „Von denen hätte ich gerne die Hälfte aufgenommen“, erklärt Böhm, die selbst unter anderem Global Management studierte. „Angebot und Qualität der Ausbildungen im Bereich Nachhaltigkeit sind gut, allerdings sollte das mit einem Managementstudium kombiniert werden“, findet Böhm und ergänzt: „Wichtig für den Bereich Stakeholder Management ist die Berufserfahrung während des Studiums, um soziale Situationen einschätzen und mit Menschen umgehen zu können.“ Positive Erfahrung hat Böhm und ihr Team auch mit Praktikanten der IMC FH Krems gemacht. „Wir haben Masterarbeiten betreut, bei denen es etwa um Sustainability-Themen der OMV ging“, erzählt sie.

Fazit: Einig sind sich die Experten an den einzelnen Universitäten und Ausbildungseinrichtungen, dass Nachhaltigkeits- und CSR-Themen heute in sämtlichen Studienrichtungen eine Rolle spielen beziehungsweise spielen sollten. Und dass es stets um die praktische Anwendung beziehungsweise Anwendbarkeit von Verantwortungs- und Nachhaltigkeitstheorie gehen muss. Bleibt zu hoffen, dass Jürgen Kluge mit seiner eingangs beschriebenen pessimistischen Einschätzung nicht recht behält. Und wenn Unternehmen vom Markt verschwinden, dass dies nicht aus wirtschaftsethischen Gründen passiert.

© corporAID Magazin Nr. 61
Text: Clemens Coudenhove-Kalergi
Foto: IMC FH Krems, OMV, WU Wien, Steinbeis Universität.

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