Internationalisierung

Von Leonding in die bunte weite Welt

12/2015 - 1892 gegründet, heute mehr als 400 Mitarbeiter und Aufträge von Österreich über Polen und Gabun bis Aserbaidschan und Tadschikistan: Der Malereibetrieb von Otto Hirsch ist ein Familienunternehmen mit einer etwas anderen Auffassung von Nachhaltigkeit. Mit kulturellem Gespür und sozialem Engagement sorgt der Oberösterreicher weltweit für farbenfrohe Entwicklung.




Mini-Versailles in Baku 2008 bis 2009 arbeitete Hirsch am Präsidentenpalast in der Hauptstadt von Aserbaidschan.

Was haben der Flughafen von Dushanbe, Tadschikistan, ein Krankenhaus in Libreville, Gabun, das Klinikum Klagenfurt, die neue Wirtschaftsuniversität in Wien oder der Präsidentenpalast in Baku, Aserbaidschan, gemeinsam? Innenanstrich und Trockenbau – bei Letzterem auch Stuck- und Dekorationsarbeiten – stammen von einem österreichischen Unternehmen. „Hirsch – Malerei und mehr“ ist wahrscheinlich der einzige heimische Betrieb seiner Art, der in Ländern tätig ist, die man so gar nicht mit einem Malermeisterbetrieb aus Leonding bei Linz in Verbindung bringen würde.


Otto Hirsch „Die Prämisse für die Zukunft der Firma lautet Nachhaltigkeit statt Gewinnmaximierung.“

Büros und Einkaufszentren, Industrie- und Wohnbauten, Krankenhäuser und Garagen hat das Unternehmen in Zentral- und Osteuropa im Auftrag der größten Bauunternehmen ausgestattet, was nicht zuletzt an der Strategie des heutigen Firmenchefs Otto Hirsch liegt, der das vor über 120 Jahren gegründete Unternehmen heute in vierter Generation führt. Eigentlich wollte der umtriebige Vater von vier Kindern Architekt werden, nach dem plötzlichen Tod seines Vaters stieg er unverhofft im Jahr 1978 in den Familienbetrieb ein, dem er nun seit 1990 vorsteht. „Ich habe in Linz an der HTL Hochbau studiert, das Rüstzeug und die pädagogischen Fähigkeiten für die Führung des Unternehmens aber vor allem bei den Pfadfindern gelernt“, erinnert sich Hirsch, der eigentlich lieber über seine zahlreichen Sozialprojekte – hauptsächlich in Nairobi, Kenia – erzählen würde, für die er „lebt und stirbt“. Und die Leidenschaft für dieses soziale Engagement rühre ebenfalls von seiner Zeit bei den Pfadfindern, denen er bis heute emotional verbunden ist.


Prestigeprojekt Hirsch zeichnete für den Innenausbau der Wirtschaftsuniversität Wien verantwortlich.

Familiäres Beteiligungsmodell Die expansive Entwicklung des oberösterreichischen Mittelständlers begann jedenfalls in den 1990er Jahren. „Das erste große internationale Projekt war die Sanierung der österreichischen Botschaft in Ankara. Vor Kurzem renovierten wir übrigens die deutsche Residenz in der Nähe von Istanbul“, erzählt Hirsch, der Mitte der 90er Tochterunternehmen in der Tschechischen Republik und Polen gründete und mit dem Trockenbauangebot für Hotels und Einkaufszentren groß wurde. Hirsch betont, dass er damals nicht die Malerei exportieren wollte, sondern die Idee des Familienbetriebs: Ein regional verankertes und am Unternehmen beteiligtes Management ist Voraussetzung für jedes Tochterunternehmen der Gruppe. Sein Motto damals wie heute: Nachhaltigkeit vor Gewinnmaximierung.

Unvergessen bleibt für ihn die Episode der ersten Firmengründung in Polen: Ausgestattet mit einem absoluten Minimum an Startkapital ließ er sich von einem polnischen Mitarbeiter, „der kein Wort deutsch sprach“, dazu überreden, eine Niederlassung in Warschau zu gründen. Und heute ist der ehemalige Spachtelmeister Jacek Urbanczyk 48-Prozent-Eigentümer der Hirsch Warschau GmbH. „In Polen haben wir ein Beteiligungsmodell für unsere Manager aufgesetzt und halten dort mittlerweile nur noch 30 Prozent an den drei Gesellschaften. Unsere drei Geschäftsführer sind Unternehmer, beschäftigen in Wrozlaw, Katowice und Warschau insgesamt rund 220 Mitarbeiter und legen Ende des Jahres ihre erste Bilanz“, berichtet Hirsch, der sich bis 2020 gänzlich aus Polen zurückziehen will. Aus den Firmen sollen dann drei „nachhaltig gewachsene polnische Familienunternehmen“ werden.

Abenteuer Zentralasien Mittlerweile ist die Hirsch-Unternehmensfamilie nach Polen, Tschechien und Russland sogar am Kaspischen Meer angelangt. Von 2008 bis 2010 wurde dort der Palast des aserbaidschanischen Präsidenten Ilham Aliev gebaut. Eine Art „Mini-Versailles“, scherzt Hirsch, der für den Innenausbau des gigantischen Gebäudes zeitweise einen Trupp von 180 Handwerkern beschäftigt hat. Wie man an einen solch ungewöhnlichen Auftrag kommt? „Dank des belgischen Bauunternehmens Besix, aber auch durch Frechheit, denn ein derart großes und anspruchsvolles Projekt hatten wir nie zuvor durchgeführt. Wir sind weit über uns hinausgewachsen. Manchmal muss man sich die Latte hoch legen, um Mögliches zu erreichen“, sinniert der Unternehmer. Neben Trockenbau, Stuckarbeiten, Malerei und Beschichtungen umfasste der aufwendige 7 Mio. Euro-Auftrag übrigens auch Vergoldungsarbeiten, Dekoration und Freskomalerei. Mittlerweile ist das Tochterunternehmen in Aserbaidschan ein profitables Standbein der Gruppe. „Wir haben dort 20 Mitarbeiter, die das Geschäft verstehen und Führungsqualität bewiesen haben.“ Gemeint sind Fingerspitzengefühl bei kulturellen, aber auch religiösen Eigenheiten des Erdölstaates: „Aserbaidschan ist ein muslimisches Land. Wenn das jemand nicht akzeptiert, ist er dort fehl am Platz“, spielt Hirsch auf die Anfangsschwierigkeiten in Baku an.

Nicht minder anspruchsvoll war ein weiteres Projekt in Zentralasien, nämlich der neue Flughafen von Dushanbe in Tadschikistan, der 2014 fertiggestellt wurde. Hirsch International sorgte für den gesamten Innenausbau mit Gipskarton, Wänden, Decken, Bodenbelägen und Epoxy-Beschichtungen. „Der Erfolg derartiger Großprojekte hängt davon ab, die Fähigkeiten verschiedenster Experten zu bündeln“, weiß Hirsch, der für das Terminal-Projekt in Tadschikistan von der französischen Vinci-Gruppe beauftragt wurde. Und diese Managementkapazität in Kombination mit der Qualität der Ausführung ist der Grund dafür, „dass wir von unseren Stammkunden weiterempfohlen werden oder unseren Kunden ins Ausland folgen“. Managementqualität und -kapazität bewies Hirsch bereits bei einer Reihe von Spitälern, beispielsweise bei der Arbeit für das Klinikum Klagenfurt. Dieses für Hirsch bisher größte Krankenhausprojekt wurde im Rahmen einer Arbeitsgemeinschaft mit vier Kärntner Malereibetrieben gemeistert. Und groß ist auch der Auftrag für ein Gesundheitszentrum in Gabun in Westafrika.


Airport in Dushanbe 2014 wurde der Flughafen in Tadschikistan fertiggestellt.

Abenteuer Zentralasien Mittlerweile ist die Hirsch-Unternehmensfamilie nach Polen, Tschechien und Russland sogar am Kaspischen Meer angelangt. Von 2008 bis 2010 wurde dort der Palast des aserbaidschanischen Präsidenten Ilham Aliev gebaut. Eine Art „Mini-Versailles“, scherzt Hirsch, der für den Innenausbau des gigantischen Gebäudes zeitweise einen Trupp von 180 Handwerkern beschäftigt hat. Wie man an einen solch ungewöhnlichen Auftrag kommt? „Dank des belgischen Bauunternehmens Besix, aber auch durch Frechheit, denn ein derart großes und anspruchsvolles Projekt hatten wir nie zuvor durchgeführt. Wir sind weit über uns hinausgewachsen. Manchmal muss man sich die Latte hoch legen, um Mögliches zu erreichen“, sinniert der Unternehmer. Neben Trockenbau, Stuckarbeiten, Malerei und Beschichtungen umfasste der aufwendige 7 Mio. Euro-Auftrag übrigens auch Vergoldungsarbeiten, Dekoration und Freskomalerei. Mittlerweile ist das Tochterunternehmen in Aserbaidschan ein profitables Standbein der Gruppe. „Wir haben dort 20 Mitarbeiter, die das Geschäft verstehen und Führungsqualität bewiesen haben.“ Gemeint sind Fingerspitzengefühl bei kulturellen, aber auch religiösen Eigenheiten des Erdölstaates: „Aserbaidschan ist ein muslimisches Land. Wenn das jemand nicht akzeptiert, ist er dort fehl am Platz“, spielt Hirsch auf die Anfangsschwierigkeiten in Baku an.

Nicht minder anspruchsvoll war ein weiteres Projekt in Zentralasien, nämlich der neue Flughafen von Dushanbe in Tadschikistan, der 2014 fertiggestellt wurde. Hirsch International sorgte für den gesamten Innenausbau mit Gipskarton, Wänden, Decken, Bodenbelägen und Epoxy-Beschichtungen. „Der Erfolg derartiger Großprojekte hängt davon ab, die Fähigkeiten verschiedenster Experten zu bündeln“, weiß Hirsch, der für das Terminal-Projekt in Tadschikistan von der französischen Vinci-Gruppe beauftragt wurde. Und diese Managementkapazität in Kombination mit der Qualität der Ausführung ist der Grund dafür, „dass wir von unseren Stammkunden weiterempfohlen werden oder unseren Kunden ins Ausland folgen“. Managementqualität und -kapazität bewies Hirsch bereits bei einer Reihe von Spitälern, beispielsweise bei der Arbeit für das Klinikum Klagenfurt. Dieses für Hirsch bisher größte Krankenhausprojekt wurde im Rahmen einer Arbeitsgemeinschaft mit vier Kärntner Malereibetrieben gemeistert. Und groß ist auch der Auftrag für ein Gesundheitszentrum in Gabun in Westafrika.


Krankenhaus in Libreville Im Auftrag der Vamed will Hirsch International die Arbeiten an dem Spital in Gabun im April 2016 abschließen.

Ein Spital in Libreville Eines der erfolgreichsten Spitalsprojekte soll das „Centre Hospitalier Universitaire Fondation Jeanne Ebori“ in der Hauptstadt Libreville werden. Im Auftrag der Vamed zeichnet Hirsch International für den gesamten Innenausbau veranwortlich. „Die Herausforderung bei diesem Auftrag ist die Projektleitung, die in enger und fairer Partnerschaft mit Vamed arbeitet“, so Hirsch. Ein Problem in Gabun ist allerdings, dass man dort keine Facharbeiter findet. Lokale Mitarbeiter verrichten fast nur Hilfsarbeiten. „In Gabun habe ich schon Pläne bezüglich eines Ausbildungsprojektes für das Baunebengewerbe entwickelt. Die ersten Gespräche dazu sind für Anfang 2016 fixiert“, sagt Hirsch, der sich in diesem Zusammenhang auch eine Wirtschaftspartschaft mit der Austrian Development Agency vorstellen kann. Der Großteil der Professionisten vor Ort sind rumänische Mitarbeiter. „Die sind zum Großteil Mitte 20 und spielen sich teilweise als Helden auf. Dieser Umstand verlangt auch Johann Bogensperger großes pädagogisches Gespür dafür ab, die Leute am Boden zu halten“, streut der Firmenchef seinem Projektleiter Rosen.

Außerdem: Nicht nur Logistik und Transport des gesamten Materials und Werkzeugs von Hamburg nach Libreville mit See-Containern sondern auch die klimatischen Verhältnisse würden Bogensperger und seinem Team alles abverlangen. Die geplante Bauzeit von nur einem Jahr soll außerdem nur knapp überschritten werden, die Eröffnung des Spitals ist für April 2016 anberaumt. Im Gespräch mit corporAID zeigt sich Otto Hirsch aber auch ganz und gar offen, wenn er über Misserfolge spricht. Beispielsweise in der Tschechischen Republik hätte man aufgrund der Wirtschaftskrise einerseits und eines korrupten regionalen Geschäftsführers andererseits Lehrgeld zahlen müssen. Gemeinsam mit seinem Co-Geschäftsführer Robert Kandler und einem neuen Manager vor Ort will Hirsch das Geschäft in Tschechien nun wieder kräftig ankurbeln.


Mehr als nur Anstreichen Das Salzburger Shoppingcenter SCA von innen

Organisation und Qualität „Unser wichtigstes Erfolgsgeheimnis ist, dass wir gegenüber dem Auftraggeber mit einem Ansprechpartner auftreten, der alles unter Kontrolle hat und die einzelnen Schnittstellen der Projektorganisation optimieren kann“, ist Otto Hirsch überzeugt. Und dass dieser Umstand den Tatsachen entspricht, beweisen die zahlreichen Finanzskandale bei großen Bauprojekten, die oftmals mangelnder Kommunikation oder Koordination geschuldet sind. Und was wünscht sich Otto Hirsch für seine Firmengruppe? „Qualität und Leistung sollen in Zukunft wirklich überall gleich hoch sein, egal ob in Österreich, Polen, Aserbaidschan oder Afrika.“ Ausbildung und Zeit sowie nachhaltige Firmenstrukturen und natürlich ein wirtschaftliches Fundament seien dafür unerlässlich.

Und wie sieht die Zukunft aus? Otto Hirsch plant eine ähnliche Nachfolgeregelung für das Stammunternehmen wie in Polen. Ganz ohne Wehmut erzählt er, dass seine vier Kinder nämlich andere Karrierepläne hätten, als den Familienbetrieb in die Zukunft zu führen. Wichtig ist Otto Hirsch III in erster Linie folgendes: Keine Investorengruppe und keine Aktiengesellschaft soll das Unternehmen künftig lenken, sondern Eigentümer, die gleichzeitig Manager sind und die Idee des Familienbetriebes weiterführen. Und wer weiß? Möglicherweise wird es eines Tages ja auch einen Afrika-Ableger der Hirsch-Gruppe geben. „Diese Latte liegt hoch, ich werde es jedenfalls versuchen“, meint Hirsch abschließend und wünscht wie immer „farbenfrohe Grüße“ ehe er sich eiligen Schrittes wieder in Richtung Flughafen aufmacht.

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DAS UNTERNEHMEN

MALEREI UND MEHR
Das erstaunliche Wachstum des oberösterreichischen Spezialisten für Trockenbau und Malerei.

Der 1892 gegründete Malereibetrieb wird in vierter Generation von Otto Hirsch geleitet. Von 30 Leuten 1980 wuchs das Unternehmen aus Leonding auf über 400 Mitarbeiter und hält Beteiligungen in Polen, Tschechien, Russland und Aserbaidschan. Die Exportquote liegt bei knapp 70 Prozent.

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SOZIALES ENGAGEMENT IN KENIA

BACKEN UND KICKEN IM SLUM VON NAIROBI
Otto Hirsch engagiert sich für eine Reihe von Entwicklungsprojekten – etwa in Nairobi, Kenia.


Bäckerei im Slum In der ‚Angel Bakery‘ in einem Slum in Nairobi werden derzeit acht Lehrlinge ausgebildet.

Neben der Führung seines Betriebes ist Otto Hirsch seit vielen Jahren als personifizierter Motor zahlreicher Hilfsprojekte in Südosteuropa, Asien und Afrika engagiert. Neben Hilfsaktionen für die Kärntner Caritas, für die er bis 2014 auch als offiziell Beauftragter für deren Auslandsprojekte fungierte, stellte er Kinderhilfsprojekte in Afghanistan und Uganda auf die Beine, organisierte gemeinsam mit der Diakonie Österreich Sozialprojekte für behinderte Kinder in Rumänien, Tschechien und Kroatien und unterstützte kriegstraumatisierte Menschen in Sarajevo.


Das Team der Acakoro-Fußballakademie, beheimatet in der von Hirsch und Caritas gesponserten Damaskus-Schule in Nairobi.

In der kenianischen Hauptstadt Nairobi führt Hirsch das Lebenswerk des langjährigen Caritas-Kärnten-Entwicklungshelfers Peter Quendler und der Missionsschwester Lydia Pardeller, beide inzwischen verstorben, weiter. In Korogocho, dem drittgrößten Slum Nairobis, kümmert sich Hirsch um die Erhaltung von Schulen und eröffnete gemeinsam mit Backaldrin (Kornspitz)-Eigentümer Peter Augendoppler eine profitorientierte Bäckerei, in der vorerst acht Lehrstellen geschaffen wurden. Die duale Ausbildung dauert zwei Jahre bis zur Meisterprüfung. Aus den Profiten der ‚Angels Bakery‘ finanziert sich die nahegelegene Macao- beziehungsweise Damaskus-Schule.

Gemeinsam mit Ex-Fußball-Profi Helmut Köglberger gründete Hirsch außerdem die Fußballakademie Acakoro (Academy of Korogocho Football). Mehr als 70 Kinder von acht bis zwölf Jahren trainieren dort nach der Schule. Köglbergers Ziel ist es, 30 Prozent der Teilnehmer an der Fußballakademie zu Profi-Sportlern auszubilden.

In vier Jahren sollen die Projekte im Korogocho-Viertel so weit sein, dass die Menschen dort keine Finanzhilfe aus Europa mehr benötigen.

© corporAID Magazin Nr. 61
Text: Clemens Coudenhove-Kalergi
Foto: Hirsch

 

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