Internationalisierung

Auf der Suche nach Wachstum

05/2015 - Österreichs Außenhandel hat 2014 einen neuen Rekord erzielt. Das Umfeld ist aber schwieriger geworden, Österreichs Gesamtperformance liegt unter dem europäischen Durchschnitt. Volkswirtschafter Fritz Breuss hält eine Radiuserweiterung im Außenhandel für notwendig.

Zum Thema:

Interview mit Fritz Breuss, Volkswirtschafter

Neue Märkte Politik und Wirtschaft suchen Hand in Hand Anknüpfungspunkte im Ausland. Hier mit dem Präsidenten der Mongolei in der Wirtschaftskammer Ende 2014.

Der Export ist der wichtigste Motor der österreichischen Wirtschaft und Konjunktur – sechs von zehn Euros werden im Ausland verdient. Weshalb gute Nachrichten dazu besondere Bedeutung haben. Und die gab es Mitte März bei der Präsentation der Außenhandelszahlen für 2014: Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl berichtete, „dass Österreichs Exportunternehmen trotz weltwirtschaftlich schwieriger Bedingungen einen neuen Exportrekord einfahren konnten“. Ein großer Sprung war es nicht, aber immerhin legten die Exporte 2014 trotz des teilweisen Ausfalls des Russland-Geschäfts um 1,7 Prozent auf 127,9 Mrd. Euro zu. Die Importe fielen um 0,8 Prozent auf 129,7 Mrd. Euro. Das Handelsbilanzdefizit verringerte sich damit einmal mehr.

Im Ergebnis sieht Leitl auch eine Bestätigung für den Nutzen von Go International. Dieses von Wirtschaftsministerium und Wirtschaftskammer angebotene Exportförderprogramm läuft nun seit acht Jahren und ging von 2013 bis 2015 mit einem Budget von 31 Mio. Euro bereits in die vierte Runde. Ende April sollen Programm und Budget für eine neue Etappe startklar sein. Go International ist darauf gerichtet, das Exportvolumen durch eine höhere Beteiligung der Produktionsunternehmen an der Exportwirtschaft und eine Ausweitung des Exportradius zu erhöhen. Der Erfolg: Mit jährlich 2.000 Neuzugängen seit 2008 sind heute 50.000 österreichische Unternehmen im Export tätig, der Anteil des außereuropäischen Exports stieg im gleichen Zeitraum von 16,5 auf 20 Prozent – ein beachtlicher Sprung, aber kein Ruhekissen, solange ganze Erdteile auf Österreichs Exportradar unterbelichtet sind. Leitl erklärt, weshalb die Reise weiter hinaus soll: „Derzeit gehen rund 80 Prozent unserer Ausfuhren in den europäischen Raum. Wir wollen diese Gewichtung in Richtung der prosperierenden Überseeregionen verlagern, wo österreichische Unternehmen mit ihren Produkten und Dienstleistungen noch bessere Absatzchancen vorfinden – in Länder, wo es auch in der zur Zeit weltwirtschaftlich angespannten Lage noch immer ein höheres Wachstum gibt als augenblicklich in Europa.“

Global Player mit Hang zur Nähe Österreichs Export ist ungleich verteilt. Die unmittelbare Nachbarregion ist der mit deutlichem Vorsprung intensivst bearbeitete Absatzmarkt, gefolgt von Resteuropa – 80 Prozent des Exports finden hier statt. Es folgen die Wachstumsmärkte der nördlichen Hemisphäre mit Exportvolumina zwischen 3 und 10 Mrd. Euro. Der Export in die Großregionen im Süden erreicht nur noch marginale Anteile.


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Hinaus Diese Zielsetzung hat Fritz Breuss, einer der bekanntesten Volkswirtschafter Österreichs, in einer aktuellen Studie bereits vorweggenommen. Er weist darauf hin, dass der neue Exportrekord nicht darüber hinwegtäuschen soll, dass Österreich 2014 weniger als 0,5 Prozent Wachstum verzeichnete, während Deutschland um 1,6 Prozent und die EU insgesamt um 1,3 Prozent gewachsen sind. Laut Prognosen des Internationalen Währungsfonds wird Österreich auch 2015 zu den Schlusslichtern in Europa zählen. Die Stimmung bei den Unternehmen ist entsprechend verhalten. „Die Betriebe sehen kein eindeutig positives Wachstum. Der Ausblick reicht derzeit nicht aus, um die KMU zu Investitionen und zusätzlichem Beschäftigungsaufbau zu motivieren“, beschreibt der Leiter der WKO-Wirtschaftspolitik Christoph Schneider die Lage.

Breuss ist der Ansicht, dass in Österreich nach dem Auslaufen des EU-Erweiterungsbonus – mit dem großen Aufholbedarf in den neuen EU-Mitgliedsländern – nun eine Ausweitung des Exportradius aus eigener Kraft notwendig ist (vgl. Interview). Er konstatiert: „Die Wachstumstreiber der vergangenen Jahre verlieren an Wirkung. Also muss Österreich etwas tun und selbst neue Impulse setzen. Eine Möglichkeit wäre eine Stärkung und Neuorientierung der Außenhandelspolitik in Richtung mehr Globalisierung.“



Externe Effekte Das Wachstum des österreichischen Bruttoinlandsprodukts BIP seit 1995 gründet auf dem EU-Beitritt und den EU-Erweiterungs-schritten.

Dass ein größerer Radius möglich ist, zeigen vergleichbare Länder wie Dänemark und die Schweiz mit einem 30- bzw. 40-prozentigen Anteil an Fernexporten.

Für Breuss ist Go International eine wichtige Initiative, um die Nachteile der KMU-geprägten österreichischen Wirtschaft gegenüber den großen Exportnationen „etwas auszugleichen“. Darüber hinaus hält er eine breitere Auseinandersetzung mit den Themen Internationalisierung und Globalisierung für notwendig. Er verweist dazu auf das Kompetenzzentrum Forschungsschwerpunkt Internationale Wirtschaft FIW, einer Kooperation unter anderem von WU Wien, Universität Linz und Wirtschaftsforschungsinstitut. „Auch wenn Förderungen aktuell zur Diskussion stehen, sollte Österreich weiter aktiv in die Internationalisierung investieren“, so Breuss, „dort liegt das zukünftige Wachstum.“

© corporAID Magazin Nr. 57
Text: Ursula Weber
Bild: WKO

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