Interview

Globale Entwicklung braucht Unternehmertum

03/2014 - ICEP Geschäftsführer und Herausgeber des corporAID Magazins Bernhard Weber über die Beweggründe für das Magazin, über erreichte Ziele und über die Richtung, in die es mit corporAID weitergehen soll.


Bernhard Weber ist Mitgründer und Geschäftsführer der Entwicklungsorganisation ICEP, die seit 2003 das corporAID Magazin herausgibt. Der promovierte Betriebswirt ist seit 1996 in der Entwicklungszusam-menarbeit tätig.

corporAID: Warum gibt es corporAID?

Weber: Mit corporAID wollen wir das Verständnis vertiefen, wie Wirtschaft und Entwicklung zusammenwirken und welches Potenzial darin liegt. Gleichzeitig rücken wir die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Chancen der Globalisierung in den Horizont der österreichischen Unternehmen. Und wir zeigen die Relevanz auf, die Entwicklungszusammenarbeit dafür hat. Denn diese sollte hierzulande weniger als Ausgabeposten, sondern vielmehr als Investition gesehen werden, von der die Menschen in Schwellen- und Entwicklungsländern Nutzen tragen und auch die heimische Unternehmen profitieren können. Wir brauchen in Österreich eine ganzheitliche Außenwirtschafts- und Entwicklungsstrategie, die Interessen formuliert und verfolgt und dazu schaut, dass Österreich gerade über seine vielen, hervorragenden Unternehmen seinen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung leistet.

Wie kam es zum corporAID Magazin?

Weber: Die österreichische Entwicklungsorganisation ICEP wurde vor fast 20 Jahren gegründet, um etwas Sinnvolles und Dauerhaftes für die Menschen in Schwellen- und Entwicklungsländern zu leisten. ICEP hat globale Armutsbekämpfung von Anfang an mit einem wirtschaftlichen Fokus betrieben. Wir waren unzufrieden, dass in Österreich globale Entwicklung vor allem mit Problemen und nicht auch mit Chancen in Verbindung gebracht und dass die Wirtschaft als Feind und nicht als Partner für Entwicklung gesehen wurde. Wir wollten uns auch nicht damit abfinden, dass Entwicklungszusammenarbeit so im Abseits lag, weitab von der Mitte der Gesellschaft. Um hier etwas zu ändern, haben wir 2003 mit dem corporAID Magazin ein Medium gestartet, das mit einem optimistischen Zugang Inputs zu einem differenzierteren Denken aus globaler Perspektive liefert und dabei den Fokus darauf legt, wie nachhaltiges Wirtschaften einen realen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit von Sozial- und Ökosystemen in Entwicklungs- und Schwellenländern leisten kann.

Inwieweit hat sich das Ziel, österreichische Unternehmen für globale Entwicklung zu gewinnen, erfüllt?

Weber: Bester Ausdruck sind die vielen Partner aus der Wirtschaft, die unser Anliegen mittragen. Darunter einige, die der Entwicklungszusammenarbeit durchaus mit Vorbehalt gegenüberstanden. Auch das persönliche Interesse der Topmanager für Interviews über die Herausforderungen und Chancen der Globalisierung, die gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen und deren Rolle für die weltweite Schaffung von Wohlstand bestätigt die Relevanz unserer Themen. Zudem ist Wirtschaft und Entwicklung in Österreich heute ganz sicher fester verankert als vor zehn Jahren, nicht zuletzt auch in der staatlichen Entwicklungszusammenarbeit. Hier war der Druck, die begrenzten Mittel am wirksamsten im Kampf gegen die Armut einzusetzen, unser bester Verbündeter gegen jene Ideologien und Parallelwelten, die sich in der Entwicklungszusammenarbeit viel zu lang ausbreiten konnten.

Was hat corporAID schon erreicht – und wie soll´s weitergehen?

Weber: Das corporAID Magazin hat sich als Special Interest Magazin etabliert, aber auch unsere Konferenzen und Multilogues haben ihren Platz gefunden. Wir konnten so das eine oder andere Thema nach Österreich bringen, etwa Mikrofinanz, Social Entrepreneurs, Base of the Pyramid oder Shared Value. Wir haben andererseits auch das Verständnis gefördert, dass die großen Fragen, die Österreich bewegen und an denen unser Wohlstand hängt, nicht zwischen Bodensee und Neusiedlersee entschieden werden. Die großen Fragen sind globale Fragen, die auch globale Antworten verlangen. Um den Dialog mit der Wirtschaft weiterzuentwickeln, halte ich es für vordringlich, verstärkt Ressourcen in die inhaltliche Vertiefung zu investieren. Da geht es nicht zuletzt auch darum, unsere Beratungsangebote weiter zu verbessern, damit mehr Unternehmen mehr bewegen. Am Ende ist es ja genau das: Wir wollen mehr bewegen!


@ corporAID Magazin Nr. 50
Foto: Mihai M. Mitrea

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